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Raues reizendes Land zwischen zwei Meeren – Die einzigartige Landschaft ist nur ein Anziehungspunkt von Schleswig-Holstein

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Wattwanderer. © Foto: Eva-Maria Becker

Berlin, Deutschland (MaDeRe). In der „dunklen“ Jahreszeit scheinen sich die nördlichen Bundesländer – so wie die Natur – ein bisschen auszuruhen. Sie sind jedenfalls nicht ständig in den Medien präsent, anders als im Sommer. Klar, gibt es immer häufiger auch Urlauber, die es gerade in Herbst und Winter in den Norden, an die stürmischen Küsten zieht. Für so manchen ist es dabei eine Überzeugungsfrage, ob er nun Ostsee oder Nordsee vorzieht. Wer jedoch nach Schleswig-Holstein kommt, kann sich vor Ort entscheiden: Das Land liegt zwischen beiden Meeren, und die schmalste Stelle in Deutschland, zwischen Husum und Eckernförde, ist nur rund 50 Kilometer breit.

Von der Landeshauptstadt Kiel, an einer großen Meeresbucht mit feinsandigen Ostseestränden gelegen, bis zum attraktiven Nordseebad Büsum sind es etwa doppelt so viele Kilometer. Doch das ist in anderthalb Stunden erledigt, und man taucht von einer in eine andere Welt ein. Jede hat ihre Vorzüge, ihre Ereignisse und Touristen, die meist „Wiederholungstäter“ sind.

Bleiben wir zunächst an der Ostküste, die durch Förden und Buchten in die hügeligen Halbinseln Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und Wagrien gegliedert ist: Hier sind Ebbe und Flut kaum wahrnehmbar. Die einzige Insel in der Ostsee und dabei die größte Insel Schleswig-Holsteins ist Fehmarn. Das „Hawaii Deutschlands“ zieht mit rund 2100 Sonnenstunden im Jahr die Urlauber an.

Blick vom Hindenburgufer auf die Kieler Förde. © Foto: Eva-Maria Becker
Blick vom Hindenburgufer auf die Kieler Förde. © Foto: Eva-Maria Becker

An der Ostküste liegt auch Kiel. Die Hansestadt gehört heute mit ihren rund 242 000 Einwohnern zu den 30 größten Städten Deutschlands. Doch schnell findet man sich hier zurecht – das erlebt man oft in Städten, die direkt am Meer liegen. Im Zweiten Weltkrieg war Kiel zu rund 80 Prozent zerstört, die Altstadt lag fast vollständig in Trümmern. Damit hatten sich für einen Wiederaufbau große Chancen ergeben – doch es wurden vor allem große Kauf-, Park- und Bürohausbauten errichtet. Aber seit der Jahrtausendwende ist wieder mehr urbanes Flair in die Stadt eingezogen. So ist der Stadtkern wieder deutlich attraktiver geworden. Heute gilt die Dänische Straße mit gut erhaltenen Gründerzeitbauten als „Gute Stube“ der Altstadt.

Doch Kiel macht weit mehr aus als eine belebte und durchaus beliebte Altstadt. Umgeben vom Wasser der Ostsee an der Kieler Förde, durchzogen vom Nord-Ostsee-Kanal – im Jahre 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet – ist sie ein maritimes Kleinod, das diesem Anspruch auch gerecht wird. Nicht nur, dass hier schon zweimal – 1936 und 1972 – olympische Segelwettbewerbe ausgetragen oder bedeutende Schiffbaubetriebe ansässig wurden: Bereits im Jahre 1882 fand die erste Kieler Woche statt.

Seit 1885 wird sie als eine Art Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet und konnte sich im Laufe der Zeit zu einem weltweit bekannten Segelsportereignis und gleichzeitig zu einem der größten Volksfeste in Deutschland entwickeln. Auch dieses Jahr werden im Juni wieder mehrere Millionen Besucher zum Open-Air-Festival mit mehr als 100 Groß- und Traditionsseglern, historischen Dampfschiffen sowie Hunderten von Segelyachten erwartet. Als maritimer Höhepunkt gilt die Windjammerparade am letzten Samstag der Kieler Woche.

Nicht zu vergessen der Kieler Hafen, einer der bedeutendsten Naturhäfen an der Ostsee: Er ist heute nicht nur Abfahrts- und Anlaufpunkt der großen Passagier- und Frachtfähren nach Skandinavien und ins Baltikum. Hier legen auch regelmäßig riesige Kreuzfahrtschiffe mit jährlich rund 350 000 Kreuzfahrern an, die die Stadt oder das Küstenland erkunden wollen.

Impressionen vom Ostseestrand bei Kiel. © Foto: Eva-Maria Becker
Impressionen vom Ostseestrand bei Kiel. © Foto: Eva-Maria Becker

Nur wenige Minuten vom Stadtkern entfernt liegt das Olympiazentrum Schilksee. Es war der Austragungsort der Segelwettkämpfe während der Olympischen Sommerspiele 1972 und ist heute einer der größten Yachthäfen an der deutschen Ostseeküste und Hafen für die Segelwettbewerbe während der Kieler Woche. Ein interessantes Ausflugsziel vor den Toren Kiels ist zweifellos das in Laboe zu besichtigende U 995, eines von fünf übrig gebliebenen deutschen Unterseebooten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Entspannende Ausflüge zu Fuß oder per Fahrrad lassen sich in viele Richtungen unternehmen. Wer weiterhin die Ostsee bevorzugt, kann per Auto schon in kurzer Zeit reizvolle Orte wie beispielsweise Eckernförde, Grömitz, Timmendorfer Strand und Heiligenhafen erreichen. Beruhigend und gut für die Seele ist aber auch ein Trip über Land. Abwechslungsreich und manchmal fast unberührt erscheinend, zeigt sich die Landschaft mit gesunden Mischwäldern und klaren Seen, kleinen Flussläufen und weiten Wiesen.

Fährt man weit genug nach Westen, hört man bald die rollende Brandung des Meeres und Möwengeschrei, spürt den frischen Wind und die Kraft der Sonne, schnuppert die salzige Luft und ahnt schon die Nordsee, bevor man da ist. Und dann wird es spannend. Ebbe oder Flut? An der Nordsee, einem Teil des Atlantischen Ozeans, wird alle sechs Stunden ein Tidenhub von bis zu drei Metern zwischen Hoch- und Niedrigwasser gemessen. Schließlich landet man am Wattenmeer und damit an einem Naturwunder – dem Weltnaturerbe der UNESCO.

Wattwürmer. © Foto: Eva-Maria Becker
Wattwürmer. © Foto: Eva-Maria Becker

Das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer erstreckt sich von der Elbmündung bis zur dänischen Grenze auf einer Gesamtfläche von 4367 Quadratkilometern. Die Wattflächen mit Rinnen und Prielen, Sandbänken, Dünen und Salzwiesen beherbergen rund 10 000 Pflanzen- und Tierarten, darunter etwa 6000 der bedrohten Schweinswale. Alljährlich besuchen zudem etwa 12 Millionen Zugvögel dieses einzigartige Gebiet. Wer das Watt erkunden will und eine Wattwanderung plant, sollte unbedingt die Tidezeiten kennen oder einen kundigen Führer anheuern, um nicht von der anrollenden Flut überrascht zu werden.

Wir erreichen die Nordseeküste bei Büsum, einem kleinen, fast 900 Jahre alten Hafenort nahe der Eidermündung in der Dithmarschen Marsch, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Was vielleicht nicht allgemein bekannt ist: Ursprünglich war Büsum eine Insel mit mehreren Dörfern. Seit dem 16. Jahrhundert ist das Gebiet durch einen Deichbau mit dem Festland verbunden.

Seit Anfang des 19. Jahrhundert ist Büsum ein Ort, der für Urlauber attraktiv werden sollte. Erste Badekarren hat man 1818 an die Strände gestellt, doch immer wieder gab es durch schwere Sturmfluten, eine mangelnde Infrastruktur und die recht schwierigen Erreichbarkeit des Ortes Rückschläge beim Aufbau des Tourismus. Doch die Büsumer ließen nicht locker: Etwas später ersetzte man die Badekarren durch feste Badehäuschen, eröffnete eine Gaststätte und bezeichnete die Gemeinde bereits 1837 als Nordseebad. Finanztüchtige Leute haben schon 1896 eine Kurtaxe erhoben.

Bis 1902 mussten sich Frauen und Männer getrennt in die Nordsee-Fluten stürzen; danach wurde ein „Familienbad“ mit Umkleidekabinen für Damen eingerichtet. Allerdings mussten Damen und Herren hochgeschlossene, weite Anzüge aus undurchlässigem Stoff tragen. Der Besuch des Bades von Einzelpersonen und das Fotografieren waren verboten. Kamen Ende des 19. Jahrhunderts pro Jahr etwa 300 Gäste nach Büsum, waren es 1911 schon 6000 Urlauber. Heute hat Büsum mit seinen rund 4800 Einwohnern etwa 160 000 Gäste pro Jahr. Sie lieben das Klima, die Natur, die raue See und die bodenständige Bevölkerung. Und natürlich ist heute auch eine Menge los in den Seebädern an Nord- und Ostsee, damit keine Langeweile aufkommt. Hochkarätige Konzerte und Ausstellungen, Sport und Spiel sorgen für Abwechslung.

Reit- und Springturnier im Watt vor Büsum. © Foto: Eva-Maria Becker
Reit- und Springturnier im Watt vor Büsum. © Foto: Eva-Maria Becker

Dabei bietet Büsum etwas Besonders, Einmaliges: Im Watt, vor dem Büsumer Hauptstrand, treffen sich einmal im Jahr die Springreiter zu ihrem traditionellen Turnier – das Watt wird zum großen Reitplatz. Schon seit 1926 werden diese Turniere mit Dressur- und Springprüfungen ausgetragen. Im vergangenen August sind 50 Reiterinnen und Reiter angetreten und haben das Feld erst mit der aufkommenden Flut wieder verlassen. Ein Mords-Gaudi, aber nicht ganz ungefährlich für Ross und Reiter.

Wer an Büsum denkt, denkt aber vielleicht auch an Krabben. Die werden hier seit Jahrhunderten mit Schiebenetzen im Priel gefangen und frisch vor Ort in den Gaststätten angeboten. Aber auch andere nordische Spezialitäten werden in guter Qualität angeboten. Restaurants und Cafés gibt es eine Menge, für jeden Geschmack und fast jeden Geldbeutel. Meist bleiben die Touristen hier für zwei oder drei Wochen. Manche kommen nur mal von den Inseln herüber, andere wollen von Büsum aus auf Helgoland-Fahrt gehen.

Manche aber sind einfach nur mal neugierig auf die Nordsee und fahren am Abend zur Ostsee zurück. Vielleicht nach Kiel, dem Ausgangspunkt des Kurztrips durch Schleswig-Holstein. Dort kann man den Tag am Hindenburgufer herrlich ausklingen lassen, mit einem Gläschen in der Hand und dem Blick aufs Meer, auf die kleinen Segler und die Ozeanriesen. Und man hat nur wenige Schritte bis zur Unterkunft, wenn man eines der Hotels am Kai gewählt hat – so beispielsweise das InterCity Hotel Kiel.
Das ist ein Haus der Steigenberger-Gruppe, das erst kürzlich umfassend renoviert wurde. In den neu gestalteten Eingangsbereich ist die KaiCityBar integriert. Im Zimmerpreis enthaltenen ist ein FreeCityTicket, mit dem der öffentliche Nahverkehr gratis genutzt werden kann. Ebenso kostenfrei während des gesamten Aufenthaltes im InterCityHotel ist der Eintritt in den benachbarten Fitness & Wellness Club „Meridian Spa“. Das Hotel liegt ganz zentral, direkt am Hauptbahnhof und am Hafen (für Kreuzfahrer sind es nur wenige Schritte zu ihren Schiffen), bietet trotzdem erstaunliche Ruhe und Entspannung und – nicht unwichtig – es ist bezahlbar. Empfehlenswert sind die Zimmer zur Förde – so kann man jederzeit das Leben auf dem Wasser beobachten. Die Sauberkeit des Hauses ist so vorbildlich wie der freundliche und kompetente Service.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Eva-Maria Becker ist eine Erstveröffentlichung.

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