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Ein drittklassiges Bilderbuch mit erst- und zweitklassigen Schiffen – Annotation zum Buch „125 Jahre Kreuzfahrt“

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"125 Jahre Kreuzfahrt" von Yvonne Schmidt und Oliver Schmidt. © 2017, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (MaDeRe). Kürzlich erhielt ich ein „unverkäufliches Leseexemplar“ von Koehlers Verlagsgesellschaft. Die Bücher der Verlagsgesellschaft erscheinen, worauf diese hinweist, in der Maximilian Verlag GmbH & Co. KG. Die Autoren des gebundene Buches im eher ungewöhnlichn 26×27-cm-Format sind Yvonne und Schmidt und Oliver Schmidt.

Die laut Verlag „studierte Historikerin und Journalistin“ und der „Kreuzfahrt-Journalist“ beginnen im Vorwort (S. 7) mit Albert Ballin, einem gebürtigen Hamburger, der es zu Wohlstand brachte, weil er mit Zwischendeckspassagiere Profite machte. Dem Bourgeois hätte nach eigenen Worten der Bankrott gedroht. Aus der Not eine Tugend machen fing er laut Wikipedia im Winter 1891 an, „zur verbesserten Auslastung der Schiffe Kreuzfahrten zu veranstalten, zunächst in den Mittelmeerraum, später auch zu anderen Zielen.“ Dass Ballin als Begründer der modernen Kreuzfahrt gilt, das wundert bei diesem Wissen wenig. Im Vorwort wird ein aus heutiger Sicht scheinbar erstaunlicher Umstand erwähnt, dass nämlich „die Sendung ‚Das Traumschiff‘ der Kreuzfahrt nur zur Bekanntheit, aber nicht zum Boom verhelfen“ konnte. Heute scheinen die Kreuzfahrtschiffe im Monatstakt vom Stapel zu laufen. Die meisten Werften als Wiege der Kreuzfahrtschiffe melden volle Auftragsbücher und die Branchenführer Wachstum scheinbar ohne Ende.

Yvonne und Oliver Schmidt wollen mit dem Buch „125 Jahre Kreuzfahrt“ „die Innovationen und Ideen von Ballin bis in die Zukunft, kreative Köpfe und die dazugehörigen Schiffe“ zeigen. Sie benötigen 20 Kapitel und 200 Seiten und strapazieren den Betrachter.

Das angebotene Bildmaterial ist ausnahmsweise nicht gut und in der Regel schlecht. Möchte-gern-Fotografen gibt es genug und Freizeitknipser, die sich Mühe geben, reichen mir nicht. Das ist nicht nicht professionell, das ist Stückwerk, Laientheater. Wann, wo und vor allem von wem die Bilder aufgenommen wurden, das erfährt der Leser leider nicht. Das alles ist unprofessionell und verdirbt mir nach dem ersten Blättern und genauerem Betrachten mehrerer Bilder die Lust aufs Lesen. Dieses drittklassige Bilderbuch mit erst- und zweitklassigen Schiffen hätte der Verlag besser nicht vom Stapel gelassen.

* * *

Yvonne Schmidt, Oliver Schmidt, 125 Jahre Kreuzfahrt, über 200 Seiten, zahlreiche S/W- und Farbabbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, Format: 26 x 24 cm, Verlag: Koehler, ISBN: 978-3-7822-1265-6, Preise: 24,95 EUR (D), 25,60 EUR (A) und 34,90 SFr

1 Kommentar

  1. Der Leser dieser Rezension stellt erstaunt fest, dass der Rezensent seinen Namen verschweigt und sich zur Darstellung des Buches ebenfalls eines selbst geschossenen, drittklassigen Fotos bedient… Während er im Bildnachweis des Buches durchaus genau sehen kann, wer hier fotografiert hat.
    Ich will keineswegs sagen, dass die Kollegen mit dem Buch ein Glanzwerk vorgelegt haben, es ist ein bisschen eigenwillig und sehr auf die von den Autoren festgelegten „Meilensteine“ fokussiert.
    Aber – pardon – wenn hier einer unprofessionell ist, dann ist es der Rezensent. Natürlich boomt heute die Kreuzfahrt, aber der Rezensent hat die Aussage des Buches nicht begriffen, die sagt: Dafür ist NICHT die „Traumschiff“-Serie verantwortlich. Was diesen – nochmals pardon – dilettantischen Buchbesprecher berechtigt, auch gleich noch gegen Albert Ballin zu Felde zu ziehen, erkennt der Leser nicht. Wohl aber erkennt er den notorischen Nörgler, der kritisiert, um zu kritisieren. Eines steht jedenfalls fest: Besser schreiben oder fotografieren als die Buchautoren kann er nicht. Und irgendwem geholfen hat er mit seinem Geschreibsel auch nicht. Für mich ist das Buch eine Bereicherung, weil es anders ist als die Standardwerke à la „Großes Buch der Kreuzfahrt“ oder wie sowas heißen mag. Das einzige Buch, das man zu diesem Thema gelesen hat, sollte es allerdings nicht sein. Dafür hat es manchmal zu viel „Mut zur Lücke“. Aber dieses Phänomen kennt der Rezensent ja auch – in potenzierter Form…

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