Von Rothenburg bis Röttingen – Serie: Das Taubertal (Teil 1/4)

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Der Blick auf Rothenburg ob der Tauber.
Der Blick auf Rothenburg ob der Tauber. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Rothenburg ob der Tauber, Oktober 2020

Rothenburg, Röttingen, Deutschland (MaDeRe). Das liebliche Taubertal“ – so lautet der Slogan für die Region. Zugegeben hip und modern klingt das nicht. Vielmehr ziemlich angestaubt und bei „lieblich“ mag manch einer an unangenehm süßen Wein und Kopfweh denken. Das wird diesem zauberhaften Tal allerdings in keiner Weise gerecht. Selbst in Zeiten der Pandemie, wenn Urlaub im eigenen Land hoch im Kurs steht, scheint dieser Landstrich noch von vielen unentdeckt zu sein. Wer hügelige Landschaften mit einem sich darin schlängelndem Fluss oder malerische alte Städte mit Fachwerk sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ebenso Weinliebhaber beim Besuch der vielen kleinen Winzer und der großen Genossenschaften. Wir haben entlang der Tauber von Rothenburg bis Wertheim ein paar Ziele zusammengestellt – aber es gibt zweifellos noch reichlich mehr an Landschaften, Städten, Burgen, Klöstern und Weingütern zu entdecken. Ab ins Taubertal – Teil 1 führt uns von Rothenburg bis Röttingen.

Die Tauber ist an vielen Stellen wildromantisch zugewachsen.
Die Tauber ist an vielen Stellen wildromantisch zugewachsen. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Röttingen, Mai 2021

Die Tauber

Die Tauber entspringt am Westfuß der Frankenhöhe und schlängelt sich dann 129,1 Kilometer durch die Region Franken, um schließlich in Wertheim in den Main zu münden. Sie hat der Teilregion Frankens als „Tauberfranken“ den Namen gegeben. Eine Ableitung erklärt den Namen Tauber mit dem keltischen Wort „Dubron“. Das Wort bedeutet „schnell dahineilendes Wasser“. Insgesamt verliert die Tauber auf ihrem Weg etwas mehr als 313 Höhenmeter. Trotz mehrerer Versuche eignet sich die Tauber nicht als Wasserstraße – abgesehen von schönen Kanutouren. Schon 1244 haben die Grafen Poppo und Rudolf von Wertheim versucht die Tauber schiffbar zu machen. Den letzten Versuch unternahm man wohl 1702, aber auch erfolglos. So hat der Fluss bis heute weitgehend seinen natürlichen Verlauf mit zahlreichen Schleifen und kraftvoller Natur behalten.

Das Plönlein in Rothenburg ist ein beliebtes Fotomotiv.
Das Plönlein in Rothenburg ist ein beliebtes Fotomotiv. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Rothenburg ob der Tauber, Oktober 2020

Rothenburg ob der Tauber

Bei Rothenburg ob der Tauber bekommen nicht nur zahllose Touristen aus aller Herren Länder glänzende Augen – so sie denn wieder reisen dürfen –, sondern auch Freunde von Weihnachtsdekoration streben in großer Menge in die dortigen Geschäfte von Käthe Wohlfahrt. Weltbekannt ist die, mit nicht mal 12.000 Einwohnern, nicht sehr große Stadt für die weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Fotomotiven.

Von 1274 bis 1803 war Rothenburg Reichsstadt, verlor nach dem Dreißigjährigen Krieg jedoch an Bedeutung. Rothenburg galt bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Zielort des Tourismus in Deutschland. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden nur die wichtigsten Bauten originalgetreu wiederaufgebaut. Dank eines geschickten, einmaligen Konzepts erfüllte der Wiederaufbau der 50er- und 60er-Jahre sowohl die Ansprüche des Denkmalschutzes wie auch die des modernen Wohnens.

Sehenswert sind unter anderem die Stadtmauer mit Wehrgang, Mauertürmen und Stadttore, das Plönlein (eine Straßengabelung und ehemaliger Fischstapelplatz mit Fachwerkhäusern und Blick auf Sieberstor und Kobolzellertor), das historische Rathaus mit Glockenturm (der Rathausturm bietet in 60 Meter Höhe eine Aussichtsplattform), die Ratstrinkstube von 1466 mit Kunstuhr (von 11 bis 15 und von 20 bis 22 Uhr zeigt sie zu jeder vollen Stunde die legendäre Meistertrunkszene), der jüdische Friedhof, das sehr bekannte Kriminalmuseum und natürlich das Weihnachtsmuseum von Käthe Wohlfahrt.

www.rothenburg-tourismus.de, www.rothenburg.de

Rödertor und Röderturm befinden sich im Osten von Rothenburg.
Rödertor und Röderturm befinden sich im Osten von Rothenburg. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Rothenburg ob der Tauber, Oktober 2020

Röttingen

In welcher Zeit die Wurzeln des Weinortes liegen, der heute rund 1.700 Einwohner zählt, weiß man nicht so genau. Im späten 5. Jahrhundert dürfte die alemannische Sippe der „Ruoter“ (Ruotingen – Röttingen) Röttingen gegründet haben. Die erste sichere urkundliche Überlieferung stammt jedoch erst aus dem Jahre 1103. Seit 1275 besitzt Röttingen Stadtrechte. Ursprünglich den Edlen von Hohenlohe gehörig, kam Röttingen unter die Landesherrlichkeit des Hochstifts Würzburg. Vom 14. Jahrhundert an war Röttingen Sitz eines Amtmannes, der als verlängerter Arm des Würzburger Fürstbischofs galt. Unter dem langjährigen Regiment des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn erstarkte die weitgehend vom Weinbau abhängige Wirtschaft der Stadt. Im Dreißgjährigen Krieg (1618–1648) war das Taubertal für längere Zeit Kriegsschauplatz und auch die Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts brachten Stadt und Bürger erneut an den Rand des Ruins. 1837 wurde im Königreich Bayern, Franken in die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken gegliedert. 1919 kam für Röttingen die Selbstverwaltung. Seit 1953 nennt sich Röttingen „Europastadt“.

Bekannt ist Röttingen für die seit 1984 im Hof der Burg Brattenstein alljährlich stattfindenden Frankenfestspiele, aber natürlich auch für den Weinbau. Davon zeugen das Weinmuseum in der Burg Brattenstein, aber auch eine Rebfläche von ca. 30 Hektar. Am Röttinger Feuerstein werden Frankenweine angebaut: zu 70 Prozent Müller-Thurgau, zu 20 Prozent Silvaner sowie zu zehn Prozent Sorten wie Riesling, Traminer, Kerner, Scheurebe, Bacchus, Schwarzriesling etc. Als Besonderheit pflegt man den Tauberschwarz, eine jahrhundertealte lokale Rebsorte, die ausschließlich in der Tauberregion an- und ausgebaut wird.

www.roettingen.de

Das Weingut Poth in Röttingen ist leicht zu finden – direkt an der Hauptstraße.
Das Weingut Poth in Röttingen ist leicht zu finden – direkt an der Hauptstraße. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Röttingen, Mai 2021

Das Weingut Poth

Auf eine Geschichte von 101 Jahren kann das Weingut zurückblicken. Im Jahr 1920 kamen die Gründer des Weinguts, Wilhelm und Maria Poth, aus der Pfalz nach Röttingen. Sie belebten den in die Krise geratenen Weinbau und eröffneten 1925 zudem eine Heckenwirtschaft. Mit Robert Poth ging es in der zweiten Generation weiter und heute bewirtschaftet dessen Sohn Gerald die 5,9 Hektar Rebfläche in den Lagen „Röttinger Feuerstein“ und „Tauberrettersheimer Königin“.

Die Pflege der Weinberge erfolgt unter den Gesichtspunkten des naturnahen Weinbaus und so wird seit über 20 Jahren keine mineralische Düngung mehr zum Einsatz gebracht und seit 1987 statt auf Insektizide auf biologische und biotechnische Verfahren zur Schädlingsbekämpfung gesetzt. Neben den klassischen fränkischen Rebsorten wie Silvaner oder Tauberschwarz baut das Weingut auch Exoten wie Traminer, Weißburgunder und Zweigeltrebe an. In der urigen Probierstube treffen wir auf Gerald Poth, halten einen ausgiebigen sympathischen Plausch und dürfen verordnungskonform im Freien verkosten.

Unser Favorit: der 2018er Silvaner Kabinett trocken vom Röttinger Feuerstein (0,75 Liter im Bocksbeutel, Restzucker 0,4 g/l, Gesamtsäure 6,0 g/l, Alkohol 14,5 % vol.).

Weingut Poth, Würzburgerstraße 3, 97285 Röttingen, Telefon: 09338 332, Web: www.weingut-poth.de

Das große Logo am Eingang begrüßt die Gäste im Weingut Poth.
Das große Logo am Eingang begrüßt die Gäste im Weingut Poth. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Röttingen, Mai 2021
Die urige Verkostungsstube der Familie Poth.
Die urige Verkostungsstube der Familie Poth. © Foto/BU: Daniel M. Grafberger, Aufnahme: Röttingen, Mai 2021