Auf der Apfelroute durchs Elbe-Elster-Land: Im Herbst ein Paradies auf Erden

Knallrote Äpfel hängen an einem Baum. Quelle: Pixabay Foto Hans Braxmeier

Döllingen, Deutschland (MaDeRe). Hier ist die Vielfalt zuhause. Geschlossene Waldgebiete, aber auch ausgedehnte Heideflächen mit Traubeneichen; offenes Wiesen- und Ackerland, zwischendrin kleine Flussauen sowie zahlreiche Teichlandschaften. Vor allem aber breitet sich im „Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft“ bis zur Schwarzen Elster eine der größten Streuobstwiesen Deutschlands aus. Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden – die edle Pflaumensorte – und natürlich Äpfel wachsen in der Region. Im freien Gelände und nicht in eingezäunten Intensiv-Plantagen mit tausenden kleinen Niederstamm-Krüppeln wie so oft.

Hochstämmige stattliche Baumgestalten mit großen Kronen prägen das Landschaftsbild. Dunkelrote, goldgelbe, satte grüne Farbtupfer grüßen im Herbst vom Wiesengrund. Das Terrain am Wege ist anscheinend übersät mit Früchten vom Garten Eden. Paradiesisch, wenn dazu die Erkenntnis reift, hier kann man ohne Verbot schon mal aufklauben. Einen Apfel, zumindest. Somit lohnt die Fahrt, ob mit Auto oder Rad, doppelt entlang der bekannten „Niederlausitzer Apfelroute“, welche die Kulturlandschaft und seine Produktionsstätten verbindet. Sie ist eine ideelle, also nicht ausgeschilderte Route zu Mostereien und Kunsthandwerkern, Baumschulen und anderen Betrieben, die mit der heimischen Obstwirtschaft verbunden sind.

Paradiesisch erscheint vielen Besuchern bereits der schöne Schaugarten am Start. Über 3000 Obstsorten gibt es noch in Deutschland, darunter gut 1000 Apfelsorten. Mehr als ein Dutzend findet man selten selbst in einem gut sortierten Supermarkt daheim. Wohl aber im Pomologischen Schau- und Lehrgarten Döllingen. Beispielsweise die „Köstliche von Charneux“, die „Gräfin von Paris“ oder die „Goldrenette von Blenheim“. Gut mundet auch zu jeder Tageszeit „Kassins Frühe“. Über 400 verschiedene Obstsorten wurden auf dem drei Hektar großen Garten inmitten der Streuobstregion Hohenleipisch-Döllingen erfasst. Die Vielfalt altbewährter und lokaler Sorten ist weit und breit einzigartig.

Zu Beginn des Rundgangs durch den Garten demonstriert die Schau landwirtschaftlicher Geräte die Entwicklung im Obstbau durch die Jahrhunderte. Auf geschwungenen Wegen geht es durchs Gelände. Gleich linkerhand wird die ganze Palette der in Vergessenheit geratenen alten Obstsorten aufgezeigt. Dann breitet sich vor dem Besucher prächtig die herrliche Streuobstwiese aus. Im weiten Rund führen zwei kreisförmig angelegte Wege im Gegenuhrzeigersinn zu ausgewählten Birnen- und Apfelsorten in der Reifezeit, zu Kultur- wie Wuchsformen und Feuchtbiotopen, zu Schalenobstarten, zu Schlehen, Pflaumen und Zwetschgen, Süß- und Sauerkirschen, zu Pfirsich, Aprikose und Quitte – und zu den Bienen in der Imkerei. Eine „Arche Noah“ bietet Infos zu vom Aussterben bedrohter Kulturpflanzen. Schautafeln im Garten helfen beim Bestimmen der Gewächse. Kerngehäuse e. V. bietet Führungen an – und allerlei Obst gibt’s zum Kaufen für zuhause. Oder für ein Picknick unterwegs auf der Apfelroute. Dort lohnen zwei der zehn Stationen besonders:

Die Hofmosterei Dobra presst nach Wunsch angelieferte Apfel und Birnen, aber auch anderes wie Johannisbeeren, Sauerkirschen, Holunder, Weintrauben, Quitten, Möhren und Rote Beete. Im Hofladen wie im Online-Shop werden daraus gewonnene Säfte teils verkauft. Früchte werden ökologisch verarbeitet, das garantiert der Grünstempel der Prüfstelle.

Beim Schradenhof stammt das Angebot für Tisch und Tafel ebenso wie die Früchte zur Herstellung von Säften und Bränden einzig und allein aus der Streuobstregion rund um den Lehrgarten wo ja nach streng ökologischen Richtlinien gewirtschaftet wird.

Auf rund 50 Hektar wächst das Obst – Äpfel, Birnen, Kirschen und Quitten – für den Hof heran. Ein besonderes Anliegen ist die Pflege alter Sorten, wie Kaiser Wilhelm, Prinz Albrecht, Goldparmäne, Gellerts Butterbirne oder die Gute Luise. Im Naturschutzgebiet „Untere Pulsnitzniederung“ erfolgt der Anbau von Holunder.

Hinweise

Der bereits traditionelle „Apfeltag“ Ende September wird auf 2021 verschoben, dafür findet am 27. 9. ein „Apfelplausch“ mit Führung statt. Generell ist der Schau- und Lehrgarten für Besucher Montag bis Freitag am Vormittag geöffnet.

Kontakt: Telefon: 035341-61512, E-Mail: kerngehaeuse_ev@web.de

Heimatseiten im Weltnetz: www.pomologischer-garten.de, www.hofmosterei-dobra.de, www.schradenhof.de