Barbados – Aloe und Zuckerrohr, Brotfrucht und Barbadianer

Barbados bietet Sonne, Sand und See satt. © 2020, Foto/BU: Stefan Pribnow

Bridgetown, Barbados (MaDeRe). Als Traumeilande gingen sie in die Geschichte des Reisens ein, die Karibikinseln der Kleinen Antillen, darunter Barbados und St. Lucia, die auch „unter dem Winde“ genannt werden. Denn eine stetige atlantische Brise mildert die schwülen karibischen Temperaturen.

Ich räkele mich am Strand und blinzele in die Sonne. „Hi, you know Aloe“, spricht mich ein schwarzer Rastamann an. Dabei zieht er ein langes dickfleischiges grünes Etwas aus einem Plastiksack, kappt die Spitze, entnimmt ihr eine gallertartige Masse und streicht sie mir auf den Arm. Meine Haut wird zart wie die eines Babys. Fünf US-Dollar verlangt Medi, der „Medizinmann“, wenn er mir den glitschigen Glibber in eine leere Rumflasche füllt. Der Rum war laut Preisschild billiger! Aloe Vera, das seit über 3000 Jahren berühmte Liliengewächs, dem man nachsagt, es habe die Samthaut der Maya zum Leuchten und ihr Haar zum Glänzen gebracht, verzaubert mich auf der Stelle. „Kühl aufbewahren“, rät Medi. Eine Kunst – in dieser karibischen Schwüle. Doch das Abenteuer Karibik hat begonnen.

Schon beim Anflug auf die Hauptstadt Bridgetown wirkt Barbados, die östlichste der Kleinen Antillen, kaum größer als der Flieger selbst, grün zwar, aber flach wie ein Brett. Auf einer Rundfahrt demonstrierte spätestens der Schweiß der Mountainbiker ihr Auf und Ab. Zuckerrohr, wohin man blickt, und der Brotfruchtbaum, dessen Früchte als Pickles wie mehlige Kartoffel in scharfer Vinaigrette besonders gut schmecken. Die hübschen Holzhäuschen in der Hauptstadt und die transportablen Chattel Houses auf dem Lande sind alle sauber gefegt, aber kräftig renovierungsbedürftig.

Mit 14.000 Gästebetten bei 260.000 Einwohnern stehen Touristen an erster Stelle des Broterwerbs. Die Hotels befinden sich zumeist im Süden und an der Westküste – die atlantische Ostseite ist rau und Surfern vorbehalten, entschädigt jedoch durch tolle Ausblicke.

St. Lawrence Gap etwa wimmelt von Ess- und Vergnügungslokalen, oft mit Live-Band, einer sogenannten nur aus Trommeln bestehenden Steelband, „man“ trifft sich im „Ship Inn“. Lange Sandstrände, einsame Buchten, anschmiegsame warme Fluten, üppige tropische Vegetation und freundliche Menschen, alles gratis, dazu eine Bähnlefahrt durch die Tropfsteinhöhle Harrison`s Cave, eine Raddampfertour mit der „Bajan Queen“, Essen, Trinken, soviel man will, Tanzen oder Baden, je nach Tageszeit, alles inklusive bei rund 100 Barbadian Dollar, das sind etwa 50 US-Dollar, und ein Showabend unter dem Motto „1627 And All That“ im Barbados Museum. Natürlich ist auch hier mit dem Eintritt alles eingeschlossen, das Buffet, der mit Muskat gewürzte Rumpunsch und die erotischen Tänze auf der Bühne. Zum harten Rhythmus von unterschiedlichstem Schlaggerät afrikanischen Ursprungs wirbeln die dunkelhäutigen Männer ihre muskulösen Körper, als ob sie weder Wirbel noch Knochen hätten, und die weiblichen schwarzen Schönen verstehen es, lustvoll ihr Becken kreisen zu lassen und mit diesem steten Hüftschaukeln auf drastisch-direkte Weise Sinn und Sinnlichkeit des Lebens vorzuführen.

Anmerkung:

Die Erstveröffentlichung erfolgte am 4.11.2009 im WELTEXPRESS.