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Wo Circe den Odysseus becircte – Unter weißen Segeln durch das westliche Mittelmeer

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© Foto: Dr. Bernd Kregel

Venedig, Italien (MaDeRe). Mit der „Royal Clipper“ als weltweit größtem Segelschiff lebt die Segelromantik vergangener Zeiten fort.

Auge in Auge mit der Galionsfigur. Einer üppigen Dame, bei deren vornehmer Blässe der goldene Zierrat in ihrem Haar nur umso auffälliger in Erscheinung tritt. Vergleichbar der Loreley auf ihrem Felsen über dem Rhein. Und wie diese mit unübersehbaren körperlichen Reizen ebenso geeignet, einen Seefahrer augenblicklich schwach zu machen. Unter ihr ein spitzer Bug, der das Meerwasser messerscharf zerteilt und als sprühende Gischt nach beiden Seiten hin aufwirbelt. Und über ihr die prall mit Wind gefüllten Segel, die von der Takelage fünf mächtiger Masten daran gehindert werden, sogleich flatternd und tanzend auf dem offenen Meer das Weite zu suchen.

Nur einen Ort gibt es an Bord der „Royal Clipper“, der Seefahrer-Träumen solchen Raum bietet. Es ist das weit über die Bugspitze hinausragende großmaschige Netz, dazu ausgespannt, um am Bugspriet die schlanken dreieckigen Klüversegel bei Bedarf augenblicklich aufzufangen. Solange diese jedoch bei steifer Brise ihre Pflicht tun, lässt es sich an dieser exponierten Stelle, hoch über den Wassern schwebend, ausgiebig träumen und genießen. Und beim Rauschen der Wellen auf der Route von Rom nach Venedig fühlen wie „der König der Welt“.

Männer zu Ferkeln

Doch dann plötzlich aus der Traum! Rasselnd folgen die armdicken Glieder der Kette dem schweren Anker aus ihrer Bugöffnung hinunter in die Tiefe. So erwecken sie mit ihrem Getöse wie von selbst das Interesse an diesem abgelegenen Ankerplatz im Tyrrhenischen Meer. Inmitten der Pontinischen Inseln südlich des römischen Hafens Civitavecchia, die hier mit steinernen Zyklopenwänden und bunten Fischerdörfern gleich beim ersten Anblick das unerwartete Erwachen sanft abfedern.

Odysseus und seiner Mannschaft, so erzählt wenig später mit Kennerblick Fischer Carlo am Strand der Hauptinsel Ponza, soll hier während seiner Odyssee nach dem Trojanischen Krieg allerdings Widersprüchliches zugestoßen sein. In jener aufgewühlten Zeit, als ihn die Zauberin Circe in einer Höhle am Strand der kleinen Felseninsel zielgerichtet becircte, aber andererseits seine lüstern dreinschauenden Männer kurzerhand in Ferkel verwandelte.

Inselparadiese und Höllenfeuer

Nichts lässt darauf schließen, dass der alte Zauber heute noch wirkt. Um jedoch Unannehmlickkeiten vorzubeugen, lässt Kapitän Sergey in Ruhe den Anker lichten und mit geradezu liturgisch anmutender Hingabe die Segel setzen. Wie stets unter den hymnischen und den Aufbruch beflügelnden Klängen von „Conquest of Paradise“. Wobei es sich offensichtlich um jene Inselparadiese handelt, die es nun in südlicher Richtung friedlich zu erobern gilt. Die legendäre „Insel der Sirenen“, die Odysseus in der Endphase seiner Heimreise von Ponza nach Ithaka damals noch ein riskantes Abenteuer wert war, gehört allerdings nicht dazu.

Vielmehr ist es im Golf von Neapel zunächst der Vesuv, der am nächsten Morgen mit seinem dunklen Kraterrücken viele neugierige Augenpaare auf sich zieht. Doch erst der Blick hinab von den Anhöhen der Insel Capri lässt erahnen, welches verborgene Höllenfeuer bei aller Erhabenheit in ihm schlummert. Allein seine Lavaasche auf dem Meeresboden, so weiß Serviererin Francesca im Aussichtscafé der stilvollen Villa San Michele zu berichten, verursacht als schwarzer Untergrund die strahlend blaue Meeresoberfläche, in der sich der blaue Himmel tagsüber in aller Klarheit spiegelt. Später sind es dann die in der Luft schwebenden Ascheteilchen, die der untergehenden Sonne ihre intensive rote Färbung verleihen.

Zwischen Scylla und Charybdis

Entlang der Küstenlinie in südlicher Richtung erstreckt sich auch die italienische „Straße der Vulkane“. Auf der setzt mit seiner kegelförmigen Silhouette der Stromboli als Hauptvulkan der Liparischen Inseln ein unübersehbares Orientierungszeichen. Eine Gefahr jedoch, so ist schnell zu erkennen, geht von ihm gegenwärtig nicht aus. Im Unterschied zu Scylla und Charybdis? Jenen beiden Meeresungeheuern, die einst Homer in der Meerenge der Straße von Messina beschrieb, weil sie seinen Helden Odysseus mitsamt seinem Schiff fast in die Tiefe gerissen hätten?

Chefingenieur Bernard gießt beim Passieren der aufgewirbelten Meeresstelle mit seinem Erklärungsversuch Öl in die Wogen der Aufregung. Ein Mythos, wohl wahr! Aber zugleich auch ein Naturphänomen, wenn das Tyrrhenische und das Ionische Meer – bedingt durch die Gezeitenströmung – mit einem faustgroßen Höhenunterschied aufeinander prallen und dabei diesen Strudel verursachen. Eine Herausforderung zwar für Odysseus, nicht jedoch für die „Royal Clipper“, wie er beruhigend erklärt.

Überblick über zweihundert Nebenkrater

Doch schnell schon gilt das Interesse dem hinter Catania sich mächtig auftürmenden Ätna. Mit seinen nahezu 3400 Metern Höhe lehrt er als höchster aktiver Vulkan Europas auch alle seine nördlichen Konkurrenten das Fürchten. Behäbig liegt er da, als wäre er gerade damit beschäftigt, sich der besseren Aussicht wegen sein Gesicht von lästigen Wolkenfetzen frei zu putzen. Will er doch ständig Überblick behalten über die mehr als zweihundert Nebenkrater, die sich unterhalb seines Hauptkraters im Verlauf regelmäßiger Eruptionen angesammelt haben.

Doch Chefingenieur Bernard bleibt beim Thema. Weiß er doch in dunkler Vorahnung zu berichten, dass südlich des angestrebten Ankerplatzes von Taormina sich Odysseus einst listenreich mit dem Zyklopen Polyphem anlegte und ihm bei dieser Auseinandersetzung sein einziges Auge ausstach. Ausgerechnet dem Sohn des Meeresgottes Poseidon, der augenblicklich auf Rache sann. So entfesselte er an der Schuhsohle des italienischen Stiefels einen Sturm, der das Meer aufpeitschte und das Schiff des Helden von Troja wie eine Nussschale in östlicher Richtung vor sich hertrieb, bis es schließlich vor der Insel Korfu vollständig Schiffbruch erlitt.

Bermuda-Dreieck ist überall

Auf genau dieser Fahrtroute hat am folgenden Tag auch die „Royal Clipper“ – immer noch auf den Spuren des griechischen Helden – bei hohem Seegang ihre Bewährungsprobe zu bestehen. Dabei ist der Kampf mit den Elementen unbeabsichtigt das geeignete Szenario für Kapitän Sergey, in einer seiner „Geschichtsstunden“ ganz ohne Seemannsgarn einen Einblick zu gewähren in seine vorangegangenen Sturmabenteuer auf den Weltmeeren. Endend mit der wenig tröstlichen Feststellung, dass auch außerhalb des Bermuda-Dreiecks jährlich an die 350 Schiffe aller Art auf den Ozeanen spurlos verschwinden.

Umso mehr genießt nun jeder nach dem Anlegen auf der Insel Korfu die Ruhe nach dem Sturm. Hier offenbart sich im „Achilleion“ der österreichischen Kaiserin Sisi die liebevolle Verehrung einer anderen Heldengestalt der Antike. Es ist Achill, der Sieger über Hektor vor Troja, dem bei aller Stärke schließlich seine Achillesferse zum Verhängnis wurde. Um sein Leben kämpfend bäumt er sich in Stein gemeißelt vergeblich auf, um den Pfeil doch noch mit letzter Kraft aus seiner Ferse herauszuziehen.

Einlaufen in die Lagune der „Serenissima“

Für Odysseus war die Insel seines knappen Entkommens nur noch einen Katzensprung entfernt von seiner ersehnten Heimatinsel Ithaka weiter südlich im Ionischen Meer. Dort, wo auch Frau und Kind schon sehnsüchtig auf ihn warteten und sich ehrgeiziger Nachfolger erwehrten. Allerdings weiß heute niemand genau zu sagen, ob Odysseus seine Odyssee vielleicht noch um ein Jahr oder zwei verlängert hätte, wäre ihm wirklich klar gewesen, welche Überraschungen weiter nördlich an der Dalmatinischen Adriaküste auf ihn warteten.

Diese erleben nun die Reisenden auf der „Royal Clipper“ bei ihrer Weiterreise in Richtung Norden. In der fjordähnlich verschlungenen Bucht von Kotor und an der Felsenküste von Dubrovnik. Auf der von Naturschönheiten überquellenden Insel Hvar sowie an den Landschaftsformationen der Westküste Istriens. Bis hin zur Lagune der „Serenissima“, in der die venezianischen Häuserzeilen bei strahlender Morgensonne mit ihrer morbiden Pracht Spalier stehen. Eine Kulisse, bei der selbst die Galionsfigur der „Royal Clipper“ mit ihrem verführerischen Blick aus dem Staunen nicht herauskommt.

Reiseinformationen „Royal Clipper“ Westliches Mittelmeer:

Anreise: Mit dem Flugzeug, z.B. Lufthansa, nach Rom-Fiumicino oder in umgekehrter Reihenfolge nach Venedig-Marco Polo. Der Transfer zum Schiff kann jeweils dazu gebucht werden.

Einreise: Wegen der Abstecher nach Montenegro und Slowenien empfiehlt sich die Mitnahme eines gültigen Reisepasses.

Reisezeit: Die „Royal Clipper“ verkehrt im Sommerhalbjahr im Westlichen Mittelmeer, ab November in der Karibik.

Reiseroute: Civitavecchia – Palmarola/Ponza – Capri – Taormina – Korfu – Kotor – Dubrovnik – Hvar – Rovinj – Piran – Venedig (und umgekehrt)

Schiffsatmosphäre: Die „Royal Clipper“ als luxuriöser Nachbau der großen Segler des 19./20. Jahrhunderts ruft die Tradition jener Tage wieder wach und bringt sie in Einklang mit der eleganten Atmosphäre einer Megayacht.

Kabinen: Fast durchweg Außenkabinen, ausgestattet mit Farbfernseher, Telefon, Safe sowie einem Marmorbad.

Buchung und Auskunft: Empfehlenswert über den Reiseveranstalter „Star Clippers Kreuzfahrten GmbH“, Konrad-Adenauer-Straße 4, 30853 Langenhagen, Telefon gebührenfrei 00800-78272547 oder 0511-7266590, Fax 0511-72665920, E-Mail: info@star-clippers.de, oder die Reisebüros Ihres Vertrauens.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von Star Clippers Kreuzfahrten GmbH.

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