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In den Cotswolds, dem Herz Englands

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Cotswolds
Ein Tal südlich von Crickley Hill Country Park in den Cotswolds.

Cotswolds, England, UK (MaDeRe). So wie die Pilcher-Verfilmungen unser Bild von Cornwall beeinflussten, konnte man vor kurzem in der Krimiserie „Agatha Raisin“ einen amüsanten Einblick in das Gebiet der Cotswolds gewinnen. Es beginnt nördlich von Bath und reicht bis kurz vor Birmingham, nach Osten dehnt es sich etwa bis Stratford-on-Avon und im Westen bis Tewkesbury und den Malvern Hills. In den Cotswolds ein Häuschen zu besitzen und sich spätestens im Ruhestand dorthin zurück zu ziehen ist der Traum vieler Engländer, aber auf Grund der hohen Nachfrage sind die Preise mittlerweile so gestiegen, dass sich dies nur noch die Reichen leisten können. Der positive Nebeneffekt dieser „Gentrifizierung“ ist, dass die Dörfer und Städte äußerst gepflegt sind und wären da nicht manchmal zu viele Touristen unterwegs, wäre das Vergnügen wirklich ungetrübt.

Die Klassiker: Broadway – Chipping Camden und mehr

Bäderarchitektur in Cheltenham, das auch Cheltenham Spa genannt wird. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Kommt man von Bath über die Autobahn M5 in die Cotswolds, so sollte man – auch wegen der thematischen Nähe – als erstes Cheltenham besuchen. Wie Bath ist auch Cheltenham eine Kurstadt aus der Retorte. Die ersten Heilquellen wurden zwar schon 1716 entdeckt, aber erst unter George II. entwickelte sich die Stadt zum Modebad der feinen Gesellschaft. Um den ersten Pump-Room wurden Straßenzüge mit Reihenhäusern im Regency-Stil erbaut mit gusseisernen Balkons und säulengeschmückten Eingängen. Vieles davon ist zu sehen, wenn man sich durch das innerstädtische Geschäftsviertel bis zur „Promenade“ und zum „Montpellier Walk“ durchgefunden hat.

Broadway in der Grafschaft Worcestershire. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Der nächste „Hotspot“ ist Broadway, ein großzügig angelegter Ort voller Geschäfte, Antikläden, Kunstgalerien und Tearooms, in dem bereits Römer und Angelsachsen ihre Spure hinterließen. Dazwischen das berühmte Lygon Arms Hotel, ein Gebäude aus der Renaissance das Wolfram Siebeck schon vor 30 Jahren gelobt hatte und das immer noch einen Besuch wert ist. Zur Lunchzeit ist es sogar preiswert.

Broadway erhielt seine Bedeutung durch eine Poststation, in der die Pferde gewechselt wurden. Wer wollte, der konnte länger Rasten. Viele Gasthäuser und Herbergen entstanden um die Poststation sowie zahlreiche schöne Häuser aus einheimischen honigfarbenem Kalkstein entlang der High Street.

Die High Street von Chipping Camden im District Cotswold in Gloucestershire im Südwesten Englands. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Als nächstes auf der Route steht Chipping Campden mit seiner beeindruckenden High Street (die aber auch sehr zugeparkt sein kann), den alten Häusern aus mehreren Jahrhunderten, die – einem 1929 gegründeten Trust sei Dank – weder durch Reklameschilder noch durch Oberleitungen verunziert sind. Eine historische Markthalle setzt zusätzliche Akzente.

Über Moreton in Marsh geht es weiter nach Stow-on-the-Wold, einem Kleinstädtchen das neben historischen Gaststätten viele Einkaufsmöglichkeiten bietet, besonders am Dienstag, wenn auf dem Marktplatz tatsächlich Markt abgehalten wird.

Die alte Marktstadt Stow-on-the-Wold in der Grafschaft Gloucestershire im Herzen Englands. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Der Ort liegt auf einem 700 Fuß hohen Hügel, auf dem sich wichtige Straßen der Cotswolds kruezen. Einst war Stow-on-the-Wold ein bedeutendes Zentren des Handels mit Wolle, die einige Leute in Stadt und Land reich machte.

Als letztes in dieser kleinen Rundreise kann man die Doppelstädte Bourton-on-the-Water und Bourton-on-the-Hill ansteuern, wobei Bourton-on-the-Hill eigentlich keine Stadt sondern mehr ein Örtchen ist, dafür über ein zu besichtigendes Herrenhaus mit Park samt pädagogischem Programm für Kinder verfügt.

Entdeckungen abseits des Bekannten

Lower Slaughter in Gloucestershire. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Wie immer in England ist es aber spannend und lohnend, trotz der Enge der Straßen einmal von den Hauptrouten abzuweichen und in die Dörfer links und rechts der Landstrasse abzuzweigen. Zwischen Stow und Bourton ist so eine Stelle. Dort verweist ein Wegweiser zu den „Slaughters“, alo Upper Slaughter und Lower Slaughter. Beide Dörfer sind quasi das Umfeld je eines Herrenhauses, und diese beherbergen wiederum luxuriöse Hotels mit prächtigen Salons und guten Restaurants (Lower Slaughter Manor und „Lords of the Manor-Hotel“). Ein anderer Ort ist an der Strecke von Tewkesbury nach Broadway zu entdecken: Overbury, eigentlich ein Herrenhaus mit Umschwung, in dem jetzt Pferdezucht betrieben wird.

Es muss nicht immer Glyndebourne sein

Longborough Festival
Gartenatmosphäre beim Longorough Opernfestival. © Longborough Festival

Opernliebhaber schwärmen gerne von den Festspielen in Glyndebourne, wegen der Mischung aus guter Oper und Picknick im Smoking. Um dabei zu sein, muss man sich sehr früh um Karten bemühen und hohe Preise akzeptieren. Doch es geht auch anders. So gibt es in den Cotswolds das Longborough Festival Opera, direkt bei Moreton in Marsh, das das gleiche Vergnügen bietet, aber zu Preisen, die dort enden, wo sie in Glyndebourne beginnen. Und Picknickkörbe kann man auch ordern! Auch das künstlerische Programm kann sich sehen lassen. In der 2018er Saison gibt es u.a. den Fliegenden Holländer, La Traviata, Ariadne auf Naxos und Monteverdis Krönung der Poppea. Alles durchaus mit renommierten Kräften. Ein ähnliches Festival gibt es auch noch in Surrey in der Grand Park Opera.

Das englische Essen ist lange nicht so schlimm wie sein Ruf

Eine Vorspeise im Ston-Easton-Park-Hotel. © 2018, Foto: Gabriele Burow

Kommt man von einer Englandreise zurück, so ist die häufigste Frage, die man hört: Und wie war das Essen? Zusammengefasst: Gar nicht schlimm, wenn man einige Dinge beachtet.Dass klassische Stereotyp sind zerkochtes Gemüse und schwerverdauliche Pies. Die bekommt man immer noch, vor allem in Pubs, deren Besucher hauptsächlich zum Trinken kommen. Ergänzt werden diese Klassiker inzwischen durch Burger und alles, was man gefroren kaufen und paniert in die Frittöse werfen kann, also Krabben, Zwiebelringe etc. Das ist in deutschen Dorfgasthäusern nicht viel anders, nur dominieren hier Schnitzel und Co. Dort wo mehr Betrieb ist, gibt es aber positive Ausnahmen, auch wenn die Karten meist die folgenden Klassiker aufweisen: Steak mit Pilzen, langsam gegarter Schweinebauch, Lachssteak oder Sea Bass und für die Vegetarier meist ein Risotto. Man kann aber auch sehr gepflegt essen, nämlich wenn man sich an die Hotelrestaurants hält, vor allem der etwas luxuriöseren Häuser. Für 20 bis 30 Pfund bekommt man dort ein Drei-Gänge-Mittagsmenü, das sich vor der kontinentalen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Und das in prächtigem Rahmen. Auch bleibt lobend zu erwähnen: Nirgendwo wird man aufdringlich gefragt, ob man nicht ein Mineralwasser bestellen will – ein Krug mit Eiswasser gehört zum Standard auf jedem Tisch.

Eines sollte man sich aber in keinem Fall entgehen lassen: Den berühmten englischen Sonntagsbraten, das Sunday Roast, mittags serviert mit Yorkshirepudding, Gemüse und Röstkartoffeln. Fragen Sie einfach im Ort, welches Lokal man dafür empfiehlt.

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