Start Europa Seltene Pflanzen und Moschusochsen – Alternative Reiserouten durch Norwegen

Seltene Pflanzen und Moschusochsen – Alternative Reiserouten durch Norwegen

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Moderne Brücken verbinden die Lofoteninseln. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

Narvik, Norwegen (MaDeRe). Der Fisch schmeckt köstlich. Das Fleisch hat noch Biss und ist doch wunderbar zart. Vor ein paar Tagen war diese Delikatesse ein bretthartes Stück Lebensmittel, sehr geruchsintensiv. Stockfisch oder je nach seiner Trocknungsart Klippfisch ist weltweit gefragt und wird dementsprechend teuer bezahlt. Im Restaurant Gammelbua in Reine weiß man um fachgerechte Zubereitung des Dorsches, der tagelang gewässert werden muss, bevor er wieder genießbar wird. Unterwegs in Norwegen im März zwischen den Lofot-Inseln trifft man auf eine Flotte von Fischerbooten. Im Gegensatz zu früher erleichtern sie mit guter technischer Ausstattung die auch heute noch harte Arbeit der Fischer.

Stockfisch im Restaurant Gammelbua. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger
Stockfisch im Restaurant Gammelbua. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

Ausgenommen und an den Schwänzen paarweise zusammengebunden hängt man den Fang an Holzgestelle zum trocknen, seltener breitet man sie auf den Klippen aus. Zurück im gleichen Ort im Juni wird der inzwischen von der Luft stocksteif getrocknete Fisch in Container verstaut und an Kunden in Japan, England usw. versandt. Die uns heute romantisch anmutenden bunten Holzhäuschen entlang der Schären boten einst karge Unterkunft für die schwer arbeitende Bevölkerung. Im Urlaub genießt man als Gast das historische Ambiente mit allen modernen Annehmlichkeiten. Nach dem regnerischen Vortrag herrscht heute Traumwetter. Noch hat sich der Schnee auf den Höhen im Juni nicht ganz zurückgezogen. Das Meer glänzt in der Sonne, dazwischen die bunten Farbflecken der Häuser. Ein Bilderbuchtag auf den Lofoten.

Narvik und Mo I Rana – der betriebsame Norden

Schafe sind auf Wanderungen ständige Begleiter. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger
Schafe sind auf Wanderungen ständige Begleiter. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

Betroffen steht man vor den unzähligen Steinplatten auf dem städtischen Friedhof in Narvik. Deutsche Namen, junge Männer auch Frauen, von denen die wenigsten über 30 Jahre alt wurden. Der Hafen von Narvik war im zweiten Weltkrieg eine wichtige Verschiffungsstelle für Erz aus Schweden. Die Alliierten und auch Deutschland wollten Kontrolle über diesen strategisch wichtigen Punkt. Im „Krigsminnemuseum“ kann man den Gang der Geschichte verfolgen. Heute scheinen die Wunden verheilt zu sein, auch wenn ein demonstrativ ausgestellter Panzer an die Vergangenheit erinnern soll. Im Meer versunkene Wracks von Flugzeugen und Schiffen gelten als gefragtes Tauchrevier. Die von hohen Bergen umgebene Stadt am Ofotfjord verfügt auch heutzutage über enorme moderne Eisenerzverladeeinrichtungen.

Ebenso geprägt von der Schwerindustrie ist das am Rana-Fjord gelegene Mo I Rana. Seit über 100 Jahren finden die Menschen dort Arbeit in den Stahl-, Hütten- und Walzwerken. Sehenswert ist das traditionsreiche Meyergarden Hotel. Ein Nachfahre deutscher Immigranten handelte mit landwirtschaftlichen Produkten und betrieb nebenher ein „Inn“. Was man heute in Augenschein nehmen kann ist die Erfolgsgeschichte einer Hotelierfamilie. Eine hoch qualitative Ausstattung mit Antiquitäten bietet dem Gast eine nicht alltägliche Unterbringung. Ausflugsziel in der näheren Umgebung ist der Svartisen-Gletscher. Vom Berg Mofjell hat man einen guten Ausblick über die Stadt.

Dovre Fjell – Wer die Einsamkeit liebt

Stilleben auf dem Dovrefjell. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger
Stilleben auf dem Dovrefjell. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

Der bei Wanderern und Naturfreunden äußerst beliebte Nationalpark  ist so weiläufig, dass man kaum auf andere Besucher trifft. Fast hegt man die Hoffnung Moschusochsen oder wilde Rentiere zu erspähen. Doch die Tiere sind sehr scheu und meiden den Menschen. Von der Kongsvold Fjellstue aus werden morgens kurze Exkursionen veranstaltet, um Gästen die Herde Moschusochsen auf der Hochebene zu zeigen. Begeistert erzählt Knut, Hausherr der Fjellstue, von einem 90-jährigen Botaniker, der nach zahlreichen Besuchen dieser Gegend endlich eine lang gesuchte seltene Blume entdeckte. Ein Eldorado für Naturfreunde ist die Fjell-Landschaft wo sich die kleine Siedlung in 900 Meter Höhe zwischen Dombos und Oppdalen befindet. Ausgestattet mit typisch norwegischen Bauernmöbeln, die oftmals mit ihren Schnitzereien oder Bemalungen reine Kunstwerke sind, erwartet den Gast in den Gebäuden eine heimelige Atmosphäre und eine ausgezeichnete Küche. Vom ehemaligen Hof führen zahlreiche Wanderwege in die Berge, wo man meist nur auf ein paar neugierige Schafe trifft.

Einen Umweg wert – Den gyldne omvei

Atnasee am Nationalpark Rondane. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger
Atnasee am Nationalpark Rondane. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

„Hier oben vom Berg konnte man das Kommen und Gehen auf der damals noch ungeteerten Straße gut beobachten.“ Liv Elin Olsen von Gulburet ist ganz in ihrem Element, wenn sie von früher erzählt; Geschichten die sie von den Großeltern übernommen hat. Der Gutshof betreibt aktive Landwirtschaft. Nebenbei bäckt sie Brot, kocht schmackhafte Marmelade, bereitet Essig und Öle zu und noch Vieles mehr. Sie bewirtet Gäste im Garten und in einem zur Gaststube ausgebauten Nebengebäude. Ihr Anliegen ist es vor allem jungen Besuchern die Vergangenheit lebendig darzustellen. „Weiß war die Farbe für Reichtum. Doch nicht jeder konnte sich dies leisten. So wurden manchmal nur die von der Straße sichtbaren Wände des roten Holzhauses weiß gestrichen, um den Eindruck eines gewissen Wohlstandes zu erwecken. Die rote Farbe vermischte man mit Blut um sie zu intensivieren“. Bei den lebendigen Schilderungen kommt beim Rundgang keine Langeweile auf. In einem der Gebäude werden selbst gestrickte Pullover und andere Handarbeiten verkauft.

Der goldene Umweg auf der im Trondheim Fjord liegenden Insel  Inderøy lohnt sich. Hier erwartet eine völlig andere Fjordlandschaft den Besucher. Liebliches hügeliges Gelände mit bestellten Feldern und kleinen Wäldchen stehen im krassen Gegensatz zu den weiter südlich so schroffen weit ins Meer hinab reichenden Fjorden. Ungefähr 80 Kilometer nördlich von Trondheim entlang der E6 haben sich die Kommunen Levanger, Verdal, Inderøy, Steinker und Snåsa zum historischen „Innherred“ zusammengetan. Mit unglaublich viel Eigeninitiative bringen sich die Bewohner in das Vorhaben ein Norwegens Geschichte lebendig zu gestalten. Bevorzugt durch das ausgleichende Klima des Meeres wurde und wird  gewinnbringend Landwirtschaft betrieben. Von einem gewissen Wohlstand bereits im 12. Jahrhundert zeugt auch die Vielzahl der Kirchen aus dem Mittelalter. Viele Kunsthandwerker haben sich in dieser idyllischen Landschaft angesiedelt. Nils Aas einer der bedeutendsten norwegischen Bildhauer der Moderne geboren auf Inderøy, wo er auch 2004 die letzte Ruhe fand, stellt in seiner Kunstwerkstatt in Straumen einen Teil seiner Werke aus.

Sieben Seen und noch viel mehr

Abendliche Idylle bei Lillehammer. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger
Abendliche Idylle bei Lillehammer. © 2014, BU/Foto: Rainer Hamberger

Der Weg führt durchs Hochmoor. Manchmal muss man auf Bretter ausweichen, um nicht einzusinken. Verlandende Seen prägen die Landschaft. Dann geht es bergauf. Uralte von Wind und Wetter verkrüppelte Bäume säumen den Weg. Es ist kein zertifizierter Wanderweg, dafür ist er naturbelassen und nicht allzu anstrengend. Von der Anhöhe genießt man eine herrliche Aussicht auf den See und das Fjell-Gebiet rund um den vor allem für Wintersport bekannten Ort  Sjusjøen, unweit der Olympiastadt Lillehammer. Langlaufloipen und Wanderwege führen von einer Anhöhe zur nächsten. Die Gegend ist  auch Teilstück des bekannten „Birkebeinerrenet“ das über 54 Kilometer von Rena nach Lillehammer führt. Der Überlieferung nach haben im Jahr 1204 die Birkebeiner den Königssohn Håkon Håkonsson auf dieser Strecke in Sicherheit gebracht.

Egal zu welcher Jahreszeit: Das Rustad Hotell & Fjellstue in Sjusjøen liegt direkt an einem großen See und ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen oder Touren auf Langlauf-Skiern. Das gemütliche Berghotel  ist bekannt für seine vorzügliche Küche. Oft sitzt man noch nach dem Essen mit den Gästen zusammen und tauscht bei Kaffee und Kuchen Tourenvorschläge aus. Vielleicht hört man auch den klagenden Ruf des Eistauchers, der in der Dämmerung seine Runden auf dem See zieht.

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