An der Salzach – Serie: Bayern bereisen (Teil 1)

Der Europasteg über die Salzach bei Laufen. © Gerhard Kotschenreuther

Laufen, Tittmoning, Deutschland (MaDeRe). Mehr noch als in anderen Jahren ist Deutschland heuer Reiseziel Nummer eins. Neben den allgemein bekannten Sehenswürdigkeiten gibt es unzählige versteckte, unbekannte oder schlichtweg übersehene Sehenswürdigkeiten, wunderschön herausgeputzte Kleinstädte, kulinarische Highlights und vieles mehr.

Ich möchte in einer kleinen Reihe auf einige dieser Besonderheiten aufmerksam machen und Interesse wecken. Auch als Franke schätze ich vieles in Bayern und möchte es gerne vorstellen.

Bayern hat noch viel mehr zu bieten als Ludwigschlösser oder Berge.

An der Salzach

Ein Kreuzgang in Laufen an der Salzach. © Gerhard Kotschenreuther

Die Salzach ist der Grenzfluss im Südosten Deutschlands zwischen Bayern und Österreich. Direkt über Brücken mit dem Nachbarland verbunden ist das hübsche Städtchen Laufen, das wie ein Keil in den Fluss ragt. Die Salzach brücke im Jugendstil von 1903 ist für den Autoverkehr, auf dem 2006 erbauten Europasteg kommt man zu Fuß nach Österreich, wo man von einer Statue des Brückenheiligen Nepomuk begrüßt wird. In der Mitte von Laufen liegt der schmucke Marienplatz mit zahlreichen Läden und Gaststätten. Der Platz, der einst durch den Salzhandel reich gewordenen Stadt, hat wie die gesamte Altstadt fast unbeschädigt die Jahrhunderte überstanden. Ein kleiner Spaziergang lohnt sich. So gelangt man z.B. zur Stiftskirche mit einem sehenswerten Kreuzgang, in dem zahlreiche Epitaphien (Grabtafeln) reicher Laufener Familien angebracht sind. Die Kirche ist übrigens die älteste gotische Hallenkirche in Süddeutschland.

Allerlei Autos auf dem (Markt-) Parkplatz von Tittmoning. © Gerhard Kotschenreuther

Weiter geht es nun nach Norden, nach Tittmoning. Das 6000 Einwohner Städtchen liegt ebenfalls direkt am Grenzfluss Salzach. Durchquert man eines der beiden historischen Stadttore, gelangt man direkt zu dem riesigen Stadtplatz mit dem Floriansbrunnnen in der Mitte. Stattliche Bürgerhäuser säumen den Platz. Auch hier wird der ehemalige Reichtum, den der Salzhandel beschert hat, deutlich. Markant sind die sogenannten Blendfassaden, die ein einheitliche Bild vermitteln, die aber auch als Brandschutz für die dahinter verborgenen Giebel dienten. Bei einem kleinen Rundgang wird man viele interessante Details entdecken. Sehenswert sind besonders das Wagnerhaus, in dem heute die Sparkasse ihren Sitz hat, das Rathaus, in dem sich auch die Touristen Information befindet, die viele interessante Materialien bereit hält, die Allerheiligenkirche des ehemaligen Augustiner Klosters und die Stadtpfarrkirche mit Gemälden des berühmten Barockkünstlers Cosmas Damian Asam. Über der Stadt erhebt sich die mächtige Burg aus dem 13. Jh. von der man einen großartigen Blick auf die Stadt und die umgebende Landschaft hat. In der Burg, zu der man über eine breite Holzbrücke gelangt, befinden sich ein Heimatmuseum und eine sehenswerte Kapelle.

Klerikale Pracht. © Gerhard Kotschenreuther

Nun geht es weiter auf der Bundesstraße 20 in Richtung Burghausen (die Stadt ist seit langem weit über Deutschland hinaus für ihr internationales Jazzfestival bekannt und hat die längst Burganlage der Welt). Nach ein paar Kilometern geht es rechts hinunter durch den Wald zum Kloster Raitenhaslach. Die 1803 säkularisierte Zisterzienserabtei wurde später teilweise abgerissen, viele wertvolle Möbel, die unschätzbare Bibliothek und vieles mehr „verschwand“ auf nimmer wiedersehen. Der weitläufige Klosterhof mit umliegenden Gebäuden ist jedoch erhalten und fein restauriert. Die TU München unterhält hier ein Studienzentrum. Außerdem gibt es hier einen Bilderbuchgasthof mit traditionell bayerischer Küche. In den geschmackvoll gestalteten Gästezimmer(1) kann man gepflegt übernachten und die wundervolle Ruhe dieses magischen Ortes genießen. Ein besonderer Höhepunkt ist die Klosterkirche St. Georg, die seit einer umfassenden Restaurierung (1982) in neuem Glanz erstrahlt. Die ursprünglich romanische Pfeilerbasilika ist überreich im barocken Stil geschmückt. Auf dem großflächigen Deckenfresko wird die Geschichte des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux erzählt.

Die Wallfahrtskirche Marienberg. © Gerhard Kotschenreuther

Fährt man noch ein Stück weiter in Richtung Burghausen, sieht man in erhabener Position die „Perle des Salzachtales“ genannte Wallfahrtskirche Marienberg zu der ein Straße hoch führt. Man steigt einige Stufen hoch und muss erst einmal kurz Luft holen, wenn man den üppigen im Rokoko Stil geschmückten Innenraum betritt. Im Hauptaltar dominiert ein Gnadenbild Marias als Himmelskönigin und zahlreiche Votivtafeln danken u.a. für wundersame Heilungen. Auf dem Deckengemälde schweben die Ordensgründer Bernhard, Franziskus, Norbert und Dominikus dem Himmel entgegen (Benedikt fehlt interessanterweise!). In den Seitenkapellen stehen vier prächtige goldgefasste Reliquiare mit prunkvoll eingekleideten Skeletten. Es handelt sich um so genannte „Katakombenheilige“. Das sind aus den römischen Katakomben hierher gebrachte Skelette, über die eigentlich überhaupt nichts näheres bekannt ist. Da man damals annahm, alle in den Katakomben Bestatteten seien christliche Märtyrer, waren diese Toten ein willkommenes Handelsobjekt, denn jede Kirche wollte gerne einen eigenen Heiligen habe. So haben diese Unbekannten eine späte „Karriere“ gemacht und werden mit irgendeinem Fantasienamen ausgestellt.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: An der Salzach von Gerhard Kotschenreuther.

Reisehinweis:

(1) Empfehlung für die Übernachtung: Hotel und Klostergasthof Raitenhaslach, Heimatseite im Weltnetz: https://www.altstadthotels.net/hotels/klostergasthof-raitenhaslach/