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Kleinode im Chiemsee – Herreninsel und Fraueninsel nicht nur für einen Ausflug am Wochenende

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Ein Blick auf die Fraueninsel im Chiemsee. Quelle: Pixabay
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Chiemsee, Bayern, Deutschland (MaDeRe). Das Schönste am Chiemsee, der mit seiner Fläche von 79,9 km² nach Bodensee und Müritz als drittgrößter See in der Bundesrepublik Deutschland gilt, ist die Herreninsel, wenngleich das letztes Schiff um 19:15 Uhr ablegt und es keine Hotels auf der Insel gibt und also kein Touristengewusel des Nachts. Dem König Ludwig II. hätte das gefallen.

Es gibt wohl einige Menschen, die auf der Insel wohnen und auch Landwirtschaft betreiben sowie einen Gasthof mit Traumterrasse. Die Natur ist nachts also ungestört und kann sich regenerieren. Das macht vielleicht den größten Charme sowie den Erholungswert dieser Insel mitten im See aus. Selbst im Sommer konzentrieren sich die zahlreichen Besucher auf Schloss und Klostergebäude.

Wenn man Einsamkeit auf dem 230 ha großen Naturschutzgebiet sucht, bieten die gepflegten Wanderwege ein einzigartiges Paradies mit herrlichen Aussichten auf den Chiemsee, inmitten alter Bäume und einer seltenen Tier- und Pflanzenwelt. Dabei wäre die Insel fast einmal abgeholzt worden von einer württembergischen Holzverwertungsgesellschaft. König Ludwig II. von Bayern verhinderte dies und kaufte 1873 die ganze Insel für 350.000 Gulden, um ab 1878 hier sein „Neues Schloss Herrenchiemsee“ zu errichten. Während den Bauarbeiten richtete er sich eine Wohnung in dem alten Klosterbau ein, der noch heute ‚Altes Schloss‘ genannt wird.

Auch mit dieser Entscheidung zeigte der König wieder Weitsicht und war seiner Zeit sicherlich sehr voraus. Sein damaliges Projekt erweist sich als ökologisches Wunder, und nicht nur für die Münchner Stadtmenschen wurde hier eine Oase erschaffen, nein, man hört viele verschiedene Sprachen auf der Herreninsel.

Ein Blick auf die Herreninsel im Chiemsee. Quelle: Pixabay, Foto: Manfred Antranias Zimmer

Die Schifffahrt auf dem Chiemsee ist ganzjährige im Einsatz, daran könnten sich die Reeder am Bodensee ein Beispiel nehmen. Selbst im Winter sind die Inseln als Naherholungsgebiet daher schnell erreichbar.

König Ludwig II. war eben ein Visionär, denn auch seine Liebe zu den Wagneropern in ganz jungen Jahren zeugt davon. Man darf sagen, dass ohne den König Richard Wagner vielleicht gescheitert wäre seine späteren Werke zu vollenden, geschweige denn ein eigenes Festspielhaus zu errichten. Bayreuth kann froh sein, dass die Münchner Bevölkerung damals Wagner aus der Stadt gejagt hat, zudem fast noch zusammen mit dem jungen König. Der wollte sogar abdanken, doch Richard Wagner forderte ihn auf, sich seiner Verantwortung zu stellen. Auch Cosima Wagner bestärkte ihn wieder nach München zurückzukehren, als der König in Wagners Asyl in Tribschen/Luzern eintraf, um zu bleiben. König Ludwig und Cosima Wagner waren wohl die wichtigsten Helfer für den Komponisten. Man hat es dem König nicht gedankt, man ließ ihn letztendlich entmündigen, weil kleingeistige Minister nur auf die Gulden schauten. Doch Ludwig II. entzog sich einer langjährigen ‚Gefangenschaft‘ durch Flucht. Die Todesumstände sind noch immer nicht ganz klar, es könnte sein, dass er dabei erschossen wurde, neueste Forschungen lassen das vermuten.

Die Einnahmen aus den Königschlössern füllen heute so manche Kassen im Freistaat und auch Wagners Opern sind weltweit Publikumsrenner Nummer eins, wenngleich der Inhalt noch immer nicht von vielen Menschen verstanden wird. Ebenso wird König Ludwig II. oft als romantisch verklärter Narr gesehen. Dennoch ist er im Land sehr beliebt, sein Geburtstag am 25. August wird in Bayern auch heute noch zünftig gefeiert, und immer mehr ‚Ausländer‘ besuchen diese ordentlichen Feierlichkeiten.

Übernachten kann man auf der Herreninsel nicht, aber auf der benachbarten Fraueninsel gibt es Pensionen, Ferienwohnungen sowie rustikale Gastronomie. Auch das dortige Frauenkloster bietet Übernachtungsmöglichkeiten an. Bademöglichkeiten sind im Sommer an den Uferwiesen zu finden ohne den sonst so häufigen Massenandrang. Die Uhren dort scheinen langsamer zu gehen und das ist gut so. Da passt ein auf dem Schiff gehörter Kommentar: „Hier kann man sich auf das Wochenende freuen.“

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