In der weißen Stadt – Serie: Auf der Save durch den Balkan (Teil 6/8)

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Vom geschützten Hauptdeck aus lässt sich die Flusslandschaft auch bei Regen genießen. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Belgrad, Serbien (MaDeRe). Statt in Sremska Mitrovica anzulegen, die reizvolle Region Vojvodina und den Nationalpark Fruska Gora (Frankengebirge) zu erkunden, rauscht MS Prinzessin Sisi mit 22 Kilometern pro Stunde durch – bis kurz vor Belgrad. Über Nacht muss dort geankert werden, weil die strengen serbischen Behörden es so verlangen. Der Spruch im Tagesprogramm lautet entsprechend: „Reisen bedeutet, Grenzen zu überschreiten. Auch die eigenen.“ Damit sollte man sich abfinden.

Die Einreiseprozedur dauert entsprechend, bis Kapitän Synyakov ankerauf gehen und die Pier in Serbiens Hauptstadt ansteuern darf. Dort zeigt der Pegel weiter steigendes Wasser an. Zu spät für die Prinzessin, die mit ihren 1,60 Metern Tiefgang jetzt locker hätte bis Sisdak und zurück fahren können. Die Frühjahrs-Schneeschmelze in den Alpen führt der Save genügend Wasser zu. Mit einem kleineren Schiff bei geringerem Tiefgang wäre der Save-Oberlauf ohnehin kein Problem gewesen. 2018 indes wurde die erst seit drei Jahren befahrene Strecke gleich vier Mal bezwungen. 2019 nur jeweils weniger als die Hälfte ab und bis Zupanja.

Ein Blick von der Save hoch auf Belgrad. Quelle: Pixabay, Foto: falco

Die „weiße Stadt“, wie die 1.160.000-Einwohner-Stadt Belgrad übersetzt heißt, quirlt vor Lebensfreude, obwohl es, wie man bei einem Rundgang feststellen, auch ganz finstere Ecken gibt, die man lieber nicht betreten sollte. Am besten man lässt sich durch die lange Fußgängerzone der Altstadt treiben und macht noch einen Abstecher auf die Burg, das Wahrzeichen Belgrads. Von hier aus, hoch oben über dem südöstlichen Rand der Pannonischen Tiefebene an der Nordgrenze der Balkanhalbinsel sowie dem Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr zwischen Mittel- und Osteuropa samt Vorderen Orient, kann man einen Blick werfen auf die Mündung der Save in die Donau. Diese strategische Lage war Ursache dafür, dass die Festung häufig umkämpft wurde: nach der ersten kelto-thrakischen Besiedlung kamen die Römer, Byzantiner und schließlich bis heute die Serben. Im 20. Jahrhundert war Belgrad sogar Residenzstadt des serbisch-kroatisch-slowenischen Königreichs Jugoslawien und dann im Kalten Krieg für die blockfreien Staaten unter Tito ein bedeutendes politisches Zentrum gegen den sowjetischen Hegemonialanspruch.