Nostalgische Verklärung? – Serie: Mit dem Hausboot Magdalena auf dem Großpolenring (Teil 2/7)

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Steuermann Marcel fährt Tonnenslalom auf dem Slesinski-Kanal. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Slesin, Polen (MaDeRe). „Witamy! Willkommen in Pollänn!“ werden wir zweisprachig – das klingt nett in unseren Ohren – vor dem Marina-Gebäude begrüßt. Der bullige Hafenmeister – er war mal Bodybuilding-Champion, erfahren wir umgehend per Handy-Foto – strahlt und wünscht uns noch dazu „dzien dobry!“, „guten Tag!“

„Da hinten“, zeigt der kraftstrotzende Mann, „liegt die MAGDALENA, Euer Hausboot“. Der knapp zehn Meter lange „Dampfer“, eine „Vistula Cruiser 30“, ist für die nächsten Tage unser mobiles Ferienhaus. Pure Erholung à la Strandurlaub wird es während dieser Pionierfahrt nicht geben, denn es heißt Ruderwache gehen, mal den Kombüsendienst übernehmen und Festmacherleinen halten.

Zum Kombüsendienst gehört auch das Tischdecken. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Bis zum Zweiten Weltkrieg galt die verschlafene Region, die von 1918 bis 1945 zum Warthegau in der damals deutschen Provinz Posen gehörte, als Verbannungsorte für jeden preußischen Beamten. In dem historischen Bildband „Zwischen Weichsel und Warthe – vom Leben, wie es damals war“ schreibt Heinz Csallner: „Meine Gedanken kehren wieder zurück zu den schnurgeraden Wegen auf weitem Land, der Wind spielt mit dem Laub der Birken, über mir der endlose blaue Himmel, Wolken ziehen langsam vorüber, ich lehne mich an den Stamm einer Birke, spüre den leichten Sommerwind, schließe die Augen…Ruhe, Glück, Heimat…, etwas, das man nicht beschreiben kann“. Aber vielleicht nachempfinden?

Der Alte Fritz fährt als Westpreußen-Maskottchen mit. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Wir sind sehr neugierig geworden. Im Spätsommer, haben wir uns – aus „nostalgischer Verklärung“? – aufgemacht ins Land unserer Väter.