Berlin, Deutschland (MaDeRe). Schengen im Großherzogtum Luxemburg, Apach in der Französischen Republik und Perl in der Bundesrepublik Deutschland. Kaum irgendwo in Westuropa liegen die Weinberge dreier Staaten so nah beieinander. Und durch die sanften Rebhänge, Streuobstwiesen und traditionsreichen Winzerdörfer fließt die Mosel.

Hier oben in den Weinbergen weht der Wind und es riecht nach feuchter Erde. Wenn am frühen Morgen im saarländischen Perl die ersten Sonnenstrahlen die schmalen Wege, die sich zwischen den Reben hinab zur Mosel schlängeln, in ein warmes Licht tauchen, erwacht das grenzenlose Dreiländereck. In den Steilhängen gehen die Winzer durch die Rebzeilen, prüfen die Rebstöcke, schieben Blätter behutsam beiseite und beobachten, wie die Trauben heranreifen. Wo heute die Reben der Moselregion üppig die Hänge hinab ins Tal reichen, verlief einst eine streng bewachte Staatsgrenze. Wer Nachbarn besuchen, Freunde treffen oder ein Feld auf der anderen Seite bewirtschaften wollte, benötigte einen Passierschein. Den Reben jedoch war das gleichgültig. Sie wuchsen und wachsen tief verwurzelt im gemeinsamen Muschelkalkboden.

Der Dreiländersekt.
© Foto / BU: Heidrun Lange

Auch die Winzer Thomas Schmitt aus dem Saarland, John Clouet aus Frankreich und ein Kollege von der luxemburgischen Mosel dachten über Grenzen hinaus. So entstand der Dreiländerwein. Eine Cuvée, die Geschichte und Kultur der Rgion in sich vereint. Dieser europäische Gedanke ist lebendig geblieben. Der Dreiländersekt „Cuvée trois pays“ wird immer noch im Weingut Schmitt-Weber aus handverlesenen Trauben der eigenen Weinberge in Deutschland, Frankreich und Luxemburg hergestellt. Nun steht bereits die nächste Generation bereit.

Katharina Schmitt unterwegs im Weinberg.
© Foto: Benny Dutka, BU: Heidrun Lange

Tochter Katharina Schmitt wird die fast 300-jährige Familientradition fortführen. Sie erzählt von Rebstöcken, die seit 200, manche sogar seit 300 Jahren Erträge liefern. „Viele Gäste denken bei der Mosel zuerst an Riesling“, sagt die junge Winzerin. „Bei uns fühlen sich vor allem Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder und der für die Obermosel typische Auxerrois wohl.“ Das Geheimnis der Weine liegt jedoch nicht allein in der Arbeit der Winzer, sondern tief unter der Erde. „Die kalkhaltigen Gesteinsschichten speichern Wasser, versorgen die Reben mit Mineralien und verleihen den Weinen ihre typische Frische“, erklärt sie. Jeder Hang, jede Parzelle hat ihren eigenen Charakter. Bereits vor mehr als 2.000 Jahren entdeckten die Römer auf ihrer Handelsroute von Metz nach Trier die sonnenverwöhnten Moselhänge. Im heutigen Perl erkannten sie das Potenzial der Böden und pflanzten mit dem Elbling die ersten Reben. „So wie die Römer“, sagt Katharina mit Blick auf die Rebstöcke, „bauen wir ihn immer noch an.“

Die Römische Villa Borg ist ein archäologisches Freilichtmuseum.
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Das Römerbad in der Villa Borg.
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Der Ruheraum mit kunstvollen Ornamenten ausgestattet.
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Töpfe und Krüge wurden im Wirtschaftsteil der Anlage freigeleg.
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Wie prachtvoll das Leben in dieser Epoche war, lässt sich nur wenige Kilometer weiter erleben. Im Archäologiepark der Römischen Villa Borg lässt sich nachvollziehen, wie die Römer einst lebten. Die weitläufige, detailgetreu rekonstruierte Anlage war kein einfacher Bauernhof, sondern der repräsentative Landsitz einer vermögenden Familie. Ihren enormen Wohlstand verdankten die Gutsherren den reichen Erträgen dieses großen Gutshofs. Auf den fruchtbaren Böden der Region wurde Getreide angebaut, Vieh gehalten und Wein erzeugt. Hier kümmerten sich die Besitzer um ihre Geschäfte und empfingen hochrangige Gäste. Bei prunkvollen, festlichen Mahlzeiten wurden erlesene Speisen und der hauseigene Wein in kunstvoll verzierten Keramikgefäßen serviert. Nach den Geschäften oder üppigen Gelagen entspannten die Römer in den luxuriösen, hauseigenen Thermen. Archäologen legten ab 1987 die verschütteten Überreste dieser monumentalen Anlage frei und rekonstruierten sie. Heute können Besucher durch die herrschaftlichen Räume, die funktionalen Wirtschaftsgebäude und die antike Badeanlage spazieren.

Das roemische Mosaik in Nennig.
© Foto / BU: Heidrun Lange

In Nennig, das sich eng um seinen zentralen Dorfplatz schmiegt, wartet das nächste archäologische Wunder. In einem römischen Gutshof auf einer Fläche von mehr als 160 Quadratmetern gibt es einen Mosaikfußboden, zusammengesetzt aus rund drei Millionen Mosaiksteinen. Es zeigt Gladiatorenkämpfe in der Arena, Jäger im Kampf mit wilden Tieren und Musiker, die das Geschehen begleiten. Entdeckt wurde dieses Meisterwerk der Antike im Jahr 1852 durch reinen Zufall. Ein Feldarbeiter stieß bei der Arbeit auf dem Acker in rund drei Metern Tiefe auf die ersten Steine. Was zunächst unscheinbar wirkte, erwies sich als eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen.

Historischen Wandmalereien aus der Römerzeit
© Foto / BU: Heidrun Lange

Wie lebendig dieses Erbe geblieben ist, zeigt sich im Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg. In der Eingangshalle empfangen römische Figuren die ankommenden Gäste. Imposante Säulen, detailreiche Wandbilder und dekorative Akzente knüpfen überall im Haus an die mehr als zweitausendjährige Geschichte des Tals an. Auf die glanzvollen Zeugnisse der Römer folgen im Dreiländereck die wehrhaften Bauwerke des Mittelalters.

Das Chateau de Malbrouck.
© Foto / BU: Heidrun Lange

Auf einem Felsvorsprung über dem lothringischen Dorf Manderen, erhebt sich das Château de Malbrouck. Schon von Weitem zeigen sich vier wuchtige Ecktürme. Wo einst Wachen mit Argusaugen das Tal überblickten, genießen heute Besucher bei einer Tasse Kaffee und frisch gebackenen französischen Croissants die besondere Atmosphäre des Ortes. Perl ist von hier aus wieder schnell erreicht.

Die Saarschleife.
© Foto / BU: Heidrun Lange

Wer sich von dort auf den Weg in Richtung Saarschleife macht, erlebt, wie sich die Landschaft mit jedem Kilometer verändert. Von den Rebhängen geht es hinauf zu den dichten, urwüchsigen Wäldern auf den Höhen des Saargaus. Buchen, Eichen und mächtige Douglasien säumen den Weg. Große Flächen dieses Naturparks bleiben bewusst sich selbst überlassen. Holzbänke laden am Wegesrand zum Innehalten ein. Genau der richtige Moment, um eine Flasche Dreiländersekt aus dem Rucksack zu holen. Denn nirgendwo schmeckt dieser spritzige Geist besser als mitten in der Natur. Nach vielen Kilometern des Wanderns taucht man schließlich in eine völlig andere Welt ein. An Tagen mit klarer Fernsicht lohnt es sich, am berühmten Aussichtspunkt Cloef in Mettlach etwas länger zu verweilen. Einfach innehalten, tief durchatmen und schauen. Wer die Landschaft aus noch höherer Perspektive erleben möchte, spaziert über den hölzernen Baumwipfelpfad. Mehr als 200 Meter tiefer zieht die Saar ihre berühmte Schleife zwischen steilen Felswänden und bewaldeten Hängen, als hätte sie alle Zeit der Welt.

Reisehinweise:

Anreise mit der Bahn: Perl hat einen eigenen Bahnhof. Am Hauptbahnhof Trier in den Regionalzug umsteigen.

Sieh den vollständig rekonstruierter herrschaftlicher Wohnbereich der römischen Villa Borg.

Mosaikboden in der Römische Villa Nennig sind sehenswert.

Aussichtspunkt Cloef und Baumwipfelpfad: Der Aussichtspunkt Cloef ist kostenlos zugänglich. Der Baumwipfelpfad kostet Eintritt Erwachsene: 12,50 Euro, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren zahlen 10,50 Euro. Nur Kinder unter sechs Jahren dürfen den Baumwipfelpfad kostenlos betreten.

Die Saarland Card: Die Saarland Card ist nicht käuflich erwerbbar, sondern gibt es kostenlos als Zusatzleistung bei einem Aufenthalt ab zwei Übernachtungen bei den teilnehmenden Partner-Unterkunftbetrieben im Saarland.

Hotel-Tipp: Das Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg bietet verschiedene Rundum-Sorglos-Pakete an. Während einer Woche stehen die schönsten Seiten des Dreiländerecks auf dem Programm. Dazu gehören Wanderungen, ein Abstecher nach Luxemburg, ein Ausflug an die Moselschleife und wohltuende Wellness.

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