Start Afrika Pferdefieber in Marokko – Der “Salon du Cheval” als Hotspot der Reitkultur

Pferdefieber in Marokko – Der “Salon du Cheval” als Hotspot der Reitkultur

1287
0
Teilen
Fantasia. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

El Jadida, Marokko (MaDeRe). Die kleine Küstenstadt El Jadida wird zur spektakulären Kulisse des Reitsports im „afrikanischen Orient“.

Das lässt keinen kalt. Wenn zwanzig Berberpferde mit trommelnden Hufen in wildem Galopp auf Tuchfühlung nebeneinander heran preschen. Und dabei mit zunehmender Geschwindigkeit den großen Paradeplatz von El Jadida in deutlich spürbare Vibration versetzen. Wollen sie etwa den ihnen in Nordafrika voraus eilenden Ruf ungebändigter Wildheit erneut übertreffen? Angefeuert und angetrieben von den lautstarken Kriegsrufen des Vorreiters?

Spannungsgeladene Augenblicke, bis kurz vor der Ziellinie die historischen Vorderlader auf den Punkt genau unter ohrenbetäubendem Lärm eine noch stärkere Geräuschkulisse entwickeln. Und bei abruptem Halt Ross und Reiter innerhalb von Sekundenbruchteilen fast vollständig in weißen Pulverdampf einhüllen. Nein, kalt lässt ein solches Erlebnis wirklich niemand!

„Fantasia“ der Berber

Fantasia. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Fantasia. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

Handelt es sich doch um die legendäre „Fantasia“, wie sie in der marokkanischen Berbertradition seit Jahrhunderten zur Perfektion herangereift ist. Ein Kampfsport mit ernsthaftem Hintergrund und wohl deshalb mit auf die Spitze getriebenem Imponiergehabe. Gilt doch nicht nur bei den Berbern der Angriff  als die beste Verteidigung. Hier dem ersten Eindruck nach zwar ausgeführt in ungestümer und ungebändigter Wildheit. In Wirklichkeit jedoch ein Kabinettstück  außerordentlicher Disziplin und Konzentration, wie Haj Ahmed el Houze aus Agadir mit erhobenem Zeigefinger am Rande des Spektakels beteuert. Diesmal zwar nur Besucher des „Salon du Cheval“, aber immerhin mit langjähriger eigener „Fantasia“-Erfahrung.

Dabei nur nicht aus der Reihe tanzen und die optische Geschlossenheit der Reitergruppe aufbrechen, fährt er mit Kennermiene fort. Auch bloß keine Millisekunde zu früh den finalen Schuss abfeuern und dadurch die gemeinsame Salve mit ihrem einheitlichen Donnerschlag in ihre akustischen Einzelbestandteile zerlegen! Doch schlimmer noch kommt es, so Ahmed, wenn einer der Reiter im Eifer des Gefechts über die vorgegebene Ziellinie hinausschießt und sich in den weiß lackierten Holzlatten des Trennzaunes verheddert. Eine Blamage, so lächelt er verschmitzt, die im Verlauf eines prall gefüllten „Fantasia“-Nachmittags – Allah sei Dank – allerdings nur äußerst selten vorkommt.

Berberische Volksseele

Fantasia. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Fantasia. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

König Mohammed VI. wusste offenbar die berberische Volksseele genau einzuschätzen, als er im Jahr 2007 den „Salon du Cheval“ aus der Taufe hob. War ihm doch bewusst, dass die berberische Tradition vielen Menschen an der marokkanischen Atlantikküste immer noch tief im Blut liegt. Und weit über die Zeit hinausreicht, in der die arabische Invasion aus dem Osten die Region in einen arabisch geprägten „afrikanischen Orient“ verwandelte.

Doch obwohl der alte Streit längst beigelegt ist, wird  bei Gelegenheiten wie dieser, dafür liefert Ahmed den besten Beweis, die berberische Identität immer noch deutlich erkennbar. Mit eigener Sprache, eigenem Handwerk und nicht zuletzt eigenem Lebensgefühl. Andererseits jedoch bietet der „Salon du Cheval“ genügend Gelegenheit, um auch Traditionen der Reitkultur aus anderen Kontinenten zur Schau zu stellen.

Fließende Eleganz

Dressur Lorenzo beim Salon du Cheval. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Dressur Lorenzo beim Salon du Cheval. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

Das zeigt sich nirgendwo überzeugender als an den mit prallem Programm gefüllten Galaabenden, die den „Salon du Cheval“ begleiten und ihm zusätzlich Seele verleihen. Mit eigenwilligen Dressuren und künstlerischen Darbietungen nicht nur aus Marokko und dem angrenzenden Spanien. Sondern auch aus Ungarn und Portugal. Allesamt Glanzstücke der Reitkunst, zudem versehen mit hohem Unterhaltungswert.

Heraus ragend Lorenzo, der „Fliegende Mann“ aus der südfranzösischen Camargue. Zwölf Tiere umfasst seine Gruppe weißer Wildpferde, auf die er sich in jeder Sekunde und Situation verlassen kann. In bewundernswerter Souveränität steuert er, stabil auf ihrem Rücken stehend und zugleich schwebend wie im Flug, die Geschmeidigkeit des gemeinsamen Auftritts. Noch während der unterschiedlichsten und eigenwilligsten Figuren weiß jedes Tier genau, wo es hingehört und was die jeweilige Formation von ihm verlangt. In ihrer fließenden Eleganz allerdings meilenweit entfernt von dem eher martialischen Bewegungsablauf einer „Fantasia“.

Einfühlsamer Pferdeflüsterer

Ausritt am Strand vor dem Mazagan. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Ausritt am Strand vor dem Mazagan. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

Das weckt natürlich die Lust am eigenen Ausritt entlang dem Sandstrand von El Jadida. Vom nahe gelegenen „Mazagan Beach Resort“ aus bietet sich dazu die beste Gelegenheit. Der Reitstall ist gut bestückt, und mit dem einfühlsamen Pferdeflüsterer Noureddine steht tatkräftige Hilfe schon bereit. Die Wahl fällt nach kurzer Beratung auf „Wadouda“, angeblich das schnellste Pferd im Stall. Doch dann ist es die Sympathie des persönlichen ersten Eindrucks, die zählt. Schnell ist der Sattel aufgelegt, und los geht’s.

Immer entlang dem sieben Kilometer langen Strand zwischen dem „Mazagan“ und El Jadida. Eine Paradestrecke nur wenige Meter entfernt von der donnernden Brandung, die hier vom Atlantik her dann doch gemächlich am flachen Ufer ausläuft. Hier befindet sich der schneeweiße Vierbeiner offensichtlich in seinem Element. Besonders wenn das Wasser unter den Hufen aufspritzt, verbreitet sich seine Lebensfreude bis hinauf zum Reiter und steigert sich zur puren Begeisterung.

Orientalischer Charme

Poolareal des Mazagan Beach Resort. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Poolareal des Mazagan Beach Resort. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

Nach der Rückkehr in den Stall erweckt das um eine Poollandschaft konzipierte „Mazagan“ die Neugier und erweist sich schon bald als eine Welt für sich. Denn in der weitläufigen Anlage scheint ein bezaubernder orientalischer Charme stilvoll in fantasievolle architektonische Form gegossen zu sein. Mit schmuckvollen Rundbögen und verwinkelten Räumen des Verweilens. Als besonders romantisch erweist sich, darauf ist Kommunikationsdirektorin Khadija besonders stolz, das „Mazagan“ am Abend. Wenn es sich mit verspielten Lichteffekten des „afrikanischen Orients“ unter dem funkelnden Sternenhimmel auf  seine spezielle Art entfaltet.

Orientalisch präsentiert sich natürlich auch das marokkanische Restaurant Morjana. Denn hier erwecken durchsichtige Stoffbahnen, die dezent beleuchtet in verschiedenen Farben von der Decke herab hängen, die Illusion eines anheimelnden Wüstenzeltes. Dazu passend die einschmeichelnde Saitenmusik und schwungvoll agierende Bauchtänzerinnen, die die orientalische Atmosphäre zum Höhepunkt steigern.

Gewölbe der Zisterne

Zisterne in El Jadida. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015
Zisterne in El Jadida. © Foto: Dr. Bernd Kregel, 2015

Ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch in der nahe gelegenen Altstadt von El Jadida. Orientalischer Charme auch hier, selbst wenn deren Wurzeln bis in die portugiesische Gründungsära des 16. Jahrhunderts zurück reichen. Beeindruckend vor allem die mächtigen alten Mauern am Hafengelände sowie das kunstvoll konstruierte Gewölbe der alten Zisterne. Und dazwischen viele bunte Läden, die mit heimischen Kunstgegenständen zum Kauf einladen.

Stadtführer Bouchaib hat offensichtlich Recht mit seiner Behauptung, dass Marokko nicht nur aus seinen berühmten Königsstädten besteht. Denn auch das südwestliche Dreieck zwischen Casablanca, Marrakesch und El Jadida hält zahlreiche Attraktionen bereit, die es vor allem während des „Salon du Cheval“ aber auch weit darüber hinaus zu bestaunen gilt.

Reiseinformationen “Marokko / El Jadida”:

Enreise: Es genügt der noch 6 Monate gültige Reisepass. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Reisezeit: Ganzjährig, besonders empfehlenswert sind jedoch die Übergangszeiten Frühling und Herbst; heiß im Sommer, kühl im Winter. Der „Salon du Cheval“ findet alljährlich im Herbst in El Jadida statt. Web: www.salonducheval.com

Reisebuchung: Reisen in den marokkanischen Südwesten sind buchbar bei allen Reisebüros

Unterkunft: Eine der ersten Adressen im marokkanischen Südwesten ist das „Mazagan Beach Resort“ in El Jadida. Zur Zeit des „Salon du Cheval“ die ideale Unterkunft.

Auskunft: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Str. 59, 40210 Düsseldorf, Telefon: 0211-370551, Email: marokkofva@aol.com; Web: www.visitmarocco.com

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt vom „Mazagan Beach Resort“.

Kommentieren Sie den Artikel

÷ 2 = 3