Schwedens schönster Schein: Lucia zu Lund im Lichte

Kinder in Lund zelebrieren Lucia. © Visit Sweden

Lund, Skåne, Schweden (MaDeRe). In allerlei Verkleidungen sind sie zugegen in der Adventszeit, jenes heilige Aufgebot oft ehemals heidnischer Figuren. Am hellsten erscheinen sie in Schweden – und besonders schön in Schonen. Als erste Spielstätten, 1764, der „Lichtgekleideten“ gelten eine Reihe von Gutshöfen. Auftritt in der „Lusselangnacht“, längsten des Jahres: nach julianischen Kalender am 13. Dezember zu Lucia; im altem gregorianischen: Wintersonnenwende – ein Leuchten in dunkler Zeit. Anfangs war Adams erste Frau Lucia die Namenspatin, sie stand, so wurde behauptet, in Verbindung mit Lucifer. Wilde „Lussekerle“ gesellten sich daraufhin zur heiter himmlischen Schar. Zogen in‚Teufelsgewändern‘ durch die Dörfer nur um Speis und Schnaps zu fordern, wurde berichtet – aber wohl auch als ein Akt des Aufbegehrens gegen die Obrigkeit. In unseren eher gesitteten Zeiten beruht das Fest auf jener heiligen Lucia welche 304 in Sizilien den Märtyrertod erlitt. Ihr dient als Bühne ein Gotteshaus und Lund setzt sie stets ins beste Licht.

Ehrfurcht erheischend erhebt sich der Dom in einbrechender Dämmerung vor unseren Augen. Andächtig harrt die Gemeinde inne. Stille herrscht. Es erklingt das „Lucia-Lied“:

Natten går tunga fjät

runt gård och stuva.

Kring jord, som sol’n förlät,

skuggorna ruva.

Då i vårt mörka hus

stiga med tända ljus

Sankta Lucia, Sankta Lucia.

Då i vårt mörka hus

stiga med tända ljus

Sankta Lucia, Sankta Lucia.

Da, aus der dunklen Nacht naht Lucia heran, ein Lichterkranz auf ihrem Haupt mit einer hellleuchtenden Kerze inmitten. Schritt samt singender Gefolgschaft, Sternknaben sowie Jungfrauen – jede trug einem brennenden Stab auf den Händen – majestätisch durch das Schiff von Schwedens bedeutendstem Sakralbau. Weiße Roben und kegelförmige Hüte – ein seltsamer Zauber befällt den Betrachter. Gelegentlich erstrahlt auf dem holden Haar der Lucia eine Krone aus Kerzen. Nah bei: der Sicherheitsdienst mit vollem Wassereimer für alle Fälle. Das erfreut die Weihnachtswichtel, Tomtenissar, die Kleinen in der Kirche. Im Advent nach Lund erwies sich als glänzende Idee.

Schon wegen der Katzen.„Lussekatter“ heißt das gelbe Gebäck zu Lucia, traditionell mit Safran verfeinert und in S-Form präsentiert, samt Rosine auf jeder Schnecke. Dazu gibt’s gern Glögg zur„Fika“ in einem gemütlichen Café. Lund lohnt zur „Jultid“ schon wegen der Weihnachtsmärkte. Großartig stilvoll speisen und logieren könnte man im Grand Hotel der Universitätsstadt. Chic und charmant mit Stil und Ambiente wie vor gut 100 Jahren.

Im Mayfair Hotel Tunneln weilten vormals die Beatles auf Tournee. „Lucy in the sky with diamonds“: Übernatürliche Wesen treiben in der Nacht zu Lucia ihr Unwesen, und Tiere können sprechen. Unheimlich Stoff genug für einen Krimi: Håkan Nesser verweilte hier. Strindberg war als Alchimist auf Goldsuche, verfasste „Advent“ sowie „Inferno“ vor Ort: Lund für Kundige. Kunstsinnige werden auch tags zum Dom eilen. Erzbistum seit 1103, wurde das aufstrebende Zentrum der Kirche in Skandinavien von der dänischen Krone mächtig in Szene gesetzt. Bereits 1145 geweiht, eine Pfeilerbasilika, umfassend im Stil der Neuromanik renoviert. Bekannt für die Finn-Skulptur mit starr-sinniger Geschichte erfreut zur Weihnachtszeit besonders die Astronomische Uhr mit den Hl. Drei Königen. Krognoshuset und Kungshuset erzählen in der Altstadt von dem Übergang Lunds von dänischer zu schwedischer Krone nach 1658 und von den Anfängen der Universität, 1668 gegründet. Heute ist einer von drei Leuten in Lund ein Studiosus. Bleibt noch die „Kulturen“ zu begutachten. Keine Schrebergartenbepflanzung, sondern das zweitälteste Freilichtmuseum der Welt. Kucken und mitmachen – beispielsweise „Knutskerlen“ aus Stroh. Aufzuhängen zum Knutstag dem 13. Januar wenn Schwedenangenehm spät den Weihnachtsbaum plündern. God Jul!

Anmerkung:

Die Recherche wurde unterstützt von Visit Sweden.