Start Fluss Mit dem Hausboot auf der Maas – Ein Wochenende ohne Führerschein

Mit dem Hausboot auf der Maas – Ein Wochenende ohne Führerschein

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Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

Maas, Frankreich (MaDeRe). Vorglühen, Zündschlüssel ganz umdrehen – und schon geht´s los. Hausbootfahren ist kinderleicht. Vom Hafen Pont à Bar in den französischen Ardennen führt eine Wochenendtour bis Monthermé, das hübsch am Hang und in einer Maasschleife liegt und aussichtsreiche beschilderte Wanderwege bietet.

Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

Möglich ist es, ein zweites Auto am Endpunkt der Tour platzieren. So braucht man nicht nach Pont à Bar zurück und kommt noch tiefer ins Maastal bis Fumay. Wer Wochen Zeit hat, gelangt auf Wasserwegen bis nach Namur, Dinant oder Lüttich im benachbarten Belgien. In Frankreich sind Mouzon, Stenay, Verdun (eine Woche) und Reims mit seiner berühmten Kathedrale beliebte Ziele. Bei 5–6 Stunden Fahrtzeit pro Tag bleibt genügend Zeit zum Sightseeing oder für Radtouren. Auf den Treidelpfaden parallel zu den Wasserwegen kann man neben dem Boot herradeln oder joggen. Unterwegs sind automatische Schleusen (9–18 Uhr) zu passieren. Wie das geht, gehört in Pont à Bar zur Einweisung.

Gefühl für die Langsamkeit

Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

»Hebel zurück, viel zu schnell«, sagt Eric. Bei 2300 Umdrehungen pro Minute auf dem Tacho fährt das Boot 10 km/h. Das ist auf der Maas erlaubt, doch auf dem Kanal nur 8 km/h. Das Fahrrad und der Jogger haben inzwischen 500 m Vorsprung, ein Schwan nähert sich dem Bug. Eric aktiviert mit per Fernbedienung die Schleuse und das Gerät am Ufer blinkt. »Wir warten bis die Ampel grün wird, langsamer«. Wir driften nach rechts, lenken gegen, geraten zu sehr nach Backbord, fahren gefühlt immer noch viel zu schnell und Schlangenlinien.

Schleusen ohne Schleusenwärter

Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

»Seid ihr betrunken?«, feixt die Mannschaft in der Pénichette hinter uns. Behutsam. »Bis es grün wird, einfach treiben lassen«, empfiehlt Eric. »Es passiert nichs. Die Boote sind gut mit Bojen gepolstert.«
Grün, die Schleusentüren öffnen. Wir bugsieren hinein. Eric steigt aus und legt die Taue um die Polder. »Einer hinten, einer vorn. Leicht straffen, immer nachgeben«. Auf unseren beiden Booten halten vier Leute die Leinen, damit wir nicht an die andere Schleusenwand driften. Eric zieht am Ufer an der blauen Stange. Ein Aufzug in Slow Motion, der Wasserspiegel sinkt. Herausfahren, wenden. Beim Aufwärtsschleusen muss einer die Leiter hochklettern, die Taue umlegen und die Schleuse in Gang setzen. Alles gut. Ende der Einweisung. Diese Nacht verbringen wir im Hafen.

Ein Wochenende, zwei Städte

Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

Wir fahren nach Sedan, wo die Preußen 1870 Napoleon III. schlugen, besichtigen eine der größten Burgen Europas und kaufen Spezialitäten aus den Ardennen: geräucherte Wurst mit Speck, Marmelade mit Trüffel und Safran, Paté, jede Menge Käse, Cidre-Essig und Abteibier. Am nächsten Morgen absolvieren wir unsere erste Schleusenfahrt allein. »Ihr werdet das Schiff schon schaukeln. Zu einem Liebespaar würde ich sagen: Nach der Tour wisst ihr, ob ihr heiraten wollt«, winkt uns Eric von der Brücke nach. Charleville-Mézière ist unser Ziel für den Samstag – ein Terrassencafé auf der Place Ducale und das Rimbaud-Museum. Der skandalumwitterte Poetensohn der Stadt riss 1870 als 16jähriger nach Paris aus, doch Nachtleben gibt es hier heutzutage auch.

Reisehinweise:

Mit dem Hausboot auf der Maas.
© 2015, Foto: Petra Sparrer

Anreise: Mit dem Auto 3–4 Std. von Köln oder Frankfurt ins Maastal bis Pont à Bar, 10 km von Sedan

Beste Reisezeit: April–Oktober

Anbieter: Locaboat Holidays, Ludwigstr. 1, 79104 Freiburg, Tel. 0761 207370, www.locaboat.com, Partner in den Ardennen: Ardennes Nautisme, 12, Hameau de Pont à Bar, 08160 Dom Le Mesnil, Tel. +33 3 24540150, www.ardennes-nautisme.com

Preisbeispiel: Mini-Woche all inkl. 3 Tage auf dem Wasser, 4 Nächte an Bord je nach Boot 2–8 Pers. 211–292 €, zusätzlicher Tag 42–58 €, Heizung, Benzin und Endreinigung enthalten, plus 1 Fahrrad an Bord, Weitere muss man mieten oder mitbringen. Zusätzliche Kosten ca. 10–12 € Liegegebühren beim Anlegen in Jachthäfen

Streckenbeispiel: Wochenende: 70 km, Pont à Bar, Charleville-Mézières, Monthermé und zurück. Mini-Woche: gleiche Strecke, aber weiter bis Fumay 94 km, 24 Schleusen, 20 Std. Fahrt.

Infos zur Region: unter www.tourisme-sedan.fr, www.charleville-tourisme.com

Fremdenverkehrsamt der Region: CRT Champagne-Ardenne, 5 rue de Jéricho, BP 50319, 51013 Châlons-en-Champagne cedex, Frankreich, www.tourisme-champagne-ardenne.com

Tipps:

Die Einweisung: erfolgt vor der Abfahrt und ist im Preis enthalten. Eine Gewässerkarte (16 €) ist hilfreich. Von der Bootsausstattung über die Verkehrsschilder der Wasserstraßen bis zu den Notfallnummern für den Service bei technischen Pannen am Boot oder an einer Schleuse kann man im Bordbuch alles auf Deutsch nachschlagen.

Reisegepäck: Handschuhe zum Einholen der Taue, Sonnenbrille (Gegenlicht beim Fahren), Turnschuhe mit Profil, Fön. Den Koffer auspacken und wieder ins Auto stellen (eingezäunter Parkplatz), um auf dem Boot Platz zu gewinnen. Genügend Getränke und Proviant zum Kochen in der Bordküche mitnehmen und Spüli. Geschirr, Bettzeug und Handtücher sind an Bord.

Tarifdschungel: Vor Online- oder Katalog-Buchung, telefonisch beraten lassen, Sonderwünsche erörtern (z.B. Angelgenehmigung, doppelter Steuerstand drinnen und draußen) und sich über die Highlights an der Strecke informieren. Preis und Komfort variieren mit Bootstyp und Größe, Saison und Länge der Tour. Es gibt Frühbucherrabatte, Last-Minute-Angebote und All-Inklusiv-Tarife. Ansonsten muss man sich genau erkundigen, welche Zusatzkosten zur Bootsmiete anfallen, z. B. Kaution, Versicherung, Sprit-, Strom- und Gaskosten, optional die Endreinigung. Liegegebühren in Häfen werden nach der Bootslänge (ca. 1–1,50 € pro m) berechnet, Auffüllen des Wassertanks und Strom kosten extra. Kostenlos darf man überall in der Natur anlegen, außer 200 m vor und nach Schleusen. Pflöcke und Hammer sind in den Booten.

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