Stürmischer Saison-Abschied – Serie: Lob der Langsamkeit auf MS Sans Souci (Teil 22/24)

Das Museums-Schulschiff GORCH FOCK (I) hinter der SANS SOUCI im Stralsunder Nordhafen. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther, 2017

Stralsund, Deutschland (MaDeRe). Peter Grunewald runzelt dennoch am nächsten Morgen die Stirn. Mit Blick zum Himmel, über den der steife Ostwind graue Wolken vor sich her jagt, meint der sonst unerschütterliche Hüne. „Lauterbach können wir uns heute wohl abschminken“, meint der Kapitän.

Die letzten Gäste kommen vom Landausflug zurück. „Schön, überschaubar und gemütlich“ sei es in Stralsund gewesen, loben die hier neu Zugestiegenen den Stadtrundgang. Sie freuen sich aufs Mittagessen mit Blick aufs Ozeaneum oder die 1933 gebaute GORCH FOCK (I).

Eine Reihe von ihnen verschiebt das leckere Schweinesteak, als der SANS SOUCI-Kapitän um 13 Uhr das Signal zum Ablegen gibt und die Leinen ins Wasser des Nordhafens klatschen. Sie wollen Peter Grunewald beim Manövrieren über die Schulter schauen, während die turmbewehrte Skyline der Hansestadt filmreif an Steuerbord vorübergleitet. Die Ziegelgrabenbrücke bleibt geschlossen, denn MS SANS SOUCI macht sich für die Passage klein.

Das Steuerhaus fährt hydraulisch in den Keller und der Vormast mit den knatternden Flaggen senkt sich wie von Geisterhand nach vorn. Thomas Quatsling, der mitreisende Stralsunder Marinemaler, zieht unwillkürlich den Kopf ein. „Sieht knapp aus“, ist der Ex-Seemann skeptisch und zückt seine Kamera. „Beim jüngsten Hochwasser hätte es schon problematisch werden können“, meint Grunewald. Er lenkt den 1000-Tonner aus seiner Sichtluke im Steuerhausdach souverän durch das „Loch“.

Querab der Insel Kleiner Dänholm schließlich Hebel auf den Tisch! Im Radfahrertempo von zwölf Kilometern pro Stunde schiebt sich das elegante Flusskreuzfahrtschiff durch die Ostansteuerung. Nach zwei Stunden wird Palmerort, das Südwest-Kap von Rügen, gerundet.