Berlin, Deutschland (MaDeRe). Bogensport am Bostalsee. Wer mit Pfeil und Bogen unterwegs ist, der erlebt das Saarland von seiner wilden Seite. Zwischen dichten Wäldern, bewaldeten Hügelketten, den Relikten eines Steinbruchs und tief eingeschnittenen Tälern entfaltet sich eine Kulisse, die wie geschaffen scheint für das intuitive Zusammenspiel von Natur, Konzentration und Bewegung.

Bogenschütze zielt auf Spinne im Netz.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026

Der Schaumberger Bogensport-Parcours in Tholey beginnt dort, wo die breiten Wege enden. Schmale Pfade führen tief hinein in den Wald, vorbei an Farnen, moosbewachsenen Baumstümpfen und mächtigen Buchen, deren Kronen das Sonnenlicht gefiltert auf den Waldboden fallen lassen. Am frühen Morgen liegt eine besondere Stille in der Luft. Nur das Rascheln der Blätter und das ferne Klopfen eines Spechts durchbrechen die Ruhe. Der Bogensporttherapeut Wolfgang Kossmann hebt den Arm. Seine Geste verrät, dass hier gleich etwas passiert.

Bogenschütze zielt auf Spinne im Netz.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026

Zwischen einer knorrigen Weißdornhecke und dschungelartigem Farn glitzert ein Netz im Sonnenlicht. Mittendrin sitzt die Diva des Parcours. Eine Spinne, groß wie eine Frisbee-Scheibe, die tiefenentspannt ihr Revier bewacht. Ihr dunkler, sichtlich gut genährter Körper trägt bunte Streifen. Mit einem starren Blick, scannt sie die Lage. Doch das Drama entpuppt sich als humorvolles Täuschungsmanöver. Die achtbeinige Hauptdarstellerin glänzt durch Gelassenheit und besteht zu einhundert Prozent aus Gummi, und innen ist sie mit Schaumstoff gefüttert. Statt einer Giftattacke droht ihr höchstens ein Pfeil im Hintern.

Es ist eine der vielen humorvollen Installationen auf dem vier Kilometer langen Rundweg. Wolfgang Kossmann tritt seitlich vor das Spinnennetz und erklärt die Grundlagen des intuitiven Bogenschießens. „Vor dem ersten Schuss stellst du die Füße schulterbreit auf“, sagt er. „Der Oberkörper bleibt aufrecht, die Schultern locker. Dann streckst du den Bogenarm aus und ziehst die Sehne kontrolliert bis zum Mundwinkel.“ Der Pfeil liegt bereits auf der Auflage. Der Blick richtet sich auf einen Punkt der Spinne. Atmen. Zielen. Einen Augenblick verharren. Dann löst sich die Spannung. Die Sehne schnellt nach vorn. Zentelsekunden später folgt das Geräusch, auf das jeder Bogenschütze wartet. Ein kurzes, sattes Klacken. Der Pfeil steckt im Ziel.

Für Wolfgang Kossmann sind Treffer wie dieser weit mehr als sportliche Erfolgserlebnisse. Sie stehen für Konzentration, innere Ruhe und die Fähigkeit, ganz im Moment zu sein. Eigenschaften, die auch seinen Sohn David früh geprägt haben. Schon als Kind kam er erstmals mit dem traditionellen Handwerk in Berührung. Ein Bogenbauer zeigte ihm, wie ein Bogen aus Holz und geduldiger Handarbeit entsteht. Als Jugendlicher leitete er Kurse für Kinder, nahm an Wettkämpfen teil und verbrachte nahezu jede freie Minute mit Pfeil und Bogen in der Natur. Bald begann er, eigene Bögen zu bauen, experimentierte mit verschiedenen Hölzern und Techniken und vertiefte sein Wissen über das traditionelle Bogenschießen. Aus einem Hobby wurde eine Leidenschaft. Und aus der Leidenschaft schließlich ein Beruf.

Heute ist David Kossmann ein erfolgreicher Bogenschütze, Bogenbauer und Trainer. Sein persönliches Motto lautet: „Behalte dein Ziel im Auge.“ Ein Satz, der nicht nur auf dem Parcours gilt, sondern auch seinen beruflichen Weg beschreibt. Es ist sein großer Wunsch, den Bogensport im Saarland nachhaltig zu prägen und weiterzuentwickeln. In seiner Heimatgemeinde Berschweiler stieß Kossmann mit seinen Plänen auf offene Ohren. 2013 eröffnete dort der Biberburg-Parcours. Kein klassischer Sportplatz, sondern ein Naturerlebnis mitten im Wald.

Bären Attrappen im Wald.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 17.6.2026
Hinter dicken Baumstämmen lauert das Objekt.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026

Der rund vier Kilometer lange Rundweg führt durch schattige Waldabschnitte, über Lichtungen, vorbei an Wassergräben und durch kleine Schluchten. Hinter Wegbiegungen wartet die sportliche Herausforderung in Gestalt täuschend echter 3D-Tierattrappen. Mal steht ein Hirsch fast unsichtbar zwischen den Stämmen, mal lauert ein Fuchs am dicht bewachsenen Waldrand. An manchen Stationen muss der Pfeil erst einen plätschernden Bachlauf überqueren, bevor er ins Schwarze oder in diesem Fall ins Schaumstofffell trifft. Die Figuren sind so geschickt integriert, dass sie oft erst beim zweiten Hinsehen ins Auge fallen. Die Idee für die saarländische Sport-Revolution entstand in den österreichischen Alpen. Dort, zwischen dichten Bergwäldern, blühenden Almwiesen und kristallklaren Gebirgsbächen, lernten Wolfgang und David Kossmann weitläufige Bogensport-Parcours kennen. Die Eindrücke dieser Reisen ließen das Vater-Sohn-Gespann nicht mehr los, und sie brachten die Vision in ihre Heimat. Angepasst an die waldreiche Mittelgebirgslandschaft zwischen Bostalsee, Schaumberg und den Tälern des Saar-Hunsrücks.

Löwe und Hirsche auf einer Lichtung.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 17.6.2026
Entfernung bis zu 70 Meter zum Zielobjekt.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026
Hier kommt man ganz nah.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026

Ein zentraler Pfeiler dieses Konzepts ist das Victor’s Seehotel Weingärtner am Bostalsee. Es hat sich längst als Treffpunkt für Einsteiger, Freizeitschützen und ambitionierte Sportler etabliert. Sogar die olympische Spitzenklasse nutzt das Haus als Trainingsstätte für den Leistungssport. Hier, auf dem Hotelgelände, vermitteln die Kossmanns regelmäßig die essenziellen Grundlagen. Den sicheren Stand, die korrekte Körperhaltung, die kontrollierte Atmung und den absoluten Fokus auf den Moment. Erst wenn diese technische Basis sitzt, geht es für die Schützen hinaus in die Natur.

Streuobstwiese im Wald.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026
Ein Hirsch guckt um die Ecke.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026
Wartebereiche sind ausgeschildert.
© Foto / BU: Heidrun Lange, Ort und Datum der Aufnahme: Saarland, 18.6.2026

Und dort wartet seit 2024 das bislang spektakulärste Projekt von David Kossmann. Die Anlage Eborn inmitten der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald. Wer den Parcours betritt, fühlt sich in eine Filmkulisse versetzt. Zwischen verlassenen Steinbruchwänden und schroffen Felsformationen führen schmale Pfade hindurch. Die Szenerie erinnert viele Besucher an die Canyons des nordamerikanischen Westens. Jede Station nutzt diese wilde Topografie. Mal fordert ein Schuss durch eine felsige Schlucht das Können heraus, mal öffnet sich der Blick auf eine weite Lichtung. Profis schätzen die anspruchsvollen Distanzen und wechselnden Schusswinkel zur Wettkampfvorbereitung. Trotz der Abenteueratmosphäre überlassen die Planer nichts dem Zufall. Großzügige Abstände zu Wanderwegen, klare Markierungen und eine durchdachte Streckenführung garantieren ein gefahrloses Naturerlebnis.

Reisehinweise

Durch David Kossmann und seine DK Bow-Factory hat sich das Saarland mittlerweile zu einem Eldorado für Bogenschützen entwickelt. Wer Lust hat, diesen besonderen Sport einmal auszuprobieren, kann sich direkt an die DK Bow-Factory wenden.

Victors Weingärtner am Bostalsee: https://www.victors.de/hotels/victor-s-seehotel-weingaertner

Auf dem Hotelgelände befindet sich ein großer Schießplatz, der neben einer Vielzahl von 3D-Tieren auch einige WA-Scheiben bereithält. Die Distanzen, auf die geschossen werden kann, reichen bis zu 70 Meter. Dies entspricht genau den Anforderungen der Olympioniken an eine adäquate Trainingsumgebung.

Wer nicht zum Bogenschießen kommt, es gibt zahlreiche Premium-Wanderwege. So bietet sich beispielsweise ein Abstecher zur Abtei Tholey an, dem ältesten Kloster auf deutschem Boden, das für seine von Gerhard Richter gestalteten Chorfenster international bekannt ist.

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