Belém, kein Bethlehem in Brasilien – Serie: Rund um Südamerika (Teil 29/37)

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Der alte Fischereihafen in Belém. Quelle: Wikimedia, gemeinfrei, Foto: Quelle Wikimedia gemeinfrei, Foto: Frankrae, Frank Krämer, 2004

Belém, Brasilien (MaDeRe). Nach dem Tag auf dem Atlantik verbringen wir zwei Tage in Belém. Ganze 120 km vom offenen Meer entfernt liegt diese Millionenmetropole an der Baia de Marajó, dem Mündungstrichter des Rio Tocantin und des Rio do Pará. Belém? Richtig, das heißt auf Deutsch Bethlehem und war wohl auch so gemeint. Der eine oder andere wollte den Tupinambá-Indianer das Christentum bringen.

Belém gilt gewissermaßen als Tor zum Amazonas, wurde 1616 gegründet und ist die weitaus größte Stadt im brasilianischen Norden. Dementsprechend groß ist auch ihre wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung für die Region. Der Kautschukboom und der damit verbundene Wohlstand brachten Belém eine stattliche Anzahl von Kolonialbauten verschiedener Stilrichtungen und schöner Plätze ein. Die Stadt ist heute ein Mix aus alt und neu. Erster Besuchspunkt ist die Basilika de Nossa Senhora de Nazaré, oft Schauplatz von Prozessionen. Sie wurde 1909 nach dem Vorbild der römischen Kirche St. Paul errichtet. Charakteristisch sind die Verkleidungen aus Gold und Marmor aus Carrara sowie die schönen Glasfenster. Anschließend erreicht man das Emilio Goeldi Museum, bestehend aus einem botanischen und zoologischen Garten sowie einem kleinen Aquarium. Er wurde 1866 gegründet, beherbergt 3.000 verschiedene Pflanzen und 700 Barmarten und ist das wichtigste Museum seiner Art im Amazonasgebiet. Nach dem Besuch fährt man zum Ver-o-Peso Markt, was so viel heißt wie „Schau auf das Gewicht“. Er ist wohl der bekannteste und farbenfrohste Markt in ganz Brasilien. Fisch, Obst, Gemüse, einheimische Erzeugnisse, Keramiken, Amulette, Kultgegenstände (oft afrikanischen Ursprungs), Wurzeln, Kräuter, Arzneimittel und vieles mehr werden hier lautstark angeboten. Im Anschluss kann man zum Forte do Castelo gehen, eine 1616 erbauten Hafenfestung. Das kanonenbestückte Bollwerk liegt an einer strategisch günstigen Stelle und man hat einen einmaligen Blick über den alten Hafen.

Nicht versäumen sollte man eine Fart per typischem Amazonas-Flussboot. Die Fahrt führt durch schmale Kanäle, vorbei an kleinen Inseln und lässt einen in den Dschungel fernab der Zivilisation eintauchen. In Boa Vista do Acará – alternativ kann auch die Insel Santa Maria do Acará angefahren werden – geht man an Land und unternimmt einen Rundgang durch den Regenwald. Dabei bekommt man einen Einblick in die lokale Flora und Fauna. Gummi- und Paranussbäume, verschiedene Palmenarten sowie viele andere exotische Pflanzen entdeckt man im Wald.

Tipps Belém

Theater – Teatro da Paz: Durch den Kautschukboom erlangte Belém Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine große wirtschaftliche Bedeutung. Aus dieser Zeit stammen Prachtbauten, wie z. B. das Teatro da Paz, Palácio Antônio Lemos, Palácia Lauro Sodré, Colégio Gentil Bitencourt und der Ver-o-Peso. Das Teatro da Paz (1869 – 1874) ist eines der schönsten Beispiele aus der Blütezeit der Stadt. Es war eines der ersten Theater in Brasilien.

Goeldi Park oder Museu Emilio Goeldi: Das „Museu Emilio Goeldi“ wurde 1866 als ein Amazonas-Forschungs-Institut gegründet. Heute ist es das Zuhause von Vögeln, Säugetieren und Reptilien aus dem Amazonasgebiet. Sie leben zusammen in dem 5,2 ha großen Park mit 3000 Pflanzen- und 700 Baumarten. Auch heute noch arbeitet das Museum als Forschungsinstitut.

Ver-o-Peso: Der „Ver-o-Peso“ ist ein Fisch- und Gemüsemarkt. Ein Besuch lohnt sich vor allem frühmorgens, wenn die Boote entladen werden. Auf dem Fischmarkt ist die Vielfalt der Fischarten aus dem Amazonasgebiet zu bewundern. An anderer Stelle sind Kräuterstände mit Naturheilmitteln, denen zum Teil magische Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Fischmarkt-Gebäude am Ver-o-Peso, bedeutet übersetzt „Schau auf das Gewicht“, ist eine Eisenkonstruktion nach einem Entwurf von Henrique la Roque. Das gesamte Baumaterial wurde aus England importiert und der Markt 1901 fertig gestellt.

Basilica de Nazaré: Die Basilica de Nazaré wurde zwischen 1908 und 1909, zur Zeit des Kautschukbooms, nach dem Vorbild der Kirche „St. Paul vor den Mauern“ in Rom erbaut. Im Inneren befinden sich feine Marmor- und Goldarbeiten. Sie ist jedes Jahr im Oktober das Ziel der gewaltigen Prozession „Cirio de Nazaré“. Die Kirche ist am Praca Justo Chermont und täglich von 06.30 bis 11.30 Uhr und von 15.00 bis 21.00 Uhr geöffnet.

Souvenirs: Edelsteine (insbesondere Smaragde), Schmuck (vor allem Silber), Lederwaren, Hängematten und T-Shirts.