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Gibt es 111 Gründe, England zu lieben?

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"111 Gründe, England zu lieben" von Christophe Fricker. © Schwarzkopf & Schwarzkopf
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Berlin, Deutschland (MaDeRe). Der 1992 von Oliver Schwarzkopf in Berlin gegründete Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf bietet eine ganze Reihe von 111-Gründe-Büchern an. Das über England ist eines der besten. Es trägt den wenig originellen Titel „111 Gründe, England zu lieben“ und ist dennoch „eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“, wie es im Untertitel des von Christophe Fricker geschriebenen Werkes heißt.

Der 1978 geborene Autor, der laut Verlag in Oxford promovierte, soll in England „innerhalb von 15 Jahren erst ‚Nazi‘, dann ‚Merkel­anhänger‘ und schließlich der ‚Mann aus Lidl-Land'“ gewesen sein. Doch so wie sich „das britische Deutschlandbild änderte habe sich … sein Englandbild“ geändert, was möglicherweise zu den 111 Gründen führte, dieses an Schottland und Wales grenzende Land zu lieben, das mit Wales zur Zeit des Römischen Reiches die Provinz Britannia. Weil die Insel größer war als die Bretagne genannte Halbinsel im Nordwesten des westlichen Reiches der Franken, heute Frankreich, nennen die Leute das Land Großbritannien. Einerseits.

Andererseits wurde nach dem Act of Union 1707 aus den Königreichen Schottland und England, das sich Wales längst einverleibte, das unter Zwang vereinigte Königreich Großbritannien gebildet. Mit dem Zwangsvereinigen hatten die Herren an der Themse so ihre Erfahrungen und ließen dies den Iren angedeiehen, so dass die Veranstaltung ab 1800 nach unserer Zeitrechnung Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland hieß. 26 von 32 irischen Grafschaften schafften nach dem ersten Weltkrieg den Absprung, so dass von London nur noch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland regiert wird – und England, von wo der Leviatahn seinen Anlauf nahm.

England enthält schließlich Züge eines Krokodils, eines Drachen, einer Schlange und eines Wales, oder? In London liefen die Zügel des Seeungeheuers zusammen. Von London aus wurde das britische Weltreich, auch Empire genannt, regiert. Es war das größte Kolonialreich der Geschichte, in dem die Sonne nie unterging.

Doch Frickers Buch ist kein kritisches Werk über Geschichte, also Wahn und Wirklichkeit von Engländern im Laufe ihres Lebens, sondern eines mit Geschichten aus der Gegenwart, die richtig „nice“ sind. Richtig, nice ist belanglos und bedeutet nichts. Es ist also wie England und deswegen kann man getrost den Waschzettel wiedergeben, in dem ein paar der 111 Gründe aufgezählt werden: “ Weil alles wieder offen ist. Weil der Humor wirklich unschlagbar ist. Weil man zu Weihnachten Fußball guckt. Weil man sich auch auf Ämtern mit seiner Stromrechnung ausweist. Weil in Christ Church die Uhren anders gehen. Weil die rechten Schläger einen Syrer verehren. Weil man anderen Menschen etwas zutraut. Weil sich die Engländer selbst nicht lieben. Weil die Gärten so wunderschön sind. Weil man der Nation seinen schönsten Besitz anvertraut. Weil die Tropen auch ohne Klimawandel schon da sind. Weil man die kleinen Dörfer trotzdem lieb hat. Weil man so gut schippern kann. Weil man nur eine Minute lang durchhalten muss. Weil die Klöster als Ruinen besonders attraktiv sind. Weil zwischen üppig und kahl nur wenige Meter liegen. Weil sie so viel von uns haben. Weil das wirklich auch für allerenglischste Kulturgüter gilt. Weil es ganz oben aussieht wie im Iran. Weil wir so viel von ihnen haben. Weil es schmeckt! Weil es nur die Wahl zwischen Liebe oder Hass gibt. Weil Border Collies natürlich die Besten sind.“

Für eine schöne Reise nach und durch England ist Frickers Werk dennoch eine gute Einstimmung und lesenswert, weil der Autor mit flotter Feder zu formulieren und sein Publikum im Plauderton zu unterhalten versteht

Bibliographische Angaben

Christophe Fricker, 111 Gründe, England zu lieben, Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt, 248 Seiten und zwei farbige Bildteile, Premium-Paperback, Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1. Auflage, Berlin 2018, ISBN: 978-3-86265-714-8, Preis: 14,99 EUR (D)

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