Von Porto über Régua nach Pinhao – Serie: Auf dem „Douro Cruiser“ von Nicko Cruises den Portwein-Fluss entlang, hier und da ein Landgang (Teil 2/3)

Goldene Weinberge über dem dunklen Douro in Portugal. Quelle: Pixabay, Foto: Jörg Peter

Porto, Régua, Pinhao, Portugal (MaDeRe). Leinen los! vom Cais de Gaia in Vila Nova – dann, unter anderem, unter die beiden Brücken durch die der Reiseführer mit Gustave Eiffel verbindet. Fünf Bauwerke passiert das Kreuzfahrtschiff im Gebiet von Porto und zwölf weitere flussaufwärts bis zur Grenze von Portugal mit Spanien. Bis dort, auf mehr als 200 Kilometer, ist der Douro schiffbar. Heutzutage mit Hilfe zahlreicher Schleusen als Teil gewaltiger Staumauern, fünf Ungetüme in grauem Beton. Soeben noch von gleißendem Licht umflutet, umfängt einen beim Schließen vom Untertor zunehmend eine ungewohnte Dunkelheit. Viel Nass strömt in die Schleusenkammer – es steigt der Stand bis er das Niveau vom Oberwasser erreicht hat während langsam das Schiff angehoben wird. Dann öffnet sich das Obertor, der „Cruiser“ verlässt die Schleuse und setzt die Bergfahrt fort. Bei der Talfahrt zurück nach Porto sinkt der Wasserstand – und das Schiff – aber nur aufs Niveau vom Unterwasser. Hinaus geht’s durchs Untertor. Herunter ist zuerst mal mulmiger und später spannender als rauf. Runter gehen öfters auch die Aufbauten und allerlei Köpfe, denn bei manchem Schleusentor oder Brücke ist wenig Luft nach oben. Angenehm ist dort unten die Kühle – bei bis zu 42 C an Land.

Wald und Gestein anstatt Wein: Uferpartie des Douro beim Ponte da Ermida. © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Im Sommer. Passenderweise trägt ein Ort den Namen: „Vesúvio“. Ertragreich sind solche Temperaturen für den Portwein, heißt es. Noch wachsen an den Hängen eher neuzeitliche Villen hoch, hier und da kann aber ein stilvoller Landsitz seine Position behaupten. Nach der ersten Schleuse, benannt Barragem de Crestuma-Lever, bestimmen die Grüntöne der Bäume, ein Gelb der Felder das Bild. Der Douro schlängelt sich durch die hügelige Landschaft, oberhalb vom Fluss tauchen am Himmel Häuser hochgelegener Ortschaften auf, Eja als erste von kunsthistorischen Interesse dank der Igreja. Anlegen in Entre-os-Rios, ein Stück vor Flusskilometer 50, wo der aufgestaute Rio Tamega in den Douro mündet, welcher malerisch von einer alten sowie von einer neueren Brücke überspannt wird. Der „Cruiser“ nächtigt am Kai. Sehenswürdigkeiten gibt es beim Landgang keine – sehenswertes wie das Waschhaus als gepflegtes Relikt einige und Gärten verfallener Gebäude die wunderbar wild gedeihen. Ablegen am frühen Morgen; gegen 9 Uhr bricht bereits wieder die Nacht herein, es geht bergauf in der Schleusenkammer, 35 Meter hoch, des Barragem de Carrapatelo. Bald darauf kommt die Pontede Mosteiro in Sicht – eine Eisenbahnbrücke ins Nichts.

Ländliches Refugium am Douro, jeder Zentimeter urbarer Boden gut genutzt © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Und ab hier, Flusskilometer 70, führt die Bahnlinie von Porto nach Pocinho immer am Douro entlang – flussaufwärts linkerhand also Backbord für rund 80 Kilometer. Einst war Salamanca in Spanien das Ziel, oder sogar Paris; da war Barca d’ Alva noch Grenzstation. Nebenlinien erschlossen die Nebentäler: Geschichte, und Zukunft? Landgüter, Quintas, bestücken nun öfters die Hanglagen, wo Wein weiterhin Mangelware ist. Die Dörfer am Ufer und die Hügel hoch erscheinen stattlicher von Wuchs der sakralen wie der profanen Bauwerke. Manche der einst mit Reben bestandenen Terrassen in den Geländestufen, geios, sind schon den Asphodelen überlassen. Dafür treten rund um Resende rote Früchte hervor, diese Gegend ist besonders bekannt für Kirschen. Und Kirchen, wie im Mosteiro de Santa Maria de Cárquere. Charakteristisch im Landschaftsbild treten nun auch die Trauben für die Portweinproduktion zutage. Wobei die Uferpartien felsiger werden, mit Geröll und gewaltigen Gesteinsbrocken welche sich dramatisch im Wasser spiegeln. Teils sind die Stücke Agrarland winzig und mühsam dem rauen Boden abgerungen. Dann, etwa ab Flusskilometer 90, erstreckt sich das Anbaugebiet im Zusammenspiel von Topographie und Geometrie in fein ausgetüftelten ästhetisch bewundernswerten Höhenlinien um die Portweinberge und oft bis zum Miradouro am Gipfel.

Quinta in charakteristischer Bauweise überm Steilhang des Douro. © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Flusskilometer 100 – der „Douro Cruiser“ steuert auf den Anleger zu, macht fest am Kai von Peso da Régua dem Zentrum des „Port“. „Vinho do Porto“, Wein vom Douro dessen Gärung gestoppt wurde und wird um bei nicht vergorenen Restzucker dem Getränk seinen mehr oder minder süßen Geschmack zu verleihen ist seit 1678 ein Markenname. Mit dem Methuen-Vertrag 1703 zwischen England, in der Folge Großbritannien, und Portugal, seit 1640 von Spanien wieder losgelöst, geriet das kleine Land am Atlantik wirtschaftlich beinah total in Abhängigkeit vom Inselreich. Nun zählte Quantität nicht Qualität bei der Portweinproduktion. Bis 1756 der Marques de Pombal, Erster Minister des Königs, eine Monopolgesellschaft auf Kosten der kleinen Winzer ins Leben rief welche mit strengen Bestimmungen Herstellung und Vermarktung des Weins regelte. Nur im Alto Douro dem ältesten geschützten Herkunftsgebiet wie behauptet wird – und einst viel kleiner – dürfen die Reben für den „Port“ stehen. Weinberge wurden in sechs Klassen eingeteilt und Rebsorten in drei Kategorien, die Anbaufläche genau markiert – sie reicht nun von Barqueiros Flusskilometer 90 bis Barca d’ Alva. Aufgeteilt sind die gut 45.000 Hektar Rebenfläche in Baixa Corgo um Régua, Cima Corgo um Pinhao und Douro Superior bis Barca. Von den mehr als 80 Rebsorten sind an die 30 für „Port“ erlaubt – Touriga Nacional gilt als der edelste rote Stoff bei der Produktion.

Absatz um Absatz, von Bild zu Bild: Aufstieg zur Wallfahrtskirche.. © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Das Museu do Douro liegt eine kurze Strecke oberhalb vom Kai – von außen ein industrieller Zweckbau ohne Charme vermittelt es im Innern vielseitig alles Wissenswerte zum Thema. Dazu ein Glas Port auf der Terrasse mit Panoramablick. Ein Prosit auf Pombal… oder lieber Lamego? Ob Landgang, ob Ausflug, die Qual der Wahl. Wer in Vila Nova de Gaia oder Porto von Ruby bis Tawny schon alles probiert hat der entscheidet sich für die Treppe. 613 Stufen. Herunter zu schreiten nicht hinauf zu gehen. Von Nossa Senhora dos Remedios nach Lamego – langsam mit innehalten, von Absatz zu Absatz, Aussicht zu Aussichtterrasse. Als eiliger Tourist, nicht als gläubiger Christ. Am Abstieg von der Wallfahrtskirche erhebt sich im seltsamen Mix aus religiöser und exotischer Symbolik ein Obelisk. Palmen wie Staubwedel im beidseitig begleitenden Park, Statuen, Kapellen, Brunnenhäuser, Bilderwände in blau-weiß an jedem Teil und Teilung der ein- wie ausladenden Anlage. Unten an der Straße wartet der Bus zum nächsten Höhepunkt. Anstatt dem Museum im Bischofspalast seine Aufwartung zu machen lohnt es sich erst nach rechts abzuschweifen – zum Ausschank des lokalen Schaumweins Raposeiro. Obgleich dann die Promenade durch die Allee zum Museum mit dem Gold des talha dourada, mit Heraldik, in Stein gefügt und mit polychromer Kachelkunst recht weit wird.

Prächtig: vergoldetes Holzschnitzwerk, talha dourada, im Museum. © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Kurz ein Blick in den Kreuzgang der Sé und hinauf zum Kastell – dann lässt man die dank Portugals erstem König „Dom Afonso“ seit dem 12. Jahrhundert wohlhabende Markt- und Handelsstadt Lamego links liegen. Durch steile Weinlagen schlängelt die Straße zurück zum Schiff. Nach dem portugiesischen Abendessen an Bord noch ein paar Schritte durch Régua zum Bahnhofsareal der Linha do Douro wo die Reihe der Schuppen nun adrett für Shopping und schön schlemmen umgewandelt wurde. Am nächsten Morgen ist ein Palast bei Vila Real das passende Ausflugsziel. Das bescheiden Casa de Mateus benannte hochherrschaftliche Anwesen hat mit dem alkoholhaltigem Gesöff Mateus Rosé nur den Namen gemein. Nicht mit Wein sondern mit brasilianischem Gold häufte António José Botelho Mourao ein Vermögen zusammen. Nicolau Nasoni, italienischer Architekt in Porto, gestaltete um 1743 den Neubau im barocken Gewand. Im Bassin vor dem Landsitz liegt der Torso einer Nymphe die ihr Gesicht verbirgt – ein Werk des Bildhauers Joao Cutileiro und als Szenerie beliebtes Fotomotiv. Die Palasthaut glänzt in der Mittagshitze. Innen viel edles Holz, Wappenschmuck und beachtliche Ausstellungsstücke, so Portugals Nationalepos, Os Lusiádas. Ein Werk im Stil von Arcimboldo leitet über in den Park und die ihn umgebende Kulturlandschaft. Besonders reizvoll ist der Übergang vom ornamentalen Teil des Gartens in die Plantage wo Gemüse, Obst und Wein wächst. Entlang steiler Rebenhänge ab Sabrosa, dem Geburtsort sagt man von Magellan, verläuft die Tour zurück zum Schiff auch auf der ausgeschilderten Portweinstraße. Der „Douro Cruiser“ wartet bereits in Pinhao auf seine Passagiere. Und der Bahnhof, der berühmte? Auf dem Rückweg. Leinen los! und ab nach Barca d’ Alva – zur Grenze.

Parkfront der Casa de Mateus: Ansicht vom ornamentalen Garten. © 2020, Foto/BU: Christoph Merten

Anmerkungen:

Die Recherche wurde unterstützt von Nicko Cruises Schiffsreisen.

Mehr über den Douro in „Porto oder Brückenblick, Ausflug mit Aufzug und Tram-Trip – Serie: Auf dem ‚Douro Cruiser‘ von Nicko Cruises den Portwein-Fluss entlang, hier und da ein Landgang (Teil 1/3)“ und „Bestes Stück: bis Barca, und zurück – Serie: Auf dem „Douro Cruiser“ von Nicko Cruises den Portwein-Fluss entlang, hier und da ein Landgang (Teil 3/3)“ Christoph Merten.