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Über die Rocky Mountains zum Pazifik – Eine Traumreise durch den Nordwesten der USA

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Weizenfelder in Montana. © Foto: Rainer Hamberger

Spokane, USA (MaDeRe). Monika und Rainer Hamberger unternahmen eine weitere Fernreise. Dieses Mal fuhren beide Autoren durch die US-Staaten Montana, Idaho und Washington, kurz: über die Rocky Mountains zum Pazifik.

Am Fuß der Blauen Berge in Montana

Bergziegen in den Rocky Mountains. © Foto: Rainer Hamberger
Bergziegen in den Rocky Mountains. © Foto: Rainer Hamberger

Es ist heiß und windig. Ein buntes Schild am Straßenrand bringt uns neugierig zum Halten. „Lewis and Clark Trail“ ist darauf zu lesen. Mit dieser Bezeichnung wird an die Erschließung des amerikanischen Westens erinnert. Präsident Thomas Jefferson beauftragte nämlich die beiden Herren Lewis und Clark die Regionen jenseits des Mississippi zu erkunden. So sind sie unter abenteuerlichen Bedingungen mit den Reisemitteln der damaligen Zeit im August 1904 aufgebrochen, um nach allerlei tödlichen Risiken und Anfechtungen im November 1905 den Pazifik zu erreichen. Dabei haben sie in ihrem Tagebuch besonders die Weiten Montanas erwähnt, in denen damals auch in den Ebenen noch der furchterregende Grizzlybär beheimatet war. Das ist Vergangenheit. Mit  einem Hubschrauber überfliegen wir den Hauptkamm der Rocky Mountains. Vor allem aus der Vogelperspektive erkennt man an den Verwerfungen des Gesteins, welch gewaltigen Bildekräfte hier am Werk waren. Dazwischen liegen von Gletscherwasser gespeiste Seen wie silberne Platten in den Tälern. Nur der Logan Pass überquert in knapp über 2000 m Höhe diese kontinentale Wasserscheide, sonst gibt es nur kleine Stichstraßen zu abgelegenen Seen. Auf dem Fluss erkennen wir tief unter uns bunte Punkte. Hier ziehen die Schlauchboote der Glacier Raft Company durch die gischtenden Wellen. Nahezu in jedem Staat des amerikanischen Westens erfreuen sich solche Wildwasserfahrten wachsender Popularität. Rauschende Wildbäche und Flüsse bieten hinreichend Gelegenheit.

Vor der Ostflanke des Felsengebirges erstrecken sich unmittelbar die weiten Prärien. Sie sind seit etwa 100 Jahren von schier endlosen Getreidefeldern bedeckt. Wir fahren am Hauptkamm der Berge entlang nach Süden, rechts schweift der Blick zu den Gipfeln, während auf der Ostseite Mähdrescher ihre Bahn über die goldgelben Felder ziehen. Wieder locken uns die Berge. Bei Augusta in Montana verlassen wir in Richtung Westen die Hauptstraße und werden bald auf einer Ranch willkommen geheißen. Hier veranstaltet man mit Gästen aus aller Welt geführte Reittouren auf die umliegenden Gipfel und zu versteckten Wasserfällen. Zunächst beziehen wir unser gemütliches Blockhaus am Flussufer und besuchen anschießend den Pferdestall. Im Haupthaus ist bereits der Mittagstisch gerichtet. Es wird kräftige Hausmannskost serviert. Zum Auftakt wird ein „Wash“ kredenzt, ein alter Brauch in Montana: Whisky mit klarem Quellwasser. In kleinen Schüsseln liegt frisch gebutterter Toast und süßsauer eingelegte Gurken, während aus der großen Kasserole in der Mitte des Tisches Fleischstückchen in würziger Soße einen appetitlichen Duft verbreiten.  Gut gestärkt unternehmen wir anschließend einen Nachmittagsritt bis hinauf an die Baumgrenze, von wo aus unser Blick Hunderte von Kilometern über Gipfel und Prärien Montanas schweift.

Blockhausatmosphäre in Idaho

Schwarzbärin mit Jungem auf Futtersuche. © Foto: Rainer Hamberger
Schwarzbärin mit Jungem auf Futtersuche. © Foto: Rainer Hamberger

Eine Glocke läutet und man trifft sich auf der hölzernen Veranda einer Ranch, um in zwangloser Atmosphäre das Abendprogramm des Tages zu besprechen. Morgen unternehmen wir dann eine kleine Exkursion durch die umliegenden Wälder, um endemische Pflanzen kennenzulernen und etwas über ihre Heilwirkung zu erfahren. So stehen alle Angebote auf dieser Guest Ranch im nördlichen Idaho in authentischem Zusammenhang mit der Geschichte und dem Erlebniswert der Region. Besonders im Speisesaal wird dies deutlich, wenn eine fein aufeinander abgestimmte Folge lokal inspirierter Köstlichkeiten aufgetischt wird, in uriger Blockhausatmosphäre, umgeben von Bärenfellen und Hirschgeweihen. Die Köchin lehrt uns anschließend in einer lustigen Übungsstunde die wichtigsten Schrittfolgen beim Square Dance. Dies hilft die Delikatessen zu verdauen.

Unser nächstes Ziel auf dem Weg nach Westen ist die Region um Sandpoint. „Habt ihr den Adler gesehen?“ Linda deutet zur Insel, wo sich auf der Spitze eines abgestorbenen Baumes der große Vogel niedergelassen hat. „Adlerpaare bleiben ein Leben lang zusammen“, fährt sie in ihren Erklärungen fort. Wir sind auf Idahos größtem See, dem Lake Pend Oreille unterwegs. Die „Shawnodese“ ist im klassischen Stil eines alten Flussbootes gebaut und kann 30 Passagiere befördern. Die wichtigsten Personen sind jedoch Ron, der Kapitän, der das Boot sicher über den See steuert, und Linda, die nicht nur ein wandelndes Lexikon ist, sehr bewandert in Geschichte und Biologie, sondern sich auch um das leibliche Wohl der Gäste kümmert. Interessant ist jede Fahrt. Einmal geht es um geschichtliche Fakten rund um den See, ein andermal steht Tierbeobachtung im Vordergrund, und bei einer Sonnenuntergangsfahrt wird man mit allerlei Nachtischen verwöhnt. Am besten man lässt das Abendessen davor ausfallen.

Bei Sandpoint in Idaho. © Foto: Rainer Hamberger
Bei Sandpoint in Idaho. © Foto: Rainer Hamberger

Natürlich bietet der See vor allem im Sommer viele Wassersport-möglichkeiten. Ein neuer, sehr umweltfreundlicher Trend breitet sich gerade aus: Auf einem Surfbrett stehend sich mit einem langen Paddel durchs Wasser bewegen. Abgeschaut hat man sich das wohl bei den Bewohnern Hawaiis.Lebhaft geht es zu in Sandpoint. Boutiquen verkaufen Kunsthandwerk, Marken-Sportartikel, aber auch elegante Bekleidung. Downtown ist überschaubar und zu Fuß lassen sich alle Sehenswürdigkeiten erreichen. Am Ende landet man in einem der gemütlichen Lokale, zum Beispiel bei Mick Duff. Er und sein Bruder betreiben eine „Micro-Brewery“ mitten in der Stadt. Die jugendlichen Besitzer stecken voll neuer Ideen. So ist es nicht verwunderlich, dass man ohne Vorbestellung schwerlich einen freien Platz findet. Vom Stadtpark erklingt Gitarrenmusik. Einmal in der Woche ist Markt. Farmfrische Lebensmittel und Selbst-Gestricktes werden feilgeboten, dazu musikalische Unterhaltung. Irgendwie fühlt man sich hier gleich zuhause.

Der Staat Idaho erstreckt sich von der kanadischen Grenze mit fjordartigen Seen inmitten unberührter Wälder bei Coeur d`Alene bis hinab an den Rand der Wüste Nevada und hat die gleiche Nord-Süd-Ausdehnung wie die Staaten Washington und Oregon zusammen. Dazwischen liegen die bekannten Wildwasserstrecken des Salmon River, das romantische Seengebiet um McCall und eine buchstäbliche Krönung bilden die Sawtooth Mountains, eine bizarre Gebirgskette mit smaragdgrünen Seen. Westlich von Idaho gelangt man in die Trockenzone vor der Küstenkordilliere und weiter Richtung Küste in die feuchten Gebiete des Regenwaldes.

Wo Sprösslinge Wurzeln schlagen – Lake Crescent Lodge in State of Washington

Regenwaldvegetation nahe der Pazifikküste. © Foto: Rainer Hamberger
Regenwaldvegetation nahe der Pazifikküste. © Foto: Rainer Hamberger

Im Scheinwerferlicht konnte man den See und riesige Baumstämme erkennen. Die Lodge ist eine der Übernachtungs-möglichkeiten im Olympic -Nationalpark und wird von den dort ansässigen einheimischen Indianern betrieben. Der im westlichen Teil Washingtons gelegene Nationalpark auf der Olympic-Halbinsel wird 1938 gegründet. Seit 1978 ist er auch Biosphärenreservat der UNESCO, die ihn 1981 zum Weltkulturerbe erklärt. Nur an wenigen Orten in Nordamerika findet man auf so engem Platz Berge, von alten Gletschern bedeckt, üppige Regenwälder und einen  Küstenstreifen entlang des Ozeans. Nach Jahrzehnte langem Kampf kann Präsident Franklin Roosevelt ein Gesetz zur Errichtung des Nationalparks unterzeichnen. Heute ist der Park von Naturschutzgebieten umringt. Dazu zählen auch 77 Kilometer geschützte Küstenlinie.

Der Regenwald auf der Olympic-Halbinsel gehört zu den niederschlagsreichsten Teilen der USA, abgesehen von Hawaii. Auf umgestürzten Bäumen haben junge Sprösslinge Wurzeln geschlagen. Den Weg säumen vorwiegend Sitka-Fichten und Hemlocktannen. Viele sind über 100 Jahre alt, 90 Meter hoch und mit einem Stammumfang von bis zu 20 Metern. Dieses Chaos in der Natur bietet zahlreichen kleinen Säugetieren, Amphibien und Insekten Schutz. Aber auch Puma, Luchs, Schwarzbär und der Roosevelt-Wapiti, der die Größe eines Pferdes erreicht, fühlen sich in diesem Durcheinander wohl. Die höchste Erhebung des Parkes ist Mount Olympus, 2432 Meter hoch, umgeben vom Eiskranz zahlreicher Gletscher.

Am Ruby Beach in State of Washington. © Foto: Rainer Hamberger
Am Ruby Beach in State of Washington. © Foto: Rainer Hamberger

Versteckt zwischen Rhododendronbüschen führt der Weg zum Strand. Ruby Beach ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Doch das Gebiet ist so weiträumig, dass man sich fragt wo die Besitzer der geparkten Autos geblieben sind. Es ist Ebbe. Zwischen den „Sea-Stalks“ in Felsennischen sind kleine Tümpel zurück geblieben. Lila Seesterne klammern sich ans Gestein. Grüne Seeanemonen wedeln mit ihren Armen im immer weniger werdenden Wasser.

Es wird Zeit aufzubrechen, zurück nach Spokane, wo wir unseren Jeep wieder abgeben müssen. Während der letzten Nacht in diesem Bundesstaat, wieder im Davenport Hotel, geht draußen ein Gewitter nieder. Die glasklare, frische Morgenluft, der weite Horizont und Countrymusik an einer Straßenszene begleitet uns auf dem Weg zum Flughafen.

Informationen:

Reisen in den Westen der USA werden in vielen Varianten angeboten. Es gibt vorgebuchte Routen, wo man mit dem Mietwagen bestimmte Hotels anfährt. Auch Busrundreisen mit deutschsprachigen Reiseleitern werden veranstaltet.

Angebote für Flüge, Mietwagen und Unterkünfte gibt zum Beispiel der Nordamerikaspezialist CRD International.

Reisezeit: Die in den Rocky Mountains gelegenen Bundesstaaten Montana, Idaho, Wyoming und Colorado haben strenge Winter. Hier beginnt die Saison gewöhnlich erst im Mai und reicht bis Anfang Oktober. Je weiter wir nach Süden kommen desto länger währt die Reisesaison. So kennt San Francisco nie Schnee oder Frost, lediglich fällt nur zwischen Oktober und Mai der Regen.

Gesundheit: Es sind keinerlei Schutzimpfungen nötig. Überall gibt es Notfalldienste und auch in kleineren Städten Krankenhäuser. Wegen der Trockenheit der Luft sind auch hohe Temperaturen gut verträglich. Einige Nationalparks und Pässe führen die Besucher auf geteerten Straßen bis auf über 3000 m Höhe. Der Abschluss einer privaten Zusatz- bzw. Reisekrankenversicherung wird dringend empfohlen, da alle Behandlungen gleich bezahlt werden müssen. Die USA sind bekannt für besten Service für Rollstuhlfahrer. Rampen ermöglichen so auch behinderten Gästen den Zugang zu Museen und Aussichtspunkten an den Canyons und Küsten.

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