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Ganz schön grün – Das Eplorer-Hotel in Nesselwang

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Ganz schön grün und mit hellem Holz versehen, aber auch aus Beton gebaut: das Explorer-Hotel in Nesselwang. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016

Nesselwang, Bayern, Deutschland (MaDeRe). In der deutschen Sprache sei der Begriff grün laut Wikipedia mit dem althochdeutschen gruoen verbunden, was so viel wie „wachsen“, „sprießen“ oder „gedeihen“ bedeute. Das trifft mehr oder minder auf das Explorer-Hotel Neuschwanstein zu, das sich nach außen grün gibt.

Hotel? Ja. Neuschwanstein? Nein!

Doch wie deren Hotel nah an der Natur gebaut ist, liegt deren grüne Farbe, die sich durch das Hotel wie ein roter Faden zieht, erstaunlich nah am Giftgrün. Auf jeden Fall nicht so weit weg, wie das Hotel, das den Zusatz Neuschwanstein trägt, von Neuschwanstein entfernt liegt.

Vom Hotel bis zum Schloss sind es über die Bundesstraßen 309 und 310 über 22 Kilometer, wofür man laut Google 29 Minute benötige, und über die Autobahn 7 über 27 Kilometer, wobei dieser Weg laut Google zwei Minuten schneller sei. In Hohenschwangau muss man gebührenpflichtig parken und von einem der vier Parkplätze hoch zum Schloss sind es je nach Schrittgeschwindigkeit gut und gerne 45 Minuten. Der Untertitel des Hotels ist also Lug und Trug oder „Veräppelt“, wie ein Gast des Hotels mir gegenüber meinte.

„Mitten in den Alpen“?

„Volle Veräppelung“ ist auch die Werbung auf deren Website, die davon spricht, dass das Hotel „mitten in den Alpen“ liegen würde. Nein, das stimmt auch nicht. Das Hotel im Schuhkarton-Format und auch aus Beton, das wir fortan Explorer-Hotel Nesselwang nennen, liegt noch nicht einmal mitten in Nesselwang, sondern außerhalb des touristischen Ortes im Süden. Direkt umgeben ist das Hotel überwiegend von landwirtschaftlichen Flächen, vor allem von Grasland. Was dort noch wächst, sprießt und gedeiht, das wird regelmäßig gemäht. Asphaltierten Parkplätzen und ein seit einigen Jahren leerstehendem Haus, in dem einst der Alpengasthof Sonnenbichl mehr als Bett und Breakfast bot, gehören ebenfalls zur näheren Umgebung wie die Talstation der Alpspitzbahn und ein gut ausgestatteter Stellplatz für Reisemobile. In den alten Gasthof könnte bald wieder Gastronomie einkehren.

Am Fuß des Alpspitz – Auf Schusters Rappen und auf Rädern

Das Hotel liegt am Fuß des Alpspitz und in Rufweite zur Talstation der Alpspitzbahn Nesselwang, die auf 911 Meter über Normalhöhennull (NHN) steht. Von dort aus dürfen Gäste bis hoch zur Bergstation auf 1500 Meter NHN fahren. Zum Gipfelkreuz auf 1575 m NHN geht es zu Fuß weiter. Der Alpspitz selbst befindet sich im bayerischen Bereich beziehungsweise am nordöstlichen Rand des Allgäus, also unmittelbar am Alpenrand (und nicht mittendrin, siehe oben).

Im Sommer werden Mountainbikes kostenlos mit auf den Berg genommen, doch runter fahren dürfen die Mountainbiker nur auf den ausgeschilderten Wegen, die auch Wagen und Wanderer benutzen. Mountainbike-Routen gibt es, aber keine Touren auf Trails – also keine wirklichen Singletrails -, und auch keine speziellen Strecken für echte Abfahrer, die mit Spezialrädern in hohen Geschwindigkeiten durchs grobe Gelände downhill den Berg runterdüsen. Der Alpspitz ist und bleibt ein wunderbarer Berg „für die ganze Familie“, wie man in der Gemeinde Nesselwang betont. Kurzum: Im Sommer ist der Alpsitz ideal zum Wandern und Radeln. Karten für Wanderer und Radler gibt es an der Rezeption wie auch „ermäßigte Tickets für die Alpspitzbahn“.

Das Radler-Gestell

Nicht nur die Werkbank für Radler ist echt ungewöhnlich in einer Lobby eines Hotels. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016
Nicht nur die Werkbank für Radler ist echt ungewöhnlich in einer Lobby eines Hotels. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016

Wer nach Wanderungen über Stock und Stein mit schmutzigem Schuhwerk vor dem Hotel steht, dem raten zu einem Gang zum Waschplatz, der in erster Linie für allerlei Räder genutzt wird.

In der Tiefgarage des Hotels finden Radler und Skifahrer einen Raum zum Abstellen. Wer anderen zeigen möchte, was er abstellt, der kann „exklusive Sport-Locker in der Explorer-Lounge … für fünf Euro pro Nacht hinzubuchen. Die teilverglasten Schauschließfächer sind belüftet und beheizt. Und wenn etwas am Rad repariert werden muss, dann ist das auch an einer quadratisch-praktischen Werkbank vor dem Radler-Gestell in der Lobby möglich.

Wer seine sportliche Kleidung waschen will, der kann eine Waschmaschine samt Trockner in der Tiefgarage für wenig Geld nutzen.

Das Sport-Spa

ist im Winter täglich von 15 bis 22 Uhr und im Sommer täglich von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Ein paar gute Fitness- und Cardiogeräte stehen zur Auswahl. Wer draußen noch nicht genug gelaufen ist, der nutze drinnen das „Jogi-now“-Laufband, und wer draußen noch nicht genug geradelt ist, der gebe dem „Bike Excite“ die Ehre.

Zudem kann sich der Hotel-Gast in einer Infrarotkabine bestrahlen lassen, in einer finnischen Sauna schwitzen und in einem Dampfbad dampfen, was gut für die Haut sein soll.

Auch Massagen, beispielsweise mit Honig, sind möglich.

Bed, Bad und Breakfast

Zumindest am Abend vor und am Morgen nach der einen Nacht, die ich im Explorer-Hotel in Nesselwang verbrachte, stimmt die Stimmung, von der es heißt, sie sei „locker“. Das war schon recht lässig. Das Design ist wirklich modern. Die Zimmer, mit 21 m² nicht gerade groß, liegen im Trend, wirken aufgeräumt und strukturiert, sind ausgestattet mit einigen Ablageflächen, Haken, Regalen und Schränken sowie mit einem Doppelbett. Die Fenster wirken groß und bieten eine kleine Sitzbank mit Kissen zum Lümmeln. Die Fenster sind übrigens wichtiger Teil des Passivhaus-Prinzips des Hotels und daher dreifachverglast.

Von manchen Zimmern gelangt man zu einem schmalen Balkon, um die Aussicht etwas frischer genießen zu können.
Zu jedem Zimmer gehörte ein Flachbildschirmen fürs TV, kostenloses Wlan und ein Safe.
Das kleine, fensterlose Bad ist gefliest, mit moderner Dusche sowie Waschbecken und WC. Das was manche als Duschbad, Haarwaschmittel und Seife kennen, steckt als „3 in 1“ in einem Spender am Waschbecken. Sogar ein Fön ist vorhanden. Auf Zahnputzbecher wird hingegen verzichtet. Dafür gibt es ein sauberes Glas auf Wunsch an der Rezeption.

Während des Frühstücks sollen drei grüne Polohemden tragenden augenscheinlich jungen und freundlichen Dienstkräfte irgendwo im Erdgeschoß zwischen Rezeption und Restauration im Einsatz gewesen sein. Sicher ist, dass immerhin eine Dienstkraft durch die Frühstücksgegend schwirrte und beim Abräumen der Tische zur Hauptzeit der Frühstückszeit zwischen 7 und 10.30 Uhr nicht wirklich nachkam. Dienst am Gast beim Frühstück, das war gestern. Das wäre wohl auch personalintensiv. Zudem muss Lohn für Arbeit gezahlt werden. Also wird das Weniger an Dienstleistung zu einem Mehr an Selbstfindung umgedeutet. Das klingt dann so: „Ob Rührei, Spiegelei, Omelette, Frühstücksbacon oder gekochtes Ei … an der Eierbratstation heißt es ‚do it yourself‘!“ Das gilt auch für die Kaffeekochstation. Das gilt für das ganze Buffet, das „aus 70“ angeblich „frischen, hochwertigen und überwiegend regionalen Komponenten“ bestehe.

Toll ist, dass man sein Frühstück auch auf der angrenzenden und geräumig am Hotel entlang gestreckten Terrasse genießen darf.

MICE und mehr

Rauf und runter geht es mit dem Fahrstuhl von der Tiefgarage mit "Bike- und Skiraum" bis zum Meeting unterm Dach. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016
Rauf und runter geht es mit dem Fahrstuhl von der Tiefgarage mit „Bike- und Skiraum“ bis zum Meeting unterm Dach. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016

Das Hotel verfügt zudem über einen in hellem Holz gehaltenen und bestens mit Sonnen- und Solarstromlicht beleuchteten Veranstaltungsraum unter dem Hotel-Dach, der für Sitzungen und Tagungen geeignet ist und wunschgemäß bestuhlt werden könne. Das ganze wird als „Green-Meeting“ verkauft, weil das Explorer-Hotel in Nesselwang nach Eigenangaben „das erste zertifizierte Passivhaus-Hotel Europas und zu 100 Prozent klimaneutral“ ist. „Das Explorer-Hotel“ spare „70 Prozent Energiekosten im Vergleich mit Hotels gleicher Größe“. Das ist wirklich gut so. Auf dem Weg vom Berg runter hin zum Hotel ist uns bereits die hoteleigene Photovoltaikanlage aufgefallen. Damit bekommt das grüne Hotel, das nicht nur als „Sport- und Pisten-Hotel“ sondern auch als „innovatives Design-Budgethotel“ gilt, sogar eine CO2-Gutschrift. „Dank der sehr guten thermischen Gebäudehülle wird durch die inneren Gewinne, wie Gäste und Haushaltsgeräte sowie die solaren Gewinne, geheizt. Damit ist“, heißt es in einer Pressemitteilung der Explorer Hotels Entwicklungs GmbH, „ein konventionelles Heizsystem nicht mehr zwingend notwendig“, sodass auch das Explorer-Hotel in Nesselwang „eine vorbildliche Energieeffizienz“ schafft. „Für die beiden Initiatoren und Geschäftsführer Katja Leveringhaus und Jürnjakob Reisigl ist die Nachhaltigkeit kein Marketing Gag sondern Herzensangelegenheit und Voraussetzung für langfristigen Erfolg.“

Kurzum: Das Hotel eignet sich auch für gewisse Stunden im Reich der Meetings, Incentives, Conventions oder Events und zwar mit gutem Gewissen in grün.

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Explorer-Hotel Neuschwanstein, An der Riese 45, 87484 Nesselwang
Telefon: 0049 (0)8361 9989000, Fax: 0049 (0) 8361 998900310, E-Mail: neuschwanstein@explorer-hotels.com

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