Der Schuh des Winnetou – Mit Karl May auf der Fährte des Apachen

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Das Karl-May-Museum von Tucson. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Tucson, Tombstone, Arizona, VSA (MaDeRe). Die Suche nach dem Ursprung des Winnetou-Mythos führt in den äußersten Südosten von Arizona, einem Bundesstaat im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika (VSA), nachdem die Yankees 1848 ihren Angriffskrieg gegen Mexiko gewannen und den Mexikanern das Land nördlich des Gila River geraubt wurde. Nach dem Raubkrieg dehnten die VSA durch 1853, als mit dem Gadsden-Kauf 1853 ihre Herrschaft auf die Gebiete südlich des Gila River und also ganz Arizona aus. Von dort berichtete 2013 Dr. Bernd Kregel wie folgt:

Ein indianischer Gentleman von Kopf bis Fuß: „Seine Mokassins waren mit Stachelschweinborsten und die Nähte seiner Leggins und des Jagdrockes mit feinen, roten Nähten geschmückt. Das Haar war so lang, dass es reich und schwer auf den Rücken niederfiel. Die Farbe seines Gesichts war ein mattes Hellbraun mit einem leichten Bronzehauch. Ich glaubte zu bemerken, dass in seinem ernsten, dunklen Auge für einen kurzen Augenblick ein freundliches Licht aufglänzte, wie ein Gruß, den die Sonne durch eine Wolkenöffnung auf die Erde sendet.“

Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler Old Shatterhand und Winnetou, dem Krieger aus dem Volk der Apachen. Eine Sympathie auf den ersten Blick, die – wie sich im weiteren Verlauf zeigt – gegründet ist auf der beiderseitigen Charakterstärke, die auch vor den harten Herausforderungen des „Wilden Westens“ nicht kapituliert. Spiegelt sich in dieser über die Grenzen hinweg verbindenden Freundschaft  nicht sogar die Sehnsucht Karl Mays nach einer Welt, die er selber nie betreten hat, aber deren baldiges Ende er bereits vorausahnt?

Pioniere und Profiteure

Superstition Mountain bei Phoenix. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Stattdessen kommen Andere, die er mit seinen angeblichen Funden neugierig gemacht hat. Sie gehen eifrig daran, mit Hilfe dubioser Lageskizzen seinen verlassenen Stollen aufzuspüren oder sich am Fuße des Berges sogar mit tiefen Schächten einen anderen Zugang zu dem glänzenden Metall zu verschaffen. War diese Gegend am Ausgangspunkt des legendären „Apache Trails“ nicht auch die Heimat von Winnetou? George Johnston müsste es wissen. Als einstiger Präsident der „Superstition Mountain Historical Society“ kennt er sich hier bestens aus, wie seine anschauliche Führung durch das „Superstition Mountain Museum“ beweist. Aber Karl May und Winnetou? Fehlanzeige!

Apachenblut in Wildwest-Kulisse

Joe Camarillo in den Old Tucson Studios. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Joe Camarillo, dem das Indianerblut in seinen Adern gut zu Gesicht steht, genießt während seiner Führung offensichtlich den Nimbus, der diese Geisterstadt umgibt. Ob er wohl etwas weiß über den Winnetou-Mythos, der in dieser Gegend besonders die deutschen Besucher umtreibt? Natürlich habe er schon von Winnetou gehört, auch wenn hier in den Studios keine Filme zu diesem Themenkreis entstanden seien. In Tombstone jedoch gebe es ein Karl-May-Museum. Dort sei sicherlich mehr darüber zu erfahren.

Revolverhelden beim Schusswechsel

Wyatt Earp in Tombstone. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Kein Zweifel, das ist Tombstone, genau so, wie ihm sein schlechter Ruf seit alten Zeiten voraus eilt. Und das Karl-May-Museum? Einer der Revolverhelden zeigt mit dem Lauf seines Colts auf ein im Wind schwankendes Hinweisschild in einer der Seitenstraßen. Nein, drinnen war er auch noch nicht. Aber für die angereisten Spurensucher ist endlich ein weiteres Teilziel erreicht. Gleich im Eingangsbereich steht eine Vitrine, deren Exponate die handwerkliche Kunstfertigkeit der Apachen demonstrieren sollen. Darunter ein  in hellbraunem Leder gearbeiteter Mokassin – vielleicht sogar der Schuh des Winnetou?

Durchbruch des Winnetou-Mythos?

Apache Spirit Ranch bei Tombstone. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Doch war sich Karl May damals selber bewusst, welcher Figur seine Fantasie zum Leben verholfen hatte? Literarische Vorläufer schloss er für seinen indianischen Helden aus. Aber gab es nicht zumindest historische Vorbilder, die ihm als Vorlage gedient hätten? Die Fährtensuche führt noch tiefer hinein in den von den Grenzlinien Mexicos und New Mexicos eingezwängten äußersten Südosten von Arizona. Eine bizarre Felslandschaft, bei kriegerischen Auseinandersetzungen sicherlich als Rückzugsgebiet bestens geeignet.

Bergformationen als Felsenfestung

Felsenfestung im Cochise Count. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Von ähnlich schroffem Aussehen waren die Chiricahua Mountains, die sich wie von Riesen erschaffene Burgzinnen mächtig vor jedem Angreifer auftürmten. Ein Gelände, in dem Cochise ebenfalls den Heimvorteil der Ortskenntnis  für seinen Guerillakampf zu nutzen wusste. Vom Massai-Aussichtspunkt öffnet sich noch heute der Blick über die Felsvorsprünge und tiefen Schluchten hinweg bis hinüber zur vorgelagerten Sandebene, an deren anderem Ende der Gebirgszug der Dragoon Mountains wie aus einem perfekt gestalteten Landschaftsmodell herauswächst.

Blutvergießen auf beiden Seiten

Cochise Stronghold im Cochise County. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

So klingt es fast wie ein Wunder, dass der einzige Vertraute des Häuptlings Cochise, Tom Jeffords, ausgerechnet ein Weißer war. Zwei Männer, die trotz gegensätzlicher Herkunft und Hautfarbe dennoch eine tiefe Freundschaft miteinander verband. Eine Zuneigung, die sogar soweit ging, dass allein der „weiße Bruder“ Kenntnis haben durfte über den genauen Beisetzungsort des Apachenhäuptlings irgendwo in der unübersichtlichen Felsenlandschaft von „Cochise Stronghold“.

Generationen überspannender Mythos

Indianerkirche. Die Weisse Taube der Wüste. © Foto/BU: Dr. Bernd Kregel, 2015

Häuptling Cochise und Tom Jeffords sogar denkbar als Vorlage für die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand? So sehr eine positive Antwort auf diese Frage auch wünschenswert wäre, entzieht sich der Sachverhalt heute jedoch einer klaren Beurteilung. Autor Karl May selber trägt zu dieser Verwirrung bei, indem er die Personen seiner Winnetou-Bände zunächst mit historischen Vorbildern gleichsetzte. Eine Position, die er später jedoch widerrief, als er in Winnetou lediglich eine von Anfang an geplante Allegorie auf den „roten Mann an sich“ sehen wollte. Am Winnetou Mythos ändert dies voraussichtlich  nichts. Denn es ist nicht auszuschließen, dass dieser auch weiterhin die Generationen überdauert.

Fotoreportage

Mehr Bilder in der Fotoreportage: Mit Karl May auf der Fährte des Apachen von Dr. Bernd Kregel.

Reiseinformationen „Arizona Süd“

Anreise: Günstig mit US Airways ab Frankfurt und München nach Phoenix über Philadelphia bzw. Charlotte; als Mitglied der Star Alliance gute Zubringer nach/ab Frankfurt am Main und München; www.usairways.com

Einreise: Mit Reisepass und Teilnahme am US Visa Waiwer Programm für eine elektronische Einreiseerlaubnis („ESTA“), https://esta.cbp.dhs.gov

Reisezeit: Ganzjährig bei über 300 Sonnentagen; wegen der trockenen Luft ist die Hitze auch in den Sommermonaten erträglich.

Unterkunft: Phoenix: www.marriott.com/phxmm; Tucson: www.WhiteStallion.com; Cochise County: www.sunglowranch.com

Essen und Trinken: Tucson: www.RanchoDeTiaRosa.comwww.houseoftricks.com; Apache Trail: www.tortillaflataz.com; Tucson: www.WhiteStallion.com; Tombstone: www.CrystalPalaceSaloon.com

Auskunft: Arizona: www.arizonaguide.com; Tucson: www.visittucson.org; Tombstone: www.cityoftombstone.com; Cochise County: www.explorecochise.com

Anmerkungen:

Die Erstveröffentlichung erfolgte am 28. Juli 2013 im WELTEXPRESS. Die Recherche wurde unterstützt vom Arizona Office of Tourism.