Die „World Voyager“, stilvolle Perfektion auf Hoher See – Von Insel zu Insel

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MS World Voyager liegt auf Rede vor der Isla Deserta. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Algarve, Isla Deserta, 18.11.2021

Funchal, Madeira, Portugal; Teneriffa, Kanaren, Spanien (MaDeRe). Dieses Schiff verdient Höchstnoten – Atmosphäre, Dimensionen und Service einer Luxusyacht in mittlerer Preisklasse. Luxuriöse, großzügige Kabinen mit viel High-Tech, Ästhetik, aufmerksames Personal, perfekte Organisation.

Während der Grill auf Deck 7 eine kleine aber ausgezeichnete Auswahl von Speisen zubereitet, hält die Qualität der Mahlzeiten nicht ganz Schritt mit den Ankündigungen auf der Menükarte. Fantastisch hingegen die Möglichkeit, auf der Heckterrasse vor dem Restaurant „Al Fresco“ zu frühstücken und zu dinieren – bei dem warmen Wetter ein reines Vergnügen!

MS World Voyager bei Nacht. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Kanaren, Fuerteventura, 20.11.2021

Ich habe das Privileg, bereits auf vielen unterschiedlichen Kreuzfahrtschiffen und Ocean Liners die Weltmeere befahren zu haben – von den Fjorden Norwegens bis zum Kap Horn, vom Schwarzen Meer zum Indischen Ozean. Die Erfahrungen waren höchst unterschiedlich, doch diese Kreuzfahrt mit Nicko Cruises auf der „World Voyager“ wird mir stets als eine der in jeder Hinsicht perfektesten in ganz besonderer Erinnerung bleiben.

MS World Voyager im Hafen von Funchal, Madeira. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Madeira, Funchal, 16.11.2021

Die „World Voyager“ ist ein brandneues Schiff „made in Portugal“ mit Funchal (Madeira) als Heimathafen. Das Expeditionsschiff besticht durch seine diskrete Eleganz, die stil- und geschmackvolle aber nie protzige sondern durchwegs schlichte Gestaltung mit edlen Materialien und ihre High-Tech-Perfektion gefällt mir. Meine Suite, luxuriös und großzügig, gehört zu dem sich insbesondere auf Fluss- aber auch auf Hochseeschiffen immer mehr durchsetzenden Typus der „Infinity“-Kabinen: Das Panoramafenster lässt sich zur Hälfte elektromotorisch absenken, sodass ein Balkon entsteht – zugleich aber ist die Kabine wesentlich geräumiger als eine traditionelle Balkonkabine, da der Raum für die individuelle Terrasse eingespart wird. Unmittelbar neben meiner Kabine befand sich die sehr große Heckterrasse mit Liegestühlen – eine bestens durchdachte Lösung, denn hier lässt es sich, mit großartiger Aussicht weitgehend ohne störenden Wind lesen, sonnenbaden und entspannen; eine ebenfalls zeitgemäße Neuerung, welche die traditionellen Promenadendecks auf den großen Hochseeschiffen ersetzt. Unmittelbar unterhalb dieser Terrasse befindet sich die Heckterrasse des Restaurants, eine großartige Idee vor allem dies – denn auf dieser Terrasse lässt es sich vortrefflich in der Sonne frühstücken und dinieren.

Dinner auf der Heckterrasse des Restaurants „Al Fresco“ auf MS World Voyager“. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Kanaren, 22.11.2021

Meine 28 Quadratmeter große Kabine bot jeden erdenklichen Komfort: Umfangreich die Schrank- und Stauräume, elegant die Sitzgarnitur und höchst willkommen der riesige High-Tech-Bildschirm, auf dem sich alle relevanten Bord-, Routen- und Wetterinformationen sowie auch die aktuellen Menus abrufen lassen – vor allem aber eine große Auswahl an Kinofilmen. Das Bad bietet gleich drei Dusch-Optionen und eine ebenfalls sehr durchdachte Nachtbeleuchtung. Von souveräner Eleganz, die an ein Fünfsternhotel erinnert, ist die Ausstattung der Inneneinrichtung: Holz und Marmor bzw. die entsprechenden Imitationen. Espresso-Maschinen und Teekocher sind willkommener Standard in allen Kabinen; täglich wird nachgefüllt. Sehr erfreulich auch die edle Kosmetik von L’Occitane. Der Pool auf Deck 6 ist eindeutig zu seicht zum Schwimmen und dient wohl eher dekorativen Zwecken.

MS World Voyager im Hafen von Funchal. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Madeira, Funchal, 16.11.2021

Im Hafen von Funchal lag die „World Voyager“ neben zwei Kreuzfahrt-Giganten mit ihren unzähligen Decks und Tausenden von Kabinen – und nebendiesen Ozeanriesen wirkte sie mit lediglich 126 Metern Länge und ihren sieben Decks mit Kabinen für lediglich 200 Passagiere wie eine luxuriöse Privatyacht. Entsprechend individuell und aufmerksam ist denn auch die Betreuung durch die insgesamt 109 Crewmitglieder, die man schon am zweiten Tag persönlich kennengelernt hat. Ein kleines und im Stil großes Schiff, das aber nie zu eng wird – selbst wenn man ganz andere Dimensionen an Kreuzfahrtschiffen gewohnt ist. Wohltuend, dass es hier keine endlos langen Gänge zwischen den Kabinen gibt und auch der Verzicht auf die Grandeur der großen Freitreppe in der Lobby lässt sich gerne verschmerzen. Manchmal wirken allerdings die öffentlichen Räume (Lounge, Restaurant) mit ihren relativ tiefen Decken doch etwas beengend. Doch die geräumige Kabine und die Heckterrassen machen diesen Nachteil spielend wett.

Diese Kreuzfahrt nahm ihren Ausgang in Funchal. Madeira mit seinem ewigen Frühling, seiner malerischen Altstadt, der an Kunstschätzen reichen Kathedrale, der üppigen Vegetation und den tropischen Früchten, den unerschöpflichen Ausflugs- und Wandermöglichkeiten in die Berglandschaften ist der denkbar beste Ausgangspunkt für eine Kreuzfahrt zu den Kanarischen Inseln. Am liebsten würde man hier eine, oder zwei Wochen verbringen – doch die Sirene der „World Voyager“ drängt zur Abreise: „Alle an Bord“. Das Ablegen, der rituelle „Sail-Away“ ist hier in Funchal ein ganz besonderes Erlebnis. Das Panorama der historisch interessanten Stadt, eingerahmt von satten grünen Hügeln, ist ein letzter Eindruck, der haften bleibt, wenn das Schiff längst in See gestochen ist.

Auf Porto Santo. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Porto Santo, 18.11.2021

Erster Anlaufhafen ist die karge Insel Porto Santo mit ihren herrlichen Sandstränden. Ich habe auf die angebotene Bustour verzichtet und stattdessen spontan, für zwei Stunden ein E-Bike gemietet, das mich mühelos über die Passstraßen zu atemberaubenden Aussichtspunkten führte – und noch dazu für einen lächerlich geringen Betrag. Am Nachmittag dann näherten wir uns der Felseninsel „Isla Deserta“, verlassene Insel (sie wird, da Nationalpark, ausschließlich von zwei Rangers bewohnt). Erstmals werden die „Zodiacs“, mächtige schwarze Schlauchboote, die auf Deck 7 zu Hause sind, zu Wasser gelassen – das ganze hat einen Hauch von Abenteuer und mit Genugtuung beobachte ich, wie die Crew beim Einsteigen der Passagiere haargenau auf Sicherheit achtet: Hier wird nichts dem Zufall oder der allfälligen Ungeschicklichkeit anheimgestellt… Die Schlauchboote, besetzt mit jeweils sechs Passagieren, umkreisen das Schiff – es ergeben sich herrliche Aufnahmen mit Regenbogen und dramatischen Wolkenstimmungen, im Hintergrund die großartigen Felsen der Insel. Man nähert sich grotesken Höhlen und einige wenige, Beherzte, springen ein Land und holen sich dabei nasse Schuhe und Füße auf der Vulkaninsel…

Unterwegs auf der portugiesischen Insel Porto Santo, die zur Inselgruppe Madeira gehört, mit einem E-Rad. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, Aufnahme: Madeira, 18.11.2021

Es folgt ein Seetag mit Filmvorführung des Vortragenden der ausgezeichneten Einführungen zu den verschiedenen Destinationen (der Wiener Wolfgang Pröhl) und Besuch der Brücke – Kapitän Michael Block fasziniert mit seiner präzisen Sachkenntnis und seinem punktgenauen, trockenen Humor. Auch, und ganz besonders hier, High Tech auf dem allerletzten Stand. Auf der Vulkaninsel Fuerteventura – der Name geht zurück auf: „Starker Wind“ wird eine Inselrundfahrt und vor allem eine dramatische, holprige Jeep-Tour auf steinigen Pisten (was nicht allen Passagieren gefällt) angeboten. Auch ein Bad im überraschend warmen, türkisfarbenen Atlantik liegt drin.

Auf Fuerteventura. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Kanaren, Fuerteventura, 20.11.2021

Am nächsten Tag legen wir auf Lanzarote an – für mich eindeutig die schönste Insel. Der Vulkan-Nationalpark Timanfaya besticht durch das rot-braune Farbenspiel des Gesteins und in einer Demonstration wird für die staunenden Gästen ein künstlicher, kleiner Geysir produziert, der seinen Dampf mit lautem Knall meterhoch in die Höhe schießt. Doch für mich war das Highlight dieser Insel der private Besuch im Taxi (30 Euro) in der Fundacion Cesar Manrique, der faszinierenden unterirdischen Behausung des von dieser Insel stammenden Künstlers Cesar Manrique.

Kunst und Natur. © Foto: Dr. Charles E. Ritterband, BU: Stefan Pribnow Aufnahme: Kanaren, Fundacion Cesar Manrique, Lanzarote, 21.11.2021

Er verstand es, die natürlichen Höhlen unter dem Vulkan und die Lava-Zunge oberhalb in seine Wohnhöhle zu integrieren und zwischen farbenprächtigen Kunstwerken skurrile Kakteen zwischen den schwarzen Vulkankieseln gedeihen zu lassen. Sollte man sich keineswegs entgehen lassen.

Am nächsten Tag wurde Las Palmas de Gran Canaria angesteuert – hier verbrachte ich im großartigen, aus dem Jahr 1890 stammenden Erstklasshotel Santa Catalina inmitten eines fantastischen Palmenparks die wenigen Tage bis zur Einschiffung für die nächste Kreuzfahrt, auf der „Vasco de Gama“, während die „World Voyager“ in Teneriffa, der letzten Station dieser Kanaren-Rundreise, anlegte.