Start Europa Glanzstücke des Barock – Salzburg und sein „Domquartier“

Glanzstücke des Barock – Salzburg und sein „Domquartier“

558
0
Teilen
© Foto: Dr. Bernd Kregel

Salzburg, Österreich (MaDeRe). Ein architektonischer Geniestreich eröffnet neue Einblicke in das Zentrum bischöflicher Prachtentfaltung.

Mozart ist Kult. Nirgendwo mehr als in seiner Geburtsstadt Salzburg mit ihrem üppigen Mozart-Musikleben und ihrer allgegenwärtigen Mozart-Gedenkkultur. Bis hin zu den unvermeidlichen Mozart-Kugeln, seien sie nun „echt“ oder „original“. Schwebt da nicht sogar Mozarts Geist göttergleich über den Wassern der Salzach? Getragen vom Aufwind bewundernder Ehrfurcht, die ihm Einheimische und Zugereiste in gleicher Weise entgegen bringen.

Denn niemand weit und breit kann dem musengeküssten Genius das Wasser reichen. Und besonders schwer haben es alle jene, die einst – aus welchen Gründen auch immer – das wahre Genie Mozarts nicht erkannten oder gar versuchten, seinem Schaffensdrang Zügel anzulegen. Wie der aus diesem Grund oftmals zur Unperson erklärte Graf Colloredo. Jener Salzburger Fürsterzbischof, der dem aufstrebenden Ausnahmetalent Mozart gelegentlich seine finanzielle Unterstützung versagte und damit dem größten Sohn der Stadt zuweilen das Leben vergällte.

Macht und Glanz der Fürsterzbischöfe

Doch selbst wenn Mozart heute in seiner Heimatstadt als das Maß aller Dinge gilt, wäre es vermessen, die selbstbewussten Salzburger Fürsterzbischöfe unter Generalverdacht zu stellen. Denn waren nicht gerade sie es, die aus ihrer Machtfülle heraus Salzburg jenen Glanz verliehen, den einst schon der Weltreisende Alexander von Humboldt in höchsten Tönen zu würdigen wusste?

Allein das Stadtzentrum ist voll von beeindruckenden Baudenkmälern, die im Bereich des Domes und der Residenz räumlich ineinander greifen. Umso stärker das Bedauern, dass es um deren Zugänglichkeit bislang nicht besonders gut bestellt war. Ganze Türen und Trakte waren seit der napoleonischen Zeit zugemauert und verhinderten eine systematische Zusammenschau dieses architektonisch ineinander verschachtelten Areals.

Das Projekt „Domquartier“

So suchten in den letzten Jahren kreative Stadtplaner nach einer Möglichkeit, um die einstige Begehbarkeit durch geeignete Baumaßnahmen wiederherzustellen. Und schon war das Projekt „Domquartier“ aus der Taufe gehoben. Ziel sollte es sein, so Maximilian Brunner, Geschäftsführer der Salzburger Burgen und Schlösser, mit einer einzigen Tageskarte die zehn Einzelkomplexe des Gesamtareals besuchen zu können. Angefangen bei den fünfzehn Prunkräumen der Residenz, in denen sich der aus Gold- und Salzgewinnung erzielte Reichtum der Kirchenfürsten immer noch am unmittelbarsten widerspiegelt.

Nach dem prächtig ausgestalteten Audienzsaal vor allem im geräumigen Thronsaal der Residenz. Sie alle, so Birgit Meixner vom „Domquartier“ Salzburg, waren natürlich während ihrer Nutzung durch die Fürsterzbischöfe unzugänglich für die Öffentlichkeit. Nur dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart war es vergönnt, unter dem Vorgänger von Graf Colloredo an diesem besonderen Ort seine bereits über die Stadt Salzburg hinaus bekannte Tastenvirtuosität unter Beweis zu stellen.

Neuer Zugang zum Dom

Als weiterer Höhepunkt präsentiert sich auch die Residenzgalerie mit ihren elf Sälen ausgesuchter europäischer Meisterwerke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Direktorin Dr. Gabriele Groschner macht beim Rundgang aufmerksam auf einen der Ausstellungslieblinge, die „Kinder im Fenster“ von Ferdinand Georg Waldmüller. Ein Motiv, das nicht nur wegen seiner unbändigen Lebensfreude zu Herzen geht, sondern zugleich auch ein Meisterwerk des Künstlers darstellt im sensiblen Umgang mit Licht und Schatten.

Gleich danach kündigt sich der erste große Coup der „Domquartier“-Gestalter an. Denn über die Dombogenterrasse mit ihrem wundervollen Ausblick auf die Stadt und vorbei am Nordoratorium des Doms führt ein neuer öffentlicher Zugang hinüber zur Orgelempore. Von diesem bisher unerreichbaren Standort aus, gelegen unmittelbar am Fuße der mächtigen Orgel-Pedaltürme, ergibt sich ein überwältigender Blick hinunter in das langgezogene Kirchenschiff. An den Seiten ausgestaltet mit Gemälden zu den wichtigsten Ereignissen des Lebens Jesu, jenseits der Vierung noch einmal überhöht im Altarbild durch das Motiv der Auferstehung Christi.

Kunstschätze und Kuriositäten

So wie die Residenz hat natürlich auch der Dom sein eigenes Museum. Hier werden die unterschiedlichsten Kunstschätze mit einer Spannbreite von 1300 Jahren präsentiert, wie Direktor Dr. Peter Keller beim Rundgang nicht ohne Stolz betont. Hinzu kommen Kuriositäten der benachbarten Kunst- und Wunderkammer. Ein Eldorado von Absonderlichkeiten aus Kunst und Natur, das sicherlich schon in der Barockzeit die Neugier anregte.

Und dann plötzlich die zweite Sensation: Am Ende der „Langen Galerie“, einst Gemäldegalerie der Fürsterzbischöfe, führt eine Rampe hinauf zu einer von einem wuchtigen Marmorrahmen eingefassten Türöffnung. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, wäre sie nicht die letzten zweihundert Jahre zugemauert gewesen und erst vor kurzem in Zusammenhang mit der „Domquartier“-Planung wieder geöffnet worden.

Illustre Museumslandschaft

Sie führt hinein zu den Kunstschätzen des Museums St. Peter, des ältesten Klosters im deutschen Sprachraum mit ungebrochener Kontinuität. Aus 40.000 Sammlungsstücken habe man die schönsten herausgesucht und thematisch geordnet, so der Benediktiner-Erzabt Korbinian bei seiner Begrüßung. Zunächst unter den dankbaren Schwerpunktthemen „Kunst und Musik in St. Peter“. Dabei darf natürlich ein Bild von Michael Haydn, dem sogenannten „Salzburger Haydn“, nicht fehlen. Ein einstmals gefeierter Musiker, der an dieser Wirkungsstätte zu seiner Zeit sogar an Mozarts Ruhm heran reichte.

Im dritten Ausstellungsbereich mit dem Titel „St. Peter in Geschichte und Verfassung“ legt Innenarchitekt Thomas Wizany noch kurz vor der Eröffnung des „Domquartiers“ Hand an, um mit Kennerblick einige der Exponate und Bildschirme aus ihren Verpackungsfolien zu befreien. Für ihn ist es ein paar Tage vorher noch die Ruhe vor dem An-Sturm, der hier ab Mitte Mai zu erwarten ist. Ist es doch ein völlig neues Blatt, das in der ohnehin opulent ausgestatteten Salzburger Museumslandschaft mit dem „Domquartier“ aufgeschlagen wird.

Mirabell und Leopoldskron

Abschließend noch ein Blick aus ungewohnter Perspektive hinein in das Innere der Franziskanerkirche, die mit ihrem berühmten Sternrippengewölbe und ihren barocken Einbauten beide Stilrichtungen auf eigenwillige und dennoch überzeugende Weise in sich vereinigt. Wer aber mit seiner Konzentrationsfähigkeit während des Rundgangs durch die zehn Museumseinheiten haushalten muss, der kann mit seiner Tageskarte zwischendurch nach Bedarf Verschnaufpausen einlegen.

Bei einem Spaziergang durch den barocken Mirabell-Schlossgarten mit Blick auf die weltbekannte Stadtsilhouette. Oder bei einem Abstecher zum Schloss Leopoldskron, dessen strahlend weiße Barockfassade sich schillernd im Schlossteich widerspiegelt. Offenbart sich Salzburg in seiner barocken Fülle damit nicht wieder einmal als das sprichwörtliche „Rom des Nordens“?

Reiseinformation „Salzburg/Domquartier“:

Anreise: Germanwings ab Köln/Bonn, Hamburg und Dortmund oder Air Berlin ab Düsseldorf und Berlin; sonst Auto oder Bahn über München.

Reisezeit: Öffnungszeiten „Domquartier Salzburg“ ab Ausstellungseröffnung am 17.05.2014 täglich außer Dienstag von 10-17 Uhr; im Juli und August täglich geöffnet.

Unterkunft: Hotel Schloss Leopoldskron, Hotel AuerspergMotel One Salzburg – Mirabell

Essen und Trinken: Smart-Food in Hangar 7Stiftskeller St. PeterCarpe Diem Finest Fingerfood

Salzburg Card: All Inclusive Card für alle Sehenswürdigkeiten, öffentliche Verkehrsmittel incl. Seilbahn Untersberg, ab 23 Euro

Auskunft: Domquartier Salzburg, Salzburg Information, dort auch Auskunft über neue buchbare Barock-Packages inkl. Eintritt ins Domquartier; Salzburger Land

Kommentieren Sie den Artikel

− 1 = 2