Erstarrt am Nadelöhr – Serie: Finnisches Wintermärchen am Saimaa (Teil 9/10)

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Eisbrecher METEOR vor Savonlinna. © Foto: Christian Rödel, BU: Stefan Pribnow

Savonlinna, Saimaa, Finnland (MaDeRe). Die Polarnacht ist schwarz, die Quecksilbersäule mittlerweile auf minus 23 Grad abgesackt. Wärmen kann da nur noch die ständig aufgeheizte Bord-Hölle, pardon, Sauna. So lässt sich die Konvoifahrt über das eisige Kopfsteinpflaster des Saimaa-Sees halbwegs aushalten.  

Während es auf der Brücke am Joystick-Ruderhebel heißt: Steuermann halt die Wacht! Kapitän, Erster und die beiden Matrosen lösen sich dabei ab. METEOR und RMS GOOLE, die in Puumala noch einen Lotsenwechsel hat, poltern auf dem einsamen inselgespickten Schlängelkurs unverdrossen nach Norden. Dabei passieren sie „Zonen der Stille”, nämlich durch starke Strömungen offen gehaltene Wasserlöcher. Und das trotz extremer sibirischer Kälte.

Burg Olavinlinna (Olafsburg) in Savonlinna (Anfang Februar 2021). © Foto: Christian Rödel, BU: Stefan Pribnow

An Backbord wird die Parade der wuchtigen rundturmbewehrten Festung Olavinlinna abgenommen, wo im Sommer die weltbekannten Opernfestspiele stattfinden. Jetzt liegt sie erstarrt am Nadelöhr des Saimaa Sees. Die 37.000-Einwohner-Stadt Savonlinna gleitet vorüber. Hier wird die RMS GOOLE um drei Uhr früh an den von Norden kommenden Eisbrecher „Protector“ übergeben. „Wir parken mal rückwärts ein”, verkündet Eerik breit grinsend und dreht seine METEOR so gekonnt, bis sie im Yachthafen fest im Eis liegt. Genau vor einem Supermarkt. Maschine stopp. Nach dem Frühstück schiebt Matrose Sergei Beljohin eine Leiter außenbords. „Wir gehen jetzt Nachschub einkaufen”, verkündet Ardi. Dick vermummt stapfen die Eismänner durch den Pulverschnee, unter dem der See schlummert.   

Nach einem furiosen Sonnenuntergang, der sogar die Eisdecke erröten und Kältenebelschwaden aufsteigen lässt, dampft METEOR nach Norden, um den Frachter LIANNE abzuholen. „Die Rinne muss ständig offengehalten werden”, erläutert Eeric, „dafür sind wir vom finnischen Staat gechartert worden”. Wieder eine stukende Nachtfahrt, „aber daran haben wir uns längst gewöhnt”, verabschiedet sich Ardi mit roten Augen, bevor er um Mitternacht auf Wache zieht und dabei vielleicht auch an wärmere Zeiten auf seiner estnischen Heimatinsel Saaremaa denkt.

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