Traumjob auf einem Traumschiff – Stralsunder bald unterwegs mit Expeditionsschiff MS „Fram“ zwischen Arktis und Antarktis

MS Fram läuft in den Greifswalder Bodden ein. © Foto / BU: Dr. Peer Schmidt-Walther, Ort und Datum der Aufnahme: Greifswalder Bodden, 2013

Berlin, Deutschland (MaDeRe). 13. Mai 2013: Er sah sie und wollte nur noch sie. Schiffs-Fan Tony Kczmarek erinnert sich ganz besonders an den Tag, als das bekannte norwegische Expeditions-Kreuzfahrtschiff „Fram“ Stralsund anlief. Am Kai des Nautineums auf dem Kleinen Dänholm stand eine erwartungsvolle Menge, die auf den 113 Meter langen 12.000-Tonner wartete, darunter auch Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow mit dem Stadtwappen. Das überreichte er zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag später dem Kapitän. Das nächste Mal wird der 4. Oktober sein, wenn der Oldtimer MS „Nordstjernen“ erstmals Stralsund anlaufen wird.

Als Tony damals die Schiffswand vor sich aufragen sah, nahm er sich vor: „Da will ich unbedingt mal drauf arbeiten!“ Schon zu Hause hat er angefangen zu kochen, weil er „Lust dazu hatte“, wie er immer wieder betont. In Stralsund gab es damals keine Lehrstellen, so dass er in einem Hotel auf der Nordsee-Insel Langeoog anfing. Nach dem Abschluss ging auf Wanderschaft nach Österreich, in die Schweiz, in die Emirate und noch weiter weg nach Singapur, um Erfahrungen zu sammeln. Später zog es ihn wieder in seine Heimat, wo er unter anderem auch im Jagdhof Negast kochte.

MS Fram
© Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Ort und Datum der Aufnahme: Stralsund, 13.5.2013

Menschen wichtigstes Kapital

Dieser Tage war es für den „Koch aus Leidenschaft“ endlich soweit mit der Top-Position. Nach mehreren intensiven Bewerbungsgesprächen bekam der Stralsunder, der in Krummenhagen aufwuchs, von der Reederei den Zuschlag für den Job des Chefs oder Executive Chefs, wie es in der Küchenfachsprache genauer heißt. „Damit ist mein Traum in Erfüllung gegangen“, freut sich der 43-jährige Meister-Koch über diesen hart erarbeiteten Karrieresprung.

Seit 2018 fährt er schon weltweit zur See, zuletzt in leitender Position bei TUI auf den „Mein Schiff“- Kreuzfahrern. Er war nicht nur für rund 1000 Tonnen Lebensmittel verantwortlich, sondern auch fürt 194 Leute“, sagt er nicht ohne Stolz, „wobei es nicht nur ums Kochen geht“. Er schaut als erstes drauf, wie jemand seine Arbeit macht. In so einem Job müsse man als Vorgesetzter auch manchmal Psychologe und Vater sein. „Was machst du“, fragt er, „wenn plötzlich die Mutter eines Crew-Mitglieds aus Fernost stirbt? Da kannst du nur mit Gefühl rangehen!“ Er kennt solche Situationen und weiß, wie der richtige Umgang auf Untergebene wirkt, besonders wenn sie aus einem völlig anderen Kulturkreis stammen. Der Lohn dafür? „Loyalität mir gegenüber“, lächelt Tony bescheiden, „denn die Menschen sind unser wichtigstes Kapital“.

Tony Kaczmarek bereitet im Heilgeistkloster Senfeier zu.
© Foto / BU: Dr. Peer Schmidt-Walther, Ort und Datum der Aufnahme: Stralsund, 17.4.2026
Senfeier nach Art des Chefs Tony.
© Foto / BU: Dr. Peer Schmidt-Walther, Ort und Datum der Aufnahme: Stralsund, 17.4.2026

Senfeier a la Tony

A propos: Auf Geld hat er nie viel Wert gelegt, denn „an erster Stelle steht für mich die Freude an der Arbeit“. Tonys Lohn kann sich sehen lassen, „aber dafür muss ich auch was bringen“. Er koordiniert die gesamte Küchen-Crew und ist für sämtliche Arbeitsabläufe sowie für die Qualität der Speisen verantwortlich, auch bei Windstärke acht und hohem Seegang. Er muss auch darauf achten, „wie die Kollegen ihre Arbeit machen, daraus erwachsen Vertrauen, Respekt und Fleiß“.

Der Menüplan, der alle zwei Wochen wechselt, wird an Land erstellt.

„Das Wichtigste für mich“, erklärt er, „ist die Zufriedenheit meiner Gäste“. Da geht er auch von Tisch zu Tisch und fragt, ob es geschmeckt habe. „Und wer dann einen Sonderwunsch hat, kann er den auch kriegen“, verrät er das Rezept im Umgang mit seinen „Kunden“. Senfeier werden dann häufig verlangt, die er auch gern isst. „Hab ich von meiner Oma gelernt“, verrät er, „aber ich zeig euch mal, wie ich sie mag“, und hat sich vor kurzem im Heilgeistkloster an den Herd gestellt. Die wichtigsten Zutaten wie neun Eier und zwei Töpfe Bautz´ner Senf und Kartoffeln stehen schon bereit. Schon nach einer halben Stunde serviert er das Abendessen á la Tony privat. Wobei er die Eier mit dem Schneider in Streifen geschnitten und unter die Sauce gegeben hat. Das schmeckt so gut, dass bis zu dreimal Nachschlag verlangt wird. „So soll es sein!“, ist er hoch zufrieden.

Was er denn sonst gern mag? Spontan kommt „Pizza Salami aus dem Holzofen, aber auch mal einem Burger“. Darüber hinaus sind es vor allem klassische DDR-Gerichte wie Würzfleisch überbacken oder Nudeln mit Wurstgulasch. „Nächstes Mal, wenn ich zu euch komme“, verspricht er, „mach ich euch ´Tote Oma`“ und leckt sich schon jetzt genüsslich die Lippen.

Anzeige:

Reisen aller Art, aber nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert und mit Persönlichkeiten – auch kulturelle und kulinarische Reisen zwischen Arktis und Antarktis –, bietet Retroreisen an. Bei Retroreisen wird kein Etikettenschwindel betrieben, sondern die Begriffe Sustainability, Fair Travel und Slow Food werden großgeschrieben.

Vorheriger ArtikelMadame Tussauds in London – Das Wachsfigurenkabinetten bietet Inspirationen wie die Metropole an der Themse selbst
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner