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Die Jugendherberge Mövenberg in den Dünen bei List auf Sylt

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Der Spielplatz der DJH Mövenberg auf der Nordseeinsel Sylt. © DJH-Landesverband Nordmark e.V.

List, Sylt, Schleswig-Holstein, Deutschland (MaDeRe). Sommer, Sonne, Sanddünen und Sandstrand sowie Nordsee satt mit Wattenmeer. Kurzum: Natur pur. Das alles und noch viel mehr bietet Sylt (dänisch Sild, friesisch Söl) vor allem in der wärmsten der vier Jahreszeiten. Doch selbst im Sommer kann das Wetter wechselhaft sein, wie in diesen Tagen auf der größten nordfriesische Insel am nördlichen Rand des Nationalparks Wattenmeer. Gut, wenn eine Insel zur Natur noch Kultur bieten kann.

Das Wattenmeer

Sehr gut ist vor allem, dass die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ihre Wattenmeergebiete als Nationalparks und Biosphärenreservate ausgewiesen haben, denn das Wattenmeer, vor allem das „deutsche“ Wattenmeer ist in großen Teilen in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben und schützenswert, weswegen sogar die Vereinten Nationen 2009 das Wattenmeer zwischen dem niederländischen Den Helder und dem dänischen Esbjerg zum Weltnaturerbe der Menschheit erklärten.

Das schleswig-holsteinische Wattenmeer trägt seit 30 Jahren den Titel Nationalpark Wattenmeer, länger als Niedersachsen und Hamburg. Dessen Bewohner dürfen zudem auf weitere Titel wie Weltnaturerbe der UNESCO, Biosphärenreservat der UNESCO, Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet der EU, besonders empfindliches Meeresgebiet der Internationalen Schifffahrtsorganisation (PSSA) und Feuchtgebiet internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention verweisen. Alle Achtung!

List auf Sylt

Vor allem auf ihre Natur sind die Insulaner stolz. Auf Sylt, der mit knapp 100 km ² viertgrößten Insel Deutschlands, sind das über 20 000 Einwohner, im Nordseebad List, ganz im Norden der 38 Kilometer langen Insel, die dank des 11 Kilometer langen Hindenburgdamms, der am am 1. Juni 1927 eröffnet wurde, mit dem Festland verbunden ist, sollen es etwas mehr als 1 500 sein. Im Sommer, wenn die Gäste kommen, vervielfacht sich diese Zahl. Ob auch die Lebensqualität zunimmt? Auf jeden Fall wird mit den Touristen Geld gemacht.

Vor allem am Weststrand verteilen sich Tausende Touristen von Hörnum im Süden über Rantum, Westerland, Wennigstedt, Braderup, Kampen bis List im Norden. List ist nicht nur die nördlichste Gemeinde von Sylt sondern sogar Deutschlands. Sie solle sich „durch ihre entfernte Lage zum damaligen Hauptort Keitum und ihre lange Zugehörigkeit zu Dänemark eine größere Eigenständigkeit“ bewahrt haben. Das mag sein, doch mit den vielen Ferienhäusern, Gaststätten und Hotels, wie das mondän und nordisch nüchtern wirkende 5-Sterne-Hotel und Resort A-Rosa, sowie den Bauten aus Backstein, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden, wirkt List wie ein Sammelsurium aus allerlei Architektenfedern. Zu den „militärischen“ Hinterlassenschaften aus Mauerziegeln kommen kleinere und schmucklose Bettenburgen und Wohnsilos aus Beton, funktionale Flachdach- und schön anzusehende Reetdachhäuser sowie Hallen für Fisch auf den Tisch (die nördlichste Fischbude Deutschlands steht in List) und mit dem Erlebniszentrum Naturgewalten (bei dem Flora und Fauna, Wetter und Watt im Mittelpunkt stehen) ein für List großes Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude. Von einer einheitlichen, Nordsee-, Wattenmeer- oder gar Bäderarchitektur kann keine Rede sein. Leider. Immerhin verfügt List über einen vor der offenen See geschützten Hafen mit regem Fährverkehr zur Nachbarinsel Röm (dänisch Rí¸mí¸) in Dänemark sowie Schiffsfahrten zu den Seehunds- und Austernbänken (das Herz geht einem auf bei einem Törn mit einem restaurierten Segelkutter, von dem aus Schleppnetze ausgeworfen und der Fang vom Kät`n erklärt wird). Vor allem jedoch ist fast die gesamte Gemeinde ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Und das ist gut so.

Die Jugendherberge Mövenberg

Haupteingang der DJH Mövenberg bei List auf Sylt. © DJH-Landesverband Nordmark e.V.
Haupteingang der DJH Mövenberg bei List auf Sylt. © DJH-Landesverband Nordmark e.V.

Mitten drin im Naturschutzgebiet und einer wunderbaren Dünenlandschaft liegt als einheitlicher Gebäudekomplex – ein weiterer aus Ziegel – die Jugendherberge Mövenberg. Der Name ist Programm. Zwar nähern sich keine Wanderdünen, obwohl eine große und zwei kleinen Wanderdünen im Listland immer noch eine Vorstellung von der ursprünglichen Gestalt der Landschaft geben, aber Möwen – vor allem Silbermöwen – fliegen immer mal wieder an den Fenstern vorbei, aus denen die Aussicht prächtig ist: überall Natur. Kaninchen als wühlfreudige Nager hoppeln über das Gelände der Jugendherberge und auch Schafe ziehen um die Häuser. Wer sie nicht sieht, der stößt auf jeden Fall auf ihre Hinterlassenschaften: Köttel, oder – wie Jacob und Wilhelm Grimm formulierten – „harte Kothklümpchen von Thieren“. Von einer Kaninchenplage zu sprechen, bleibt Blabla fürs Boulevard.

Die Jugendherberge bietet modern eingerichtete Ein-, Zwei-, Vier- und Acht-Bettzimmer. Insgesamt stehen Jugendlichen, Familien und vor allem auch Schülerinnen und Schülern für Klassenfahrten 403 Betten in 101 Zimmern zur Verfügung. Mehr noch: Acht Tagesräume, zum Teil mit TV, die auf Wunsch für Unterrichtszwecke mit Flip-Chart, Beamer, Schultafel, OH- und Dia-Projektor ausgestattet werden können, sowie Räume für Billard, Kicker und Tischtennis können jeder Zeit genutzt werden. Draußen bietet ein Spielplatz mit Holzgerüsten Spaß für die Kleinen. Tischtennisplatten aus Beton, ein Basketballkorb sowie Platz für Beachvolleyball und ein kleiner Bolzplatz bieten Sportmöglichkeiten.

Die Mahlzeiten

Das Haus Nils Holgersson ist eines der Gebäude der Jugendherberge Mövenberg bei List auf Sylt. © DJH-Landesverband Nordmark e.V.
Das Haus Nils Holgersson ist eines der Gebäude der Jugendherberge Mövenberg bei List auf Sylt. © DJH-Landesverband Nordmark e.V.

sind so wichtig zu wissen wie die Gezeiten, denn das Essen schmeckt. Zum Frühstück mit Kaffee und Tee, Milch, Kakao, Wasser und Säften, Schrippen und Brötchen, Wurst und Käse, Marmelade und Schokocreme ohne Ende zwischen 7:30 und 9:30 Uhr lohnt sich das Aufstehen, zumal zur Vollverpflegung der Jugendherberge das Lunchpaket zählt, das sich jeder Gast selbst zusammenstellt. Das warme Abendessen wird wie das Frühstück als Buffet geboten und war für meinen Geschmack ausgewogen, abwechslungsreich und lecker.

Sommer, Sonne, Sanddünen und Sandstrand sowie Nordsee satt mit Wattenmeer

Das alles liegt quasi vor der Tür der Jugendherberge (JH) Mövenberg. Die drei Kilometer nordöstlich von List gelegene JH befindet sich nicht nur unmittelbar am Dünensand, sondern auch am Sandstrand, zudem an Wiesen und Watt. Daher gehören Dünen- und Wattwanderungen bei vielen Gästen zum Programm. Fast alle gehen 15, 20 Minuten zum zwei Kilometer entfernt liegenden eigenen Jugendstrand, der von Juni bis September unter Aufsicht der DLRG steht. Barfußwandern, Baden in sanften Wellen und bei Wind in der wilder Brandung der Nordsee sowie Burgen bauen im Sylter Sand sind beliebt bei Jung und Junggebliebenen.

Eine Wanderung rund um den Königshafen, eine natürliche Bucht, die langsam zu versanden scheint, und zum Ellenbogen ist auch ein Erlebnis. Der Königshafen bietet mit einer Seeschlacht im Dreißigjährigen Krieg zudem Geschichte und Geschichten (Seemannsgarn). Die Leuchttürme List West und List Ost geraten ins Auge wie jede Menge Wassersportler. Der Königshafen scheint ein prächtiges Revier für Anfänger unter den Wind- und vor allem Kitesurfer zu sein, denn wenig Welle stört den Wassersportler, der mit dem Wind kämpft. Wer Wind- und Kitesurfen lernen möchte, für den ist der Königshafen ein perfektes Revier und die Jugendherberge Mövenberg ein idealer Ort zum Übernachten. Alle Mitarbeiter wirken freundlich und gut gelaunt. Zudem stimmt das Verhältnis von Preis und Leistung.

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Jugendherberge Mövenberg, 25992 List/Sylt, Telefon: +49 4651 870397, Fax: +49 4651 871039, E-Mail: list@jugendherberge.de, Web: www.jugendherberge.de/jh/list

Öffnungszeiten: Geöffnet ist die Jugendherberge immer außer in der Zeit von Anfang November bis Ende Februar.

Anmerkungen:

Die Recherche wurde unterstützt vom DJH-Landesverband Nordmark e.V., Hamburg. Die Erstveröffentlichung des Beitrags von Ole Bolle erfolgte am 5. August 2015 im WELTEXPRESS.

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