Start Deutschland Hut ab vor Homburg, Herrschaftszeiten und Höhl’s himmlischem Hessewein

Hut ab vor Homburg, Herrschaftszeiten und Höhl’s himmlischem Hessewein

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Das „Kur-Royal„ im altehrwürdigen Kaiser-Wilhelms-Bad. © Kur- und Kongreß-GmbH Bad Homburg v. d. Höhe

Bad Homburg, Deutschland (MaDeRe). Die Essenz des Champagners schwebt in der Luft, fließt sanft von nahen Taunushöhen herab, strömt durch den weitläufigen Kurpark als lauer Frühsommerwind, stets umschmeichelt von Blütendüften wie im Rausch. ‚The air of champagne’ machte Bad Homburg vor der Höhe zum Modekurort des britischen Adels. Drei deutsche Kaiser, siamesische und andere Könige, die ganz feine Gesellschaft vor gut 100 Jahren ging hier her heilbaden. Feierte einst ihre rauschenden Feste im pompösen Kurhaus. Und mit „Pomp“ empfängt in gleicher Lage, der Blick schweift in das abgestufte Grün hinein und zu aufstrebenden Fontänen im Park, heute das Maritim gerne seine Gäste.

„Pomp“ der Apfelweinsecco aus dem Hause Höhl perlt ins Glas. First Class, dieses Cuvée aus Riesling-Sekt vom Rheingau und dem edlen Saft der seltenen Apfelsorte Champagner-Reinette, nur von heimischen Streuobstwiesen. Höhl’s in Hochstadt – ein Traditionsunternehmen, älteste Apfelweinkellerei Deutschlands, 1779 gegründet – ist in Hessen d a s Synonym für „Äppelwoi“. Fünf Sorten werden bei einer Weinprobe kredenzt – immerzu im „Bembel“ einem zünftigen Schankgefäß aus Steingut vom Kannebäcker Land. Zuerst „Blauer Bock Urtyp“, fruchtig-süffiger Geschmack (ach ja, die Serie, glotzen und glucksen bei Opa und Oma auf dem Sofa), dann der naturtrübe „Schoppepetzer“ gefolgt vom herb würzigen „Speyerling“ und als was prickelndes der „rosé“ – Apfel plus schwarzer Johannisbeere. Jetzt kommt der „Pomp“ mit Aplomb. Und natürlich passen die Speisen zur Apfelweinfolge – und zur „Grie Soß“, Goethes so gern gelobter Grünen Soße aus sieben Kräutern: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer, Schnittlauch sowie saurer Sahne, ein paar hartgekochten Eiern und der passenden Prise Essig, Öl, Salz und Pfeffer. Apropos Essig: Sauer macht lustig und „Bioess“ ist dazu noch ein ganz gesunder Genuss, vegan und ein gutes Getränk passend zur Kur.

„In den aus wilden Wiesenflächen (schreibt Jürgen Roth in „Öde Orte“ 1998) hoch aufschießenden Kastanienbäumen, Laub- und Nadelhölzern vielzähliger Herkunft komponiertem Park knickt unweit der Chulalongkorn-Quelle die Kisseleffstraße ab. Dort wohnte unter Tausenden von älteren Personen nur vermeintlich gut geschützt A. Herrhausen. Der Donnerschlag erschütterte, fortgepflanzt im weitverzweigten Resonanzröhrenkörper des Kanalisationssystems drei Viertel der Stadt…“. Ein historischer Paukenschlag. Heute herrscht hier Ruhe, wohltuend nach der Hektik der Hauptstadt wo wir herkommen. Recht elegant und charmant verspielt erscheint dieser Kurort, anöden tun wir uns nicht. Modisch war er wohl nur als der spätere Edward VII. von England und so weiter den ‚Real Homburg Hat’ kreierte. Aber schön schlendern ist weiterhin angesagt, von Heilbrunnen zu Heilbrunnenrund, vom Flipp-Plopp der Bälle zum nächsten. Die englischsprachige Kolonie prägte das Heilbad, ein Tennisplatz wurde angelegt, der erste auf dem Kontinent, später der erste Rotsandplatz der Welt. Gespielt wird hier bis heute, wie auch auf dem Golfplatz im Kurpark dem zweiten „drüben“ in Europa.

Rund rollt es ebenfalls in einer besonders ergiebig sprudelnden Quelle: der Spielbank, bereits 1841 von den Brüdern Blanc gegründet jedoch schon 1872 von Preußen als „Sündenpfuhl“ geschlossen. Woraufhin Francois Blanc Monte Carlo berühmt machte. Aber Bad Homburg blieb begehrte Adresse auch ohne Casino. 1949 wiederöffnet, kommt nun jeder mit prallgefülltem Portemonnaie beim schnellen Dreh zum Zuge. Nobel, ganz gelassen und herrlich entspannt schreiten wir lieber durch das Kur-Royal im altehrwürdigen Kaiser-Wilhelms-Bad. Genießen mit allen Sinnen umhüllt von Sari oder Sarong eine erstaunlich vielfältige Wellnesslandschaft. So haben wir in Bad Homburg doch noch ein Highlight gefunden. Neben dem Schloss der und des Prinzen von Homburg und der nahen Saalburg am Limes – einst Römerkastell jetzt Freilichtmuseum und somit beliebtes Familien-Ausflugsziel im Taunus.

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