Schladming, Steiermark, Österreich; Berlin, Deutschland (MaDeRe). Zackig ragen die steinernen Gipfel in den Himmel und drängen sich dicht aneinander. Anführer der schroffen Bande ist der Dachstein mit seinen 2.995 Metern. Rundherum verschneite Wälder, frische Bergluft, stille Kraftplätze und im Tal die Manufaktur Steiner 1888, in der Handwerk seit mehr als einem Jahrhundert von Generation zu Generation weitergegeben wird.

© Ski amadé GmbH

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In der Nacht ist frischer Schnee gefallen. Über der Hütte auf der Planai liegt frostige Morgenluft. Die Äste von Fichten und Tannen biegen sich fast wie zur Begrüßung unter der schweren, weißen Last. Im Licht der aufgehenden Sonne beginnt der Schnee zu glitzern. Skifahrer ziehen mit leisen Jubelrufen ihre ersten Spuren in den Pulverschnee.

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© Foto/ BU: Heidrun Lange
Hoch oben schweben die Gondeln wie bunte Perlen am Himmel. Wer in ihnen sitzt, sieht aus der Vogelperspektive die Talbachklamm. Der Bach schäumt und gurgelt zwischen den Felsbrocken hindurch. Zwischen den Klippen hängen filigrane Eiszapfen, die im Sonnenlicht funkeln. Im Tal liegt zwischen Gipfeln und sanften Hängen eingebettet die Bergstadt Schladming.

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Rötliche Ziegeldächer fügen sich zu einem dichten Mosaik, darunter stehen historische Fassaden neben modernen Hotels und Gasthäusern. Zwischen Kopfsteinpflaster und schmalen Gassen erzählt Schladming von seiner Vergangenheit als Bergbaustadt, Von Knappen die einst Silber und Kupfer förderten, und von Menschen, die das Tal zu einer lebendigen Bergstadt formten. Wenn im Januar beim Schladming Nightrace die Planai im Flutlicht aufleuchtet, wird die Alpenstadt zur großen Bühne des internationalen Skisports. Danach legt sich wieder Ruhe über den Ort, und das helle Läuten der Pfarrkirche klingt wie ein vertrauter Begleiter durch die Straßen.

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Mittendrin liegt das neue Gebäude der Edelweiß-Apotheke. Hinter dem Tresen sortiert eine Apothekerin kleine Fläschchen. In der oberen Etage reihen sich im alten Arzneischrank Glas- und Porzelangefäße nebeneinander. Ihre Etiketten dokumentieren Tinkturen vom Echten Lavendel oder Bitterfenchelöl, die einst von Mag. pharm. Josef Ottowitz, der hier 1913 seine Apotheke eröffnete, mit sicherer Hand gemischt wurden. Bergarbeiter und Bauern suchten bei ihm Rat gegen müde Rücken, schmerzende Hände und gegen die feuchte Kälte der Stollen. Ottowitz gab ihnen Arnika für verspannte Muskeln, Johanniskraut für erschöpfte Nerven, Heublumen- oder Rosmarinbäder und wärmende Tees für die langen Wintertage. Alles notierte er akribisch in sein „Bilanzbuch für Apotheker“. Sein Leitspruch lautete: „Die Lebenskraft der Natur birgt die Heilkraft für uns Menschen.“ Er ergänzte seine Zubereitungen durch überlieferte Rezepturen aus heimischen Pflanzen. Auf dieser Grundlage gründete er ein Labor. Heute leitet Dr. Agnieszka Magg die Apotheke und nutzt das Wissen der alpinen Naturprodukte, die seit Bestehen der Apotheke noch immer im Haus hergestellt werden. Ein Skifahrer mit schmerzenden Knien erhält am Tresen eine Latschenkiefernsalbe, eine Winterwanderin entscheidet sich für einen wärmenden Schladminger Tee. Die Heilmittel haben ihren Ursprung in der Natur des Ennstals. Im Frühjahr, sobald die ersten Sonnenstrahlen durch die Wälder schienen, machte sich Ottowitz mit seiner Enkelin auf den Weg. Sie mit dem Weidenkorb am Arm, er mit dem Wissen um die besten Plätze für Wacholder, Frauenmantel und Spitzwegerich. Er kannte jeden Hang, jede Lichtung und wusste, wann ein Blatt genug Kraft aus dem Boden gezogen hatte. Die Pfade, auf denen er einst seine Kräuter sammelte, laden heute Wanderer und Spaziergänger ein. Sie schlängeln sich tief ins Ennstal hinein und verwandeln sich im Winter in stille, beinahe magische Routen.

© Foto/ BU: Heidrun Lange

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Einfach warm einpacken, feste Schuhe anziehen und schon kann es losgehen. Nur wenige Schritte vom Kraiterparkplatz entfernt beginnt der Themenweg „Wilde Wasser“. Er führt direkt in die Talbachklamm, wo sich der Bach ruhig und glucksend, dann wieder drängend und kraftvoll seinen Weg sucht. Unter den Stiefeln knirscht der Schnee, alte Bäume stehen wie verwitterte Zeugen am Rand und zeigen ihre knorrigen, bereiften Stämme. Nach 45 Minuten Wanderzeit gelangt man ins Untertal. Die Luft ist kalt und klar. Ein Kind zieht seinen Schlitten hinter sich her, ein Hund springt ausgelassen nebenher durch den Schnee. Sein kurzes Bellen verhallt in der weiten Stille.

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© Foto/ BU: Christine Höflehner

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In dieser Winterwelt kann man sich vorstellen, warum der Loden gerade hier seinen Ursprung fand. Stoffe, die zuverlässig wärmen, Feuchtigkeit abperlen lassen und dem Wind standhalten. Das Tal zieht sich still zwischen verschneiten Hängen entlang, und wer ihm folgt, gelangt ins Dorf Mandling. Vor der Manufaktur Steiner 1888 wirbelt der Wind Flocken über den Hof. Hinter den dicken Mauern stampfen die Walkmaschinen. Was damals längst Tradition war, ging 1910 in neue Hände über. Der Bergführer Franz Steiner übernahm die Lodenwalke seines Onkels. Ein Jahr zuvor kämpften er und sein Bruder Irg sich die schroffe Südwand des Dachsteins empor, bis sie den Gipfel endlich erreicht hatten. Eine kühne Route, die damals kaum jemand wagte. Getragen hatte er dabei robuste Lodenhosen aus eigener Werkstatt. Marketingleiterin Sigrid Steiner öffnet die schwere Tür zu den Produktionshallen. Ein warmer, feuchter Duft nach Wolle dringt nach draußen, begleitet vom dumpfen, gleichmäßigen Rattern der Maschinen. Die Hammerwalke seit Generationen wird sie vom Wasser des Gebirgsbachs angetrieben, der direkt hinter dem Gebäude vorbeirauscht. „Mein Großvater stand schon an dieser Walke“, sagt Sigrid Steiner und deutet auf das massive Holzgestell. „Die Holzwürfel fielen damals wie heute in einem tiefen, rhythmischen Takt auf das Tuch.“ Sie streicht mit den Fingerspitzen über eine frisch gewalkte Gewebebahn. „Man muss den Moment spüren, wenn der Stoff gut ist.“

© Foto/ BU: Heidrun Lange

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Während einer Führung durch die „Wollwelt“, können Besucher verfolgen, wie die lockeren Fasern erst gekämmt und geordnet, dann auf dem Webstuhl verwoben und am Ende im Walkprozess so lange bearbeitet, bis der typische, dichte Loden entsteht. Lange Zeit lieferten vor allem die robusten Schladminger Bergschafe die Vliese. Heute werden Alpakafasern, Angora, Merino und Kaschmir integriert. Die neue Loden-Generation ist leichter im Gewicht, aber unverändert robust. Während draußen die Berge tiefer ins Winterweiß sinken, zeigt sich drinnen, wie ein überliefertes Handwerk in die Gegenwart hinüberreicht. Loden gehört einfach zu dieser Landschaft. Damals wie heute.
Reisehinweise
Anreise: Die Eurocity- und Intercity-Züge der ÖBB fahren alle zwei Stunden durch das Ennstal mit Direktverbindungen aus Graz, Innsbruck und Salzburg. Aus München kommt man mit der Deutschen Bahn entspannt nach Schladming-Dachstein.
Loden-Manufaktur: Steiner 1888. Es gibt öffentliche Führungen und Gruppenführungen ab zehn Personen.
Guter Start in den Winteralltag: direkt am Bahnhof Schladming gelegen, das Hotel UND in Schladming








