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Taiwan – das andere China

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Budda-Statuen sind allgegenwärtig in Taiwan. © Foto: Gerhard Kotschenreuther
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Taipeh, Taiwan (MaDeRe). Bis zum Ende des 17.Jahrhunderts lösten sich verschiedene europäische Kolonialmächte wie Portugal oder die Niederlande auf der damals noch „Formosa“ (die Schöne) genannten Insel ab. Die Stammesgruppen, die zu den polynesisch-pazifischen Ethnien gehören, wurden unterdrückt. Dann übernahmen die zugewanderten Chinesen und später die Japaner die Herrschaft, vertrieben die Kolonialherren und drängten die Urbevölkerung weiter in den bergigen Osten der Insel zurück.

Nach der Niederlage der Japaner im 2. Weltkrieg gehörte Taiwan zur Republik China, bis die im chinesischen Bürgerkrieg unterlegene Kuomintang (KMT) unter Chiang Kai-shek die Herrschaft übernahm.

Bevor sich die große Volksrepublik (VR) China ab den 1970er Jahren allmählich zu öffnen begann, war das kleine Taiwan (offiziell: Republik China) das Bollwerk gegen die „bösen“ Kommunisten auf dem Festland und somit das „gute“ China. Die USA lieferten Waffen im großen Stil. Gern wurde dabei übersehen, dass der Staatsgründer Chiang Kai-shek nicht weniger grausam und skrupellos war als sein Kontrahent Mao Zedong.

Gedenkstätte für Chiang Kai-shek in Taipeh. © Foto: Gerhard Kotschenreuther

Auf Druck der VR China mussten die meisten Staaten der Welt nach und nach die diplomatischen Verbindungen mit Taiwan abbrechen. Geblieben ist eine Schar kleiner Staaten wie Honduras oder die Salomonen Inseln. Alle anderen unterhalten stattdessen nun Beziehungen zur VR China. Taiwan geriet immer mehr ins Abseits der Weltpolitik. Dennoch erlebte Taiwan während der 40-jährigen Ein-Parteien Herrschaft der KMT einen gewaltigen Wirtschaftsboom, der auch im heutigen, mehr demokratisch geprägten Land unvermindert anhält (Taiwan ist ungefähr an 20. Stelle der größten Industrienationen). Viele der kleinen Motorroller in Deutschland stammen von dort, ebenso hochwertige Fahrräder (Giant), Computer (Acer) und Smartphones (HTC).

Wolkenkratzer Taipei 101. © Foto: Gerhard Kotschenreuther

Die Hautstadt Taipei (ca. 2,6 Mio.) ist eine moderne lebhafte Metropole mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Das Wahrzeichen ist der aus dem Stadtbild herausragende 508 Meter hohe Wolkenkratzer Taipei 101, der für ein paar Jahre auch das höchste Gebäude der Welt war. Für den 1975 verstorbenen diktatorisch herrschenden Präsidenten wurde eine tempelartige Gedenkstätte von gewaltigen Ausmaßen errichtet.

Der Sonne-Mond See. © Foto: Gerhard Kotschenreuther

Trotz großer Industrieflächen sind weite Teile der flachen Regionen im Westen landwirtschaftlich geprägt und überall sieht man Reisfelder. Neben weiteren größeren Städten bietet Taiwan viele landschaftliche Besonderheiten. Der herrlich gelegene Sonne-Mond-See ist ein beliebtes Reiseziel ebenso wie die steile, über 3000 m hohe Bergkette im Osten der Insel mit ihrem dichten tropischen Pflanzenwuchs, Thermalquellen, atemberaubenden Landschaften und wilden Schluchten.

Fo Guang Shan Buddha Memorial Center. © Foto: Gerhard Kotschenreuther

Zu den kulturellen Höhepunkten zählen die vielen prachtvoll geschmückten Tempel. Das mit internationalen Spendengeldern errichtete und erst 2011 eröffnete riesige Fo Guang Shan Buddha Memorial Center in der Mitte der Insel ist ein Publikumsmagnet und zählt zu den wichtigsten buddhistischen Stätten im Land.

Zerstörter Wuchang-Tempel. © Foto: Gerhard Kotschenreuther

Da Taiwan in einer stark Erdbeben gefährdeten Zone liegt, kommt es immer wieder zu mehr oder weniger starken Erschütterungen, die große Schäden verursachen und Opfer fordern. Der Wuchang-Tempel knickte kurz nach seiner Fertigstellung ein und steht heute als halbe Ruine da. Doch sollte man sich deshalb nicht von einer Reise nach Taiwan abschrecken lassen, denn Erdbeben gibt es in vielen Ländern und Gegenden der Welt und die Wahrscheinlichkeit, dass man betroffen wird, ist äußerst gering.

Selbst wenn es sprachlich nicht immer einfach ist, ist Taiwan ein unkompliziertes, sympathisches und sehr sicheres Reiseziel, das für Teeliebhaber hervorragende, allerdings auch relativ teure Teesorten bietet. Kulinarisch kann Taiwan leider nicht mit der enormen Vielfalt der VR China konkurrieren. Dennoch kann man gerade auf den überall stattfindenden Nachtmärkten etliche leckere Entdeckungen machen.

Zum Vergleich:


Einwohnerzahl (ca.) Fläche (ca.)
Deutschland 83 Millionen 360.000 km²
Taiwan 24 Millionen 36.000 km²
VR China 1,4 Milliarden 9,5 Mio. km²
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