Malta – Das kleinste EU-Land hat viele Gesichter

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Die riesige Kuppelkirche von Mosta. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Valletta, Malta (MaDeRe). Der Schock sitzt immer noch tief. Seit im Oktober 2017 die investigative Journalistin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe ermordet wurde, wurden immer mehr Stimmen laut, die einen tiefen Korruptionssumpf anprangerten. Immer deutlicher wurde die Absetzung des Polizeichefs und der Rücktritt der Regierung gefordert. Tatsächlich läuft in dem Inselstaat einiges schief. Maltesische Pässe werden ganz offiziell an Steuerflüchtlinge und andere zwielichtige Figuren verkauft. Es soll großangelegten Schmuggel geben und noch so einiges mehr. Und die als unerschrocken bekannte Caruana Galizia hat vermutlich genau hier etwas herausgefunden, was ihr dann zum Verhängnis wurde.

Gedenkstätte für die ermordete Journalistin im Zentrum Vallettas. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Nun wurde ein Geschäftsmann festgenommen, kurz bevor er fliehen konnte und auch der Maltesische Premierminister Muscat musste zurücktreten. aber sicher ist das alles erst die Spitze des Eisbergs.

Trotz allem ist Malta (ca. 430.000 Einwohner) aber auch ein äußerst interessantes und lohnendes Reiseziel. So viel Geschichte auf so engem Raum gibt es nirgendwo. Zu den zahlreichen UNESCO Welterbe Stätten zählen zum Beispiel die ältesten Tempel der Welt. Sie sind schon ab 3600 v.Chr. errichtet worden, über tausend Jahre vor den Pyramiden in Ägypten. Üppig fließende EU-Gelder sorgen dafür, dass diese und andere Sehenswürdigkeiten restauriert und geschützt werden. Sensationell ist das sogenannte Hypogäum, ein vor über 5000 Jahren aus dem Stein geschlagener unterirdischer Tempel in drei Stockwerken. Da der Zugang streng limitiert ist, muss man sich schon Wochen vorher über das Internet anmelden.

Der über 5500 Jahre alte Tarxien-Tempel. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Noch immer ungeklärt ist der Ursprung und Zweck der sogenannten Wagenspuren aus prähistorischer Zeit. Waren es wirklich eine Art Schienen oder, wie Esoteriker glauben, ein
Werk von Außerirdischen?

Die mysteriösen Wagenspuren. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Später haben auch Phönizier und Römer ihre Spuren hinterlassen. Im späten Mittelalter wurde Malta die Bastion der Mönchsritter des Johanniterordens. 1565 war ein Schicksalsjahr, nicht nur für Malta. Unter unglaublichen Verlusten ist es den Johannitern und den Einwohnern Maltas gelungen, die Zivilisation gegen die zahlenmäßig weit überlegenen anstürmenden türkischen Horden zu retten. Wäre Malta damals gefallen, wäre es vermutlich auch um Südeuropa geschehen gewesen.

Bis zur Unabhängigkeit 1964 war Malta rund 150 Jahre lang die Mittelmeer Bastion Großbritanniens. Deswegen wurde Malta im 2.Weltkrieg von Deutschland schwer bombardiert. Es gab große Zerstörungen, von denen man aber glücklicherweise schon lange nichts mehr merkt. In der Hauptstadt Valletta, die erst im späten 16. Jh. schachbrettartig angelegt wurde und ein Gesamtkunstwerk ist, kann man aber noch tief in den Fels gegrabene Luftschutzbunker besichtigen.

In der Kathedrale. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Im Valletta von heute gibt es außer der großartigen Johannes Kathedrale, dem prachtvollen Großmeisterpalast und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten auch jede Menge chice Läden und gute Restaurants. Tagsüber herrscht oft ziemlicher Trubel, wenn eines der riesigen Kreuzfahrt Schiffe, die hier fast täglich anlegen, mehrere Tausend Menschen ausspuckt. Abends herrscht dann schnell wieder Ruhe, weil alle zurück aufs Schiff müssen.

In den Katakomben. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Wer einen „Schnellkurs“ gegen Klaustrophobie machen möchte, der sollte sich in die niedrigen und sehr engen Katakomben der früheren Hauptstadt Rabat wagen. Ein ganz besonderes Erlebnis! Eine weitere Besonderheit Maltas sind die vielen gigantischen Kirchen. Beinahe jedes Dorf hat eine Kathedrale, die auch für eine Großstadt als Wahrzeichen dienen könnte! Die nach Rom und Florenz dritt- und viertgrößten Kirchenkuppeln der Welt befinden sich hier..

Aljotta. © Foto/BU: Gerhard Kotschenreuther

Kulinarisch hat sich in Malta im Lauf der Jahre einiges getan. Es gibt Feinkostgeschäfte und immer mehr Restaurants bieten regionale Spezialitäten an. Im „d’office„, im Bistrostil, sollte man unbedingt die typische Aljotta (Fisch- und Meeresfrüchtesuppe) probieren und dazu einen der ausgezeichneten einheimischen Weine trinken.

Auch wenn Malta, anders als gemeinhin angepriesen, kein englisch-muttersprachliches Land ist, so wird doch überall Englisch gesprochen und verstanden. Die Freundlichkeit der Menschen macht zudem alles noch leichter. Da Malta und das benachbarte Gozo recht kleine Inseln sind (316 m²) kann man mit den Linienbussen schnell überall hingelangen. Eine Woche sollte man auf jeden Fall einplanen, weil es so viel zu sehen gibt.