Bayerischer Erfindergeist – “Sightsleeping” für Augenmenschen

© 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Bamberg, Bayern, Deutschland (MaDeRe). Als unglaublich bunt und beflügelnd erweist sich die Kulturlandschaft südlich des „Weißwurstäquators“.

Strapazierte Jeans im Levy-Strauss-Museum. © 2018, Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Hosen können von hohem symbolischen Wert sein. Ja selbst bis in den familiären Alltag hinein entzündet sich zuweilen der Streit darüber, wer sie anhat und wer nicht. Dabei verblasst die frühere Diskussion über das modische Idealbild einer Hose. Denn zweifellos haben die Blue Jeans im allgemeinen Bewusstsein längst diesen Rang für sich erobert. Handelt es sich doch um jene genial geschneiderte Nietenhose, bei der nicht nur ihre Stabilität über jeden Zweifel erhaben ist. Darüber hinaus erweists sie sich sogar als bestens geeignet, mit betont lässigen Chic ein beflügelndes freiheitliches Lebensgefühl hervor zu rufen.

Wer würde da schon den Erfinder dieses modernen Kultobjektes in dem kleinen Dörfchen Buttenheim vermuten? Denn hier, unweit der fränkischen Metropole Bamberg, erblickte einst Löw Strauss das Licht der Welt. Dieser folgte der Sogwirkung des von Europa ausgehenden Auswandererstroms in die Neue Welt. Genau zum richtigen Zeitpunkt, um mit seiner genialen Erfindung im Umfeld des kalifornischen Goldrausches eine riesige Marktlücke zu entdecken und zu füllen. Von dieser ungewöhnlichen Karriere berichtet das zu einem „Levi Strauss Museum“ umgestaltete Geburtshaus, in dem sich heute Besucher aus aller Welt die Klinke in die Hand geben.

Sightsleeping Hotels

Benediktinerinnenkloster St. Walburg in Eichstätt. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Vom Bayerischen Einfallsreichtum profitieren neuerdings auch die Gäste, die sich beim üblichen „Sightseeing“ im Freistaat zuweilen vom üppigen Kulturangebot überfordert fühlen. So kamen findige Köpfe auf die Idee, das übliche Besuchsprogramm durch das Konzept des „Sightsleeping“ zu ergänzen. Denn wer wollte bestreiten, dass selbst passionierte Augenmenschen ohne eine effektive Nachtruhe tagsüber oftmals nicht über die erforderliche innere Aufnahmekapazität verfügen

Eines der Sightsleeping Hotels ist die Benediktinerabtei St. Walburg in Eichstätt an der Altmühl. Gemäß der weit ins Mittelalter zurück reichenden Ordensregel „sollen Gäste nicht fehlen“. Damit sind die Besucher eingeladen, in klösterlicher Abgeschiedenheit neben persönlicher Erholung auch die innere Einkehr nicht zu vernachlässigen. So wächst spürbar die individuelle Bereitschaft, ausgeruht den Kostbarkeiten der ehrwürdigen Bischofsstadt nachzuspüren.

Fossile Erbschaft

Fisch-Einschluss in Solnhofener Platte. © 2018, Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

In einem schwungvollen Bogen umspült der Fluss die alles überragende Willibaldsburg. Hier lädt das „Jura-Museum Eichstätt“ ein zu einer Zeitreise in frühere Epochen der Erdgeschichte. Zurück in jene Zeit, als genau hier ein flaches Urmeer mit seinen Sedimenten jene Ablagerungen schuf, aus denen sich die berühmten Solnhofener Kalkplatten formten. Makellose Schichten, die, so Museumsführer Manfred Bauer, mit ihren Einschlüssen immer wieder für neue wissenschaftliche Überraschungen sorgen. Von bestens erhaltenen Mini- Saurier bis hin zu dem weltberühmten Urvogel Archaeopterix, dessen fossile Existenz Darwins umstrittene Evolutionstheorie unwiderruflich bestätigte.

Drunten im romantischen Altmühltal zu Füßen der Burg präsentiert sich Eichstätt als eine selbstbewusste Bischofsstadt. Hier prägt vor allem der mächtige Dom mit seinen bis in die Romanik zurück reichenden Stilelementen das Bild der malerischen Altstadt. Demgegenüber begeistert die in barockem Stil erbaute Bischofsresidenz mit ihrem prachtvoll ausgestalteten Spiegelsaal ebenso wie die verspielte Fassade der Sommerresidenz am Rande des Hofgartens.

Ritterliche Eleganz

Altes Rathaus in Bamberg. © 2018, Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Auch die mittelalterliche Stadt Bamberg an den Ufern der Regnitz weiß sich mit ihren architektonischen Reizen üppig zu präsentieren. So mit ihrem von zwei Flussbrücken umrahmten alten Rathaus oder mit dem über einer Anhöhe der Stadt aufragenden Dom. Hier schaut, angelehnt an einen mächtigen Stützpfeiler, der legendäre „Bamberger Reiter“ in der Pose ritterlicher Eleganz auf seine Bewunderer herab.

Auch in Bamberg geht, wie überall im fränkischen Landesteil Bayerns, die Liebe zur Stadt vor allem durch den Magen. So beispielsweise im historischen Brauereiausschank „Schlenkerla“, der mit seinem deftigen Angebot als kulinarischer Nabel des Stadtzentrums gilt. Fränkische Würste oder eine pikante Leberknödelsuppe erweisen sich dabei als zünftige Türöffner für die üppigen Hauptgerichte aus Topf und Pfanne.

Himbeertöpfchen und Rumtrüffel

Malerische Altstadt in Bamberg. © 2018, Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Aber auch das in diesem Restaurant heimische Rauchbier kommt einer kulinarischen Offenbarung gleich: ein sehr dunkles, herb würziges Märzenbier, das trotz seines relativ niedrigen Alkoholgehalts, so der wohlgemeinte Ratschlag eines Stammgastes, in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden sollte. Und dennoch zählt die Erfahrung, dass der zweite Bierseidel stets besser schmeckt als der erste und der dritte besser als der zweite … Doch nur dann, wenn man sich in der behaglichen Atmosphäre der Wirtsstube genügend Zeit gönnt.

Ähnliches gilt wohl auch für die Confiserie Storath. Mit ihrer vielseitigen Pralinenauswahl offeriert sie den „kleinen Luxus“ für genießerische Stunden. Einladende Auslagen heizen die Fantasie an. So wächst die Neugier auf die dekorativ aufgereihten Variationen wie Himbeertöpfchen und Rumtrüffel oder Nougatbissen und Chili Pralinen. Letztere eingehüllt in einen Mantel von Edelbitter-Schokolade, der die feine Chili-Schärfe noch zusätzlich überhöht.

Lobpreis der Damen

Park des Schlosses Burgellern. © 2018, Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Nur wenige Kilometer vor den Toren Bambergs liegt Schloss Wernsdorf, vor allem bekannt wegen seiner musikalischen Leckerbissen. Hierher laden renommierte Solisten ein, um auf antiken Instrumenten die Klangvielfalt des Mittelalters und der Renaissance über die Jahrhunderte hinweg erfahrbar zu machen. Besonders beeindruckend sind die regelmäßig im Innenhof des Schlosses stattfindenden Sommerkonzerte, wobei der Lobpreis der schönen Damen des Mittelalters natürlich nicht fehlen darf.

Mit Schloss Burgellern verabschiedet sich das fränkische Bayern auf stilvolle Weise. Auch bei diesem traditionsreichen Anwesen inmitten eines ausgedehnten Schlossparks handelt es sich um ein Sightsleeping Hotel. Mit abendlichen Kochkursen öffnet es für interessierte Besucher die Tore zur den Geheimnissen bayerischer Kochkunst. Natürlich dürfen dabei Bayerisch Kraut, Rahmwirsing und deftige Knödel nicht fehlen. Bis hin zum „Schäuferla“, hinter dem sich das Schulterstück vom Schwein verbirgt. Da legt es sich nahe, allen „Sightsleepers“ vorsorglich eine angenehme Nachtruhe zu wünschen!

Reiseinformationen “Bayern/Franken”

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Anreise: Das bayerische Franken südlich des Mains mit den Städten Eichstätt und Bamberg ist per Pkw und Bahn über Frankfurt oder München leicht zu zu erreichen.

Reisezeit: Die Reisezeit ist ganzjährig. Die Schönheit der Landschaften und Städte erschließt sich jedoch am besten im Sommerhalbjahr.

Sehenswürdigkeiten: Buttenheim: Levi-Strauss-Museum, Schloss Wernsdorf: Capella Antiqua, Schloss Burgellern

Unterkunft: “Sightsleeping”, z.B. im Gästehaus der Abtei St. Walburg

Essen und Trinken: Eichstätt: Braugasthof Trompete, Restaurant Domherrnhof, Bamberg: SchlenkerlaConfiserie Storath

Auskunft: Bayern Tourismus Marketing GmbH, Arabellastrasse 17, 81925 München, Telefon: 089 21239743, www.bayern.by; Eichstätt: www.eichstaett.de; Bamberg: www.bamberg.info

Unterstützungshinweis

Die Recherche wurde unterstützt von der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel wurde am 18. März 2018 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht.

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